In Deutschland eher am Rande wahrgenommen, in Italien ein Longseller: „Der wiedergefundene Freund“ des Stuttgarter Autors Fred Uhlman Mailand – Was und wen lesen die Italiener? Alles mögliche, aber kaum Bücher aus dem deutschen Sprachraum. Die Literaturbeilage „tuttolibri“ der Turiner Tageszeitung „La Stampa“ hatte kürzlich eine Untersuchung zum vergangenen Jahr 2025 veröffentlicht. Unter den 100 meistverkauften Titeln finden sich vor allem italienische Autorinnen und Autoren, aber auch Übersetzungen aus vielen Sprachen – Spitzenreiter ist Dan Brown – allerdings keine einzige aus dem Deutschen. Die geringe Anerkennung deutschsprachiger Autoren in Italien beim breiten Publikum bestätigen regelmäßig die seit Jahren gemeinsam von den wichtigsten Tageszeitungen jeweils wöchentlich veröffentlichten Bestsellerlisten. Dennoch sind sie auch für eine positive Überraschung gut, die zwar nicht zu einer Übersetzung aus dem Deutschen, doch nach Deutschland, nach Stuttgart führt.
Gegenwartskunst
Zwischen neu interpretierter Altertumswissenschaft und hoffnungsvoller Gentherapie: Die Balzanpreise 2025 unterstreichen die Herausforderungen, denen sich die Wissenschaften heute in der Gesellschaft stellen müssen Mailand – Jedes Jahr gibt die Internationale Stiftung Balzan (Mailand/Zürich) Anfang September die Namen der Persönlichkeiten bekannt, deren Forschungen mit dem Preis der renommierten Wissenschaftseinrichtung ausgezeichnet werden. In der Regel sind das je zwei in den Natur- und in den Geisteswissenschaften. In diesem Jahr 2025 werden geehrt: Josiah Ober (Stamford University, USA) für Altertumswissenschaften: Athenische Demokratie – neu betrachtet; Rosalind Krauss (Columbia University, USA) für Kunstgeschichte der Gegenwart; Christophe Salomon (Laboratoire Kastler Brossel Paris, Frankreich) für Atome und ultrapräzise Messing der Zeit; sowie Carl H. June (University of Pennsylvania, USA) für Gentherapie und genmodifizierte Zelltherapie. Die Preise sind mit je 750.000 Schweizer Franken (rund 800.000 Euro) dotiert, wobei nach der Satzung der Stiftung die Hälfte des Preisgeldes in weitere Forschungsprojekte investiert werden sollen, die von jungen Wissenschaftlern der jeweiligen Fachbereiche durchgeführt werden.
AUS VERSCHIEDENEN BEREICHEN
Die Welt des Balletts in der kleinen aber feinen Ausstellung „Lo sguardo nascosto“ im Theatermuseum der Scala und das gleichnamige Buch des Bühnenfotografen Gérard Uféras Mailand – Wer in diesem Sommer die lombardische Metropole besucht, kann noch bis Mitte September in dem Museum der Scala eine Entdeckung machen: Die kleine Ausstellung „Lo sguardo nascosto“ (Der verstohlene Blick) über die Welt des Balletts am Teatro alla Scala. Sie basiert auf Fotografien eines soeben erschienen gleichnamigen Buchs mit Arbeiten des französischen Bühnenfotografen Gérard Uféras. Der Wert der in diesem Band versammelten Bilder liegt vor allem in den Umständen ihrer Entstehung: Es handelt sich nicht um eine Fotoserie über das Ballettensemble der Mailänder Scala heute, sondern, wie Paolo Besana in einem Textbeitrag dazu schreibt, „um die Dokumentation eines Prozesses: Die ersten Aufnahmen stammen aus dem Jahr 2017. Im Laufe der Jahre kehrte Uféras regelmäßig zurück, fand Orte und Menschen wieder, schloss Freundschaften und näherte sich immer mehr den Geheimnissen der Ballettkompagnie vor allem hinter der Bühne.“ Neben einer Fotoauswahl zeigt die Ausstellung Kostüme historischer Aufführungen sowie Installationen der Papierkünstlerin Caterina Crepax.
DER VERSTOHLENE BLICK
Drei Ausstellungen in Mailand, ein weiteres Ausstellungsprojekt in Venedig und die Einrichtung eines Film Funds – die Fondazione Prada sprüht geradezu vor Aktivität Mailand / Venedig – Ein Überblick über die Entwicklung der Fotografie im Deutschland des 20. Jahrhunderts („Typologien“ bis 14. Juli) sowie eine Monografie des belgischen Künstlers Thierry De Cordier („Nada“, bis 29. 9.) sind neben der festen Sammlung von Gegenwartskunst im Mailänder Hauptsitz der Prada-Kulturstiftung zu sehen. Im Osservatorio, den Ausstellungsräumen in der Galleria zwischen Domplatz und Scalaplatz, geht es derweil um die Rolle des Storyboards für Film- und TV-Produktionen („A Kind of Language“, bis 8. 9.). Und im venezianischen Sitz problematisiert Rem Koolhaas die Geschichte der visuellen Kommunikation mit Daten („Diagrams“, bis 24. 11.)
AUF DER SUCHE NACH ANTWORTEN
Großes Kino und mehr: Der „Spazio Antonioni“ feiert in Ferrara das künstlerische und intellektuelle Erbe des Filmregisseurs Mailand/Ferrara – Unter den Filmregisseuren, die das italienische Kino mit Beginn der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts prägten, gilt Michelangelo Antonioni als ein Meister cineastisch poetischer Untersuchungen. Wim Wenders nennt ihn einen „Maler der Kinoleinwand“. Geboren 1912 in Ferrara ging Antonioni in den 1940er-Jahren nach Rom, wo er 2007 stab. Ferrara und die Räume der heimatlichen Po-Landschaft blieben aber in vielen seiner Filme präsent. Seine Vaterstadt hat ihm jetzt mit dem „Spazio Antonioni“ einen sehenswerten festen Ausstellungsort eingerichtet, der Anfang Juni in einem Pavillon des Palazzo Massari eröffnet wurde.
