Musik


Drei Ausstellungen in Mailand, ein weiteres Ausstellungsprojekt in Venedig und die Einrichtung eines Film Funds – die Fondazione Prada sprüht geradezu vor Aktivität Mailand / Venedig – Ein Überblick über die Entwicklung der Fotografie im Deutschland des 20. Jahrhunderts („Typologien“ bis 14. Juli) sowie eine Monografie des belgischen Künstlers Thierry De Cordier („Nada“, bis 29. 9.) sind neben der festen Sammlung von Gegenwartskunst im Mailänder Hauptsitz der Prada-Kulturstiftung zu sehen. Im Osservatorio, den Ausstellungsräumen in der Galleria zwischen Domplatz und Scalaplatz, geht es derweil um die Rolle des Storyboards für Film- und TV-Produktionen („A Kind of Language“, bis 8. 9.). Und im venezianischen Sitz problematisiert Rem Koolhaas die Geschichte der visuellen Kommunikation mit Daten („Diagrams“, bis 24. 11.)

AUF DER SUCHE NACH ANTWORTEN


Die Mailänder Scala, eine neue Spielzeit, eine Museumseinrichtung und eine Buchveröffentlichung über ihre Geschichte parallel zur Stadthistorie im Vorfeld der Feiern zur Gründung der Oper vor 250 Jahren Mailand – Das Teatro alla Scala, das Flaggschiff der italienischen Opernhäuser, hat mit einem Blick nach vorne die Spielzeit 2025/2026 vorgestellt, die am 7. Dezember mit “Lady Macbeth von Mzensk” von Dmitri Schostakowitsch mit Riccardo Chailly am Pult eröffnet wird. Zugleich lässt das Theater seine Vergangenheit aufleben: Im Mailänder Museo della Scienza e della Tecnologia erlebt ein Modul der alten hydraulischen Hebebühne, die von 1938 bis zum Umbau 2002 ihre Dienste tat, in einer festen Einrichtung seine Auferstehung. Zugleich untersucht eine prächtig ausgestattete Veröffentlichung („La Scala. Architettura e città“) die Beziehung der Bühne zur Stadt. Ein großes Ereignis wirft so seine Schatten voraus: In drei Jahren kann die Scala, die 1778 in dem nach Plänen von Giuseppe Piermarini errichteten Bühnenhaus eröffnet wurde, ihr 250-jähriges Bestehen feiern.

BÜHNENGEFLÜSTER



Biennale (1): »Intelligens. Natural. Artificial. Collective.« Die Architekturbiennale Venedig 2025 propagiert eine Baukultur, die sich der Klimakrise stellt und sich den radikal veränderten Umweltbedingungen anpasst. Mehr als 300 Projekte mit über 750 Teilnehmer bilden dabei einen Ausstellungsparcours am Rande der Überschaubarkeit Venedig (bis 23.11.25)  – Wer auf der 19. Architekturbiennale Modelle, Pläne, Fotos von Bauwerken sucht, wird es nicht leicht haben. Denn es geht im Arsenale, im Ausstellungsbereich der historischen Werftanlagen der Lagunenstadt sowie in den Giardini mit den nationalen Pavillons weniger um die Darstellung von Architektur, sondern um die kritische Auseinandersetzung mit ihr. So trifft man hier auf aufgerissene Böden und die Wiedernutzung alter Materialien etwa in dänischen Pavillon. Dort auf eine Art Mobile mit Abfällen verschiedener Baustoffen oder auf ein in allen Katastrophenfällen einzusetzendes Notzelt aus extrem leichten Material in der Seilerei des Arsenals.

MIT OPTIMISMUS NACH VORNE DENKEN


Auf der Bühne: Die erfolgreiche Weltpremiere der Oper „Il Nome della Rosa“ mit der Musik von Francesco Filidei unter der Leitung von Ingo Metzmacher und der Regie von Damiano Michieletto in Mailand Mailand – Als das Teatro alla Scala die neue Oper „Il Nome della Rosa“ von Francesco Filidei mit nur vier Wiederaufnahmen nach der Weltpremiere am 27. April programmierte, geschah das vielleicht in einer Art Zurückhaltung. Immerhin birgt die absolute Neuheit einer Oper zeitgenössischer Musik für ein der Tradition verpflichtetes Haus wie die Scala ein gewisses Risiko. Doch die Vorsicht war unbegründet: Bereits im Vorfeld waren alle fünf Aufführungen der Auftragsarbeit der Scala und der Opéra national de Paris ausverkauft. Die Premiere wurde ein Erfolg beim Publikum wie bei der Kritik. Und lang anhaltender Beifall beschloss die Inszenierungen unter der musikalischen Leitung von Ingo Metzmacher und der Regie von Damiano Michieletto auch an den folgenden Abenden. Das ist auf der einen Seite sicher dem Libretto und der gelungene Übertragung eines so vielschichtigen Stoffs wie des berühmten Romans von Umberto Eco zu verdanken.

ELEGANTES, LOCKERES HANDWERK



80 Jahre Kriegesende (1): Italienische Debatten zum Jahrestag der Befreiung vom Nazifaschismus, die Rolle des antifaschistischen Widerstands und eine Veröffentlichung über die Geschichte der Resistenza des Historikers Santo Peli Mailand – Am 25. April 1945 zogen Partisanen in das von den deutschen Truppen verlassene Mailand ein. Das Comitato di Liberazione Nazionale Altaitalia CLNAI (Nationales Befreiungskomitee Oberitalien), das in der Stadt seinen Sitz hatte, rief zum Aufstand in allen noch von Faschisten und Besatzern kontrollierten Gebieten und zu landesweiten Streiks auf. Der 25. April wurde dann 1946 unter der ersten Regierung von Alcide De Gasperi zum Nationalfeiertag erklärt, um die totale Befreiung des Staatsgebietes zu erinnern und zu würdigen. Die Resistenza, die Rolle des bewaffneten Kampfes in Italien, der mit der Besatzung des Landes durch die Wehrmacht am 8. September 1943 begonnen hatte, und die Bedeutung des Antifaschismus für die Herausbildung eines republikanischen und demokratischen Staates nach dem Krieg sind Themen, die in der historischen Entwicklung Italiens der Nachkriegszeit eine grundlegende Geltung haben. Sie werden auch jetzt zum 80. Jahrestag der Befreiung vom Nazifaschismus diskutiert, zumal das Land in einer Koalition mehrheitlich von der Partei Fratelli Italia regiert wird, die aus der neofaschistischen Nachfolgeorganisation MSI hervorgegangen ist.

»DIE DEMOKRATIE HÄNGT VON UNS AB«