Geschichte


Gastbeitrag: Zum Tod von Friedrich Christian Delius eine Grabrede von Peter Kammerer Urbino/ Berlin – Friedrich Christian Delius, 28, Stipendiat der Villa Massimo in Rom, schrieb 1971 in einem Gedicht an Nikolaus Born: Mensch Born,/ wenn Du hierher kommst, wirst du das alles auch erleben,/ auf deine gute Bornsche Weise, aber/ ich schreib dir schon mal, was/ mir so durch den Kopf geht,/ wenn ich beispielsweise mit zwei, drei/ Briefen rüber zum Briefkasten an der Piazza Bologna geh./ In diesen/ Briefen habe ich geschrieben: alles ok, etwas vom Frühling,/ etwas vom Tischtennis und unserer Arbeit, und etwas, was wir hier/ in den Zeitungen lesen –  FC arbeitete damals an der Fertigstellung von „Unsere Siemenswelt“. Er gab mir einen Durchschlag des Manuskripts zu lesen. Mir entging nicht die unmittelbar politische, wohl aber die große sprachliche Leistung dieser Satire und ihrer Methode der Enthüllung durch Nachahmung. Dann erteilte der Siemens-Konzern „den Linken aller Fraktionen“ Nachhilfeunterricht und strengte einen für den Autor existenzgefährdenden Prozess an. Beweis, „dass das Buch auch ganz nützlich ist“, hat er mir im Februar 1973, bei der Vorbereitung der bereits vierten Auflage geschrieben.  Und wenige Wochen vor seinem Tod bemerkte er im Rückblick: Damals kämpfte ich darum, ein Autor […]

„IN MEINEM ROM“


Desenzano sul Garda/ Sirmione, Anfang Juni – Eine kleine Tour führt zu drei staatliche Einrichtungen unter der Direzione Regionale Musei Lombardia an den Gardasee. Sie beginnt in Desenzano sul Garda bei den Ausgrabungen einer römischen Villa, die bis zum 4. Jh. n. Chr. mehrfach verändert wurde. Möglich, dass sie zuletzt von einem Bruder des Kaisers Magnentius (350-353 n. Chr.) erweitert wurde – auf diesen Flavius Magnus Decentius geht angeblich auch der Name von Desenzano zurück. Von seiner Villa öffnete sich ein Panoramablick auf den See. Inzwischen von einem Wohnviertel umgeben, liegt sie eher versteckt und zählt zu den weniger bekannten Attraktionen von Desenzano. Erst im letzten Jahrhundert entdeckt spiegeln die Ausgrabungen der Villa Romana noch das Forschungsbemühen von Wissenschaftlern wider. Die Anlage erschließt sich nicht sofort beim Besuch (auch, weil die angebotene App der drei Einrichtungen schwer runterzuladen und nicht leicht zu bedienen ist). Dennoch lohnt das Kommen allein wegen der herrlichen Fußbodenmosaike.

Am Gardasee



Der Kirchenbau der protestantischen Gemeinde Mailand (CCPM) nach einer umfassenden Restaurierung und nach Umbauarbeiten in einer reich bebilderten Dokumentation, die gerade erschienen ist.  Mailand – Vor mehr als 170 Jahren gründeten Schweizer Reformierte und deutsche Lutheraner in Mailand eine protestantische Gemeinde unter der offiziellen Bezeichnung „Evangelische Versammlung“. Wenig später konnte sie sich als „Chiesa Cristiana Protestante in Milano“ (CCPM) ein Statut geben. 1864 wurde der Bau eines eigenen Kirchengebäudes im neugotisch-lombardischen Stil an der damaligen Via Carlo Porta (heute Via Marco de Marchi) eingeweiht. Nach vielen kleinen Maßnahmen zur Pflege des Gebäudes und der Anlage waren in den 2010er-Jahren größere Renovierungs- und Umbauarbeiten nötig, die 2017 abgeschlossen werden konnten. Eine kleine  zweisprachige Veröffentlichung der CCPM unter dem Titel „In neuem Licht / In nuova luce“, die gerade erschienen ist, dokumentiert und wertet diese Arbeiten. Die geben der Gemeinde auch die Möglichkeit, ihre Aktivitäten nicht nur geistlich, sondern ebenso kulturell und gesellschaftlich auszuweiten.

IN NEUEM LICHT


  Schwierige Verhältnisse, konfliktreiche Beziehungen: Mensch, Natur und Landschaft. Ein Gespräch mit dem Wiener Historiker Philipp Blom Mailand – Mensch und Natur kann man nicht getrennt denken. Davon ist der Wiener Historiker, Essayist und Schriftsteller Philipp Blom überzeugt. Im Interview spricht er von „einer absurden Selbstüberschätzung des Menschen“, der sich über Natur stellt. Er fordert, das Verhältnis „zwischen uns und dem Rest der Natur“ neu zu definieren,  und fragt sich nach der Rolle, die Landschaft dabei spielen kann. Philipp Blom wurde 1970 in Hamburg geboren, studierte Philosophie, Geschichte sowie Judaistik in Wien und Oxford, und lebt heute in Wien.

EINE ABSURDE SELBSTÜBERSCHÄTZUNG



Mailand (Auszug aus „Gebrauchsanweisung für Italien„, Neuausgabe) – Italien hat alles. Es hat hohe, prächtige Berge, an der Grenze zu Frankreich sogar die höchsten Europas. Es hat von flirrendem Licht durchzogene Ebenen in den Niederungen des Po sowie im Küstenland Venetiens und des Friauls. Es hat ein kräftiges Mittelgebirge, das sich wie eine Art Wirbelsäule die Halbinsel entlangzieht, die nach ihm seinen Namen trägt: Apenninhalbinsel. Es hat herrliche Binnenseen. Es hat, die Inseln eingeschlossen, mehr als 8000 Kilometer lange Küsten, meist felsig, aber auch oft sandig auslaufend, zur besonderen Freude der Badegäste.

In Italien