NATIONAL ODER INTERNATIONAL?


Ausschreibung für neue Museumsdirektoren in Italien

© Cluverius

Demnächst mit neuem Chef – Pinacoteca di Brera im ersten Stock des Mailander Palazzo Brera

 Mailand/Rom – Die Besetzung der „superdirettori“, wie die Chefposten der großen und mit einer Autonomie ausgestatteten staatlichen Museen von den italienischen Medien genannt wird, geht in eine neue Runde. In den Vorjahren hatten Mitte-links-Regierungen Bewerbungen von ausländischen Persönlichkeiten favorisiert – etwa den Deutschen Eike Schmidt als Leiter der Uffizien in Florenz oder den Briten James Bradburne bei der Brera in Mailand. Ein halbes Dutzend von Museen und Kultureinrichtungen kamen so unter ausländisches Fachpersonal, was zum Teil wütende Proteste aus rechtsorientierten Kulturkreisen auslöste. Neuerdings bestimmt eine national orientierte Regierung in Rom das staatliche Kulturwesen. Und es stehen Neubesetzungen in einer ganzen Reihe von Institutionen an. Darunter auch die Uffizien, die Brera oder das Capodimonte (Neapel). Gibt es einen nationalistischen Rechtsruck: Ausländer raus?

Gerade hat das römische Kulturministerium die Stellenausschreibung veröffentlicht. Die gibt sich aber überraschend europäisch-liberal. Die Jobs stehen „italienischen Staatsbürgern oder Bürgern eines EU-Mitgliedstaats“ offen, die „Führungspositionen in privaten Unternehmen oder öffentlichen Verwaltungen in Italien oder im Ausland bekleidet haben, aus denen sich Führungskompetenzen im Bereich des kulturellen Erbes ableiten lassen.“ Gefordert wird außerdem „eine besondere berufliche, kulturelle und wissenschaftliche Spezialisierung im Bereich des kulturellen Erbes“ sowie eine mindestens fünfjährige Berufserfahrung in Italien oder im Ausland. Wer bereits als Direktor eines Instituts oder einer Kulturstätte mit besonderer Autonomie tätig ist und seine Amtszeit abläuft – was etwa für Eike Schmidt zutrifft -, kann sich „in Anwendung des Rotationsprinzips nur für eine andere Stelle als diejenige bewerben, die er zuvor oder derzeit innehatte“, liest man in den Ausschreibungsunterlagen.

Was man verdienen kann

Die klären auch über die jährliche Bruttovergütung für die Direktorenstelle mit 149.126,79 Euro zuzüglich einer eventuellen Ergebnisvergütung bis zu einem Höchstbetrag von 40. 000.- auf. Die Bewerbungen mussten bis Mitte Juli eingehen, zurzeit erstellt eine Findungskommission eine Vorschlagsliste, aus der der Kulturminister  dann seine Wahl trifft. Ob diese national oder international, rechtsradikal oder weiterhin liberal ausfällt, wird zeigen, ob und wie weit das neonationale kulturelle Italien sich von der internationalen Szene zurückzieht.

Ein ähnlicher Text ist im Informationsdienst Kunst 781 (13.7.23) erschienen