Zwischen neu interpretierter Altertumswissenschaft und hoffnungsvoller Gentherapie: Die Balzanpreise 2025 unterstreichen die Herausforderungen, denen sich die Wissenschaften heute in der Gesellschaft stellen müssen

Mailand – Jedes Jahr gibt die Internationale Stiftung Balzan (Mailand/Zürich) Anfang September die Namen der Persönlichkeiten bekannt, deren Forschungen mit dem Preis der renommierten Wissenschaftseinrichtung ausgezeichnet werden. In der Regel sind das je zwei in den Natur- und in den Geisteswissenschaften. In diesem Jahr 2025 werden geehrt: Josiah Ober (Stamford University, USA) für Altertumswissenschaften: Athenische Demokratie – neu betrachtet; Rosalind Krauss (Columbia University, USA) für Kunstgeschichte der Gegenwart; Christophe Salomon (Laboratoire Kastler Brossel Paris, Frankreich) für Atome und ultrapräzise Messing der Zeit; sowie Carl H. June (University of Pennsylvania, USA) für Gentherapie und genmodifizierte Zelltherapie. Die Preise sind mit je 750.000 Schweizer Franken (rund 800.000 Euro) dotiert, wobei nach der Satzung der Stiftung die Hälfte des Preisgeldes in weitere Forschungsprojekte investiert werden sollen, die von jungen Wissenschaftlern der jeweiligen Fachbereiche durchgeführt werden.
Die Fachgebiete wechseln etwa im Gegensatz zum Nobelpreis von Jahr zu Jahr, um neue oder aufkommende Forschungsfelder zu fördern. Wie die Präsidentin der Preisjury, Marta Cartabia, bekannt gab, werden im kommenden Jahr 2026 zu folgenden Themen Auszeichnungen vergeben: (1) Jüdische Studien, (2) Sozialwissenschaft der digitalen Technologie, (3) Biologisch abbaubare Polymere aus nachwachsenden Rohstoffen und (4) Molekulare Evolution: Entschlüsselung von Mustern genomischer Veränderungen. Außerdem wird auch der Sonderpreis für Menschlichkeit, Frieden und Brüderlichkeit unter den Völkern verliehen, den die Stiftung in unregelmäßigen Abständen zusätzlich auslobt.
Komplexität der Probleme
Unter den Auswahlkriterien des Preiskomitees spielt der interdisziplinäre Charakter von Forschung eine besondere Rolle. Nur die fruchtbare Verbindung von Wissen und Forschung aus verschiedenen Bereichen, so die Präsidentin der Stiftung Balzan „Premio“ Maria Cristina Messa, ermögliche es, die Komplexität der Probleme anzugehen, die Natur und Gesellschaft aufwerfen.
Die Internationale Stiftung Balzan wurde 1957 gegründet, um Kultur, Wissenschaft und die verdienstvollsten Initiativen in den Bereichen Humanität, Frieden und Völkerverständigung zu fördern. Die Kandidaturen stammen von akademischen und kulturellen Einrichtungen aus aller Welt, die entsprechend angefragt werden. Die Stiftung wirkt von zwei institutionellen Standorten, von Mailand und von Zürich aus. Balzan „Premio” (Mailand) wählt mit einem Preiskomitee, das sich aus international renommierten Mitgliedern aus ganz Europa zusammensetzt, die zu prämierenden Fachgebiete aus und bewertet die Kandidaturen. Balzan „Fonds” (Zürich) verwaltet das von Eugenio Balzan hinterlassene Vermögen.
Die Preise werden abwechselnd in der italienischen Hauptstadt und in der der Schweiz vergeben. In diesem Jahr nehmen die Preisträger und die Preisträgerin ihre Auszeichnungen am 14. November in Bern im Schweizer Bundeshaus in Anwesenheit der Präsidentin des Nationalrates, Maja Riniker, entgegen.

