Auf dem Weg zu lebenswerten, widerstandsfähigen und gut vernetzten Territorien
Mailand (European Green City Forum) – Wir, die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner – Vertreter lokaler und regionaler Institutionen, Techniker, Verwaltungsfachleute und Förderer einer Kultur des Grünen – erkennen die Dringlichkeit der aktuellen Klimakrise und die Notwendigkeit, konkret, koordiniert und messbar zu handeln, um Städte und Regionen zu schaffen, die Lebensqualität, Umweltgerechtigkeit und eine Zukunft für die nächsten Generationen gewährleisten können. Wir verpflichten uns, einen ökologischen und kulturellen Wandel unserer Städte und Regionen zu fördern, der auf folgenden Grundsätzen basiert:
- Naturpositive Städte und Landschaften
Es reicht nicht mehr aus, negative Auswirkungen zu reduzieren: Es ist Zeit, ökologischen Wert zu schaffen. Wir fördern naturpositive Städte und Landschaften, die die biologische Vielfalt stärken, Ökosysteme wiederherstellen und aktiv zur Umweltgesundheit beitragen. Diese Vision umfasst auch Stadtrandgebiete, Agrarlandschaften sowie kleine und mittlere Zentren: Ein zusammenhängendes territoriales System, das Natur, Kultur und Menschen miteinander verbindet. Der Übergang zu naturpositiven Modellen erfordert eine neue Allianz zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor, zwischen Institutionen und Unternehmen, die in Naturkapital als strategische Ressource für Entwicklung, Resilienz und soziale Gerechtigkeit investieren.
- Städtische Erneuerung vor Neubau
Der Sanierung und Aufwertung des Bestehenden ist Vorrang einzuräumen, um weiteren Flächenverbrauch und die Versiegelung natürlicher Oberflächen zu vermeiden. Bereits urbanisierte Gebiete müssen zu pulsierenden Herzen einer neuen ökologischen und integrativen Urbanität werden, die die Erinnerung an Orte aufwertet und mit innovativen und nachhaltigen Lösungen auf aktuelle Bedürfnisse reagiert.
- Entsiegelung als Schlüsselstrategie für die Widerstandsfähigkeit der Städte
Unnötige undurchlässige Flächen entfernen, um der Natur, dem lebendigen Boden und der Artenvielfalt Raum zurückzugeben und so die Klimaanpassungsfähigkeit der Städte, die Luftqualität und das tägliche Wohlbefinden der Menschen zu verbessern. Entsiegelung ist ein Akt der Fürsorge und Weitsicht, der Raum für das Mögliche schafft.
- Jedes Gebiet kann eine Green City sein
Von Metropolen bis zu ländlichen Gebieten, von Berg- bis zu Küstengemeinden: Jeder Kontext kann maßgeschneiderte grüne Strategien umsetzen. Die Region selbst kann zu einer weitläufigen Green City werden, die den ökologischen Wandel mit Weitblick, Kohärenz und einer für die Gemeinden offenen Governance vorantreibt.
- Bürger aktivieren und Allianzen schmieden
Bürgerinnen und Bürger müssen als Mitgestalter der städtischen Transformationsprozesse einbezogen werden. Beteiligung ist keine Option, sondern eine notwendige Voraussetzung für gerechte, nachhaltige und gemeinsame Politik. Insbesondere die neuen Generationen müssen angehört und in die Verantwortung genommen werden. Allianzen zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor, zwischen lokalen Kompetenzen und internationalen Visionen sind von grundlegender Bedeutung, um den Wandel zu verankern.
- Grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Weitblick über Grenzen hinweg
Die Landschaft kennt – ebenso wie die Klimakrise – keine Verwaltungsgrenzen. Wir fördern eine kontinuierliche und strukturierte Zusammenarbeit zwischen Gebieten, Regionen und Nationen, um zusammen ökologische, soziale und kulturelle Herausforderungen anzugehen. Die Landschaft ist ein gemeinsamer, kooperativer Raum.
- Grüne und blaue Infrastrukturen als ökologisches Rückgrat der Städte
Integration naturbasierter Lösungen in Stadtentwicklungspläne: ökologische Netzwerke, grüne Korridore, nachhaltige Wasserwirtschaft. Grüne und blaue Infrastrukturen müssen als dynamische Systeme konzipiert werden, die in der Lage sind, die biologische Vielfalt zu regenerieren, Klimarisiken zu mindern und Schönheit in den städtischen Kontext zu bringen. Jeder Bürger sollte Zugang zu einer öffentlichen Grünfläche innerhalb von 300 Metern von seinem Wohnort haben.
- Kultur, Schönheit und Kreativität als Instrumente der Transformation
Kunst, Kultur und Schönheit sind wichtige Hebel, um Räume zu regenerieren, Zugehörigkeit aufzubauen und nachhaltiges Verhalten zu inspirieren. Prozesse der urbanen Transformation müssen den Verstand und das Herz der Menschen ansprechen, die Vorstellungskraft anregen und ein neues Gefühl der kollektiven Verantwortung fördern.
Schönheit ist ein Bürgerrecht, eine universelle Sprache, die Zugehörigkeit und Zukunftsvisionen vermitteln.
- Messen, überwachen, verbessern
Wir setzen uns dafür ein, klare, gemeinsame und transparente Indikatoren zur Bewertung der Wirksamkeit grüner Politik zu definieren. Nur was gemessen wird, kann verbessert werden. Die Umweltberichterstattung muss zu einem integralen Bestandteil der Verwaltungs- und Projektkultur werden.
Mit der Unterzeichnung dieser Charta verpflichten wir uns, gemeinsam für grünere, widerstandsfähigere, inklusivere und schönere Gebiete zu arbeiten, in denen die Natur nicht nur Dekoration ist, sondern eine lebenswichtige Infrastruktur und integraler Bestandteil der Stadt- und Raumplanungsstrategie. Territorien, die sich nicht darauf beschränken, die Natur zu bewahren, sondern sie schaffen, schützen und in den Mittelpunkt jedes gegenwärtigen und zukünftigen Projekts stellen.
Mailand, 6. Juni 2025
Region Lombardei
Metropolstadt Mailand und anwesende Provinzen
Bürgermeister und Vertreter der anwesenden Gemeinden
und alle Freundinnen und Freunde von Green City
Und hier zur englischen und zur italienischen Fassung der Green Charta 2025
