Im Kino: Der Film „La vita va così” zeigt, wie sich ein Hirte auf Sardinien gegen Bauspekulanten aus Mailand wehrt. Eine Komödie von Riccardo Milani, in der sich Realität und Fabel mischen
Mailand (Cinema Palestrina) – Der Film La vita va così („So ist das Leben“) erzählt die Geschichte eines halsstarrigen Kleinbauern, der an der Küste Sardiniens eine groß angelegte Immobilienspekulation scheitern lässt. Die Handlung geht auf einen Fall zurück, der sich vor rund 15 Jahren an der Südküste Sardiniens unweit von Teulada abgespielt hat (- siehe unten den Hintergrund). Der römische Regisseur Riccardo Milani hat sie jetzt fürs Kino komödienhaft umgesetzt. In den Hauptrollen agieren Virginia Raffaele als Tochter des Hirten, Diego Abatantuono als Immobilienunternehmer und vor allem der Laiendarsteller Giuseppe Ignazio Loi, ein 84-jähriger sardischer Hirte ohne Schulabschluss, der zum ersten Mal vor der Kamera stand, in der Rolle des Efisio Mulas.
Efisio Mulas weigert sich, seine Bauernkate und sein Grundstück, wo er mit einer Handvoll Rindern lebt, an ein Mailänder Großunternehmen zu verkaufen, das hier an der Küste Sardiniens ein Luxusresort errichten will. Sein Zuhause, wo seine Familie seit Generationen gelebt hat, will er nicht verlassen, auch wenn das Unternehmen Jahr um Jahr das Kaufangebot in schwindelhafte Höhen treibt und ihn schließlich mit beginnender Bautätigkeit geradezu ummauert. Zudem bringt er mit seiner Dickköpfigkeit die Bewohner des nahen Ortes gegen sich auf, die sich von der Hotelanlage Arbeitsplätze und wirtschaftlichen Aufschwung erhoffen – ganz gleich, ob dabei die Natur zerstört und der Traumstrand „nicht mehr für alle“ sein wird, wie es Efisio beschwört. Am Ende stoppt ein Gerichtsurteil die Bautätigkeit und setzt Efisio ins Recht.
Der römische Regisseur Riccardo Milani (67), der nach Mitarbeiten bei Mario Monicelli und Nanni Moretti zunächst dramatische Stoffe behandelt hatte und auch Dokumentarfilmer überzeugen konnte, hatte sich zuletzt vor allem dem leichteren Genre zugewandt. So inszeniert er die Auseinandersetzung zwischen Hirt und Großunternehmen als eine Komödie. Zwischentöne verblassen, die reale Geschichte vermischt sich mit einer Fabel und enden in einer Art moralischen Allegorie „Die Komödie“, so zitiert der Corriere della Sera den Regisseur, „ist meine Welt.“ Sie gebe ihn die Möglichkeit, ein breites Publikum zu erreichen. Milani beruft sich dabei auf das große Vorbild Alberto Sordi, der etwa 1960 im Film „Il vigile“ Komödie und Kritik an Korruption verbinden könnte.
Komödie und Dramatik
Im ersten Teil überlagern komödiantische Elemente die Handlung, unterstrichen besonders durch den Comedy-Darsteller Aldo Baglio als Bauleiter, während im zweiten Teil der didaktisch-humoristische Ton überwiegt. Zuschauerinnen und Zuschauer erwarten zwei unterhaltsame Kinostunden, doch nimmt der Film die Herausforderung des Themas und seiner realen Vorlage nicht wirklich an. Das gilt auch für das Finale, wo ein deux ex machina alles zum Guten wendet (und sich die Geschichte im kollektiven Tanz auflöst). Das Leichte und Märchenhafte hat gerade im Kino seine Berechtigung. Doch geht hier verloren, was in Wirklichkeit auf eine gemeinsame Anstrengung von Organisationen der Zivilgesellschaft wie Italia Nostra zurückzuführen war. Dass man die Dramatik des Themas (Umgang mit Natur, Unterentwicklung, Bauspekulation) aufgreifen und daraus eine eigene Geschichte überzeugend für die Leinwand entwickeln kann, zeigte kürzlich etwa der Film „Anna“ von Marco Amenta (siehe hier auf Cluverius).
La vita va così. Mit (u.a.) Giuseppe Ignazio Loi, Virginia Raffaele, Diego Abatantuono, Aldo Baglio, Geppi Cucciari. Regie: Riccardo Milani; Buch: Riccardo Milani, Michele Astori; Kamera: Simone D’Onofrio, Saverio Guarna; Schnitt: Patrizia Ceresani, Francesco Renda. Produktion Wildside, Our Films, Medusa Film, PiperFilm. 118 Minuten. Italien 2025
Zum dokumentarischen Hintergrund
Vor rund 17 Jahren begann das Konsortium Sitas im Süden der Insel an der Landzunge Capo Malfatano, einem der schönsten Küstenstreifen Sardiniens, mit den Arbeiten einer riesigen, kaum 300 Meter vom Meer entfernten Anlage mit Wohn- und Ferienhäusern, einem Hotelkomplex und Serviceeinrichtungen mit 150 Kubikmeter Zement auf insgesamt 700 Hektar Bodenfläche. Das Unternehmen, in dem sich italienische Großunternehmer wie der Baulöwe Caltagirone aus Rom, der Benetton-Konzern aus Venetien oder das Bankhaus Monte die Paschi aus Siena zusammen geschlossen hatten, erhielt zwischen 2008 und 2010 in Umgehung aller Naturschutzvorschriften die notwendigen Baugenehmigungen von der zuständigen Gemeinde Teulada. Die wiederum träumte von touristischer Entwicklung ihres Ortes als ein „Rimini an der Costa del Sud“ und von tausenden Arbeitsplätzen für die lokale Bevölkerung.
Doch Investoren wie Lokalpolitiker hatten die Rechnung ohne einen alten, damals achtzigjährigen Kleinbauern und Hirten gemacht. Dieser Ovidio Marras klagte 2010 gegen das Konsortium, weil ihm ein Weg zu seiner Wohnkate und zu seinen Ställen kurzerhand überbaut worden war. Zwar hatte man ihm einen neuen Weg angelegt, doch Ovidio blieb stur und wollte seinen alten Weg wieder haben. Mit Unterstützung der Naturschutzvereinigung Italia Nostra konnte der Alte sein Recht durch alle Instanzen durchsetzen. Der Fall schlug internationale Wellen. Medien vom Guardian bis zur SZ feierten den Sieg von David Hirt über den Othello Großkonzern. (Siehe auch: Henning Klüver, Gebrauchsanweisung Sardinien, Piper 2021)
Zugleich strengte Italia Nostra erfolgreich Verfahren wegen Umgehung einer ganzen Reihe von Vorschriften des Naturschutzes an. Eine Folge von Urteilen bis zur letzten nationalen Instanz im Staatsrat ließen das gesamte Bauprojekt, von dem zu dem damaligen Zeitpunkt bereits einer von fünf Baulosen umgesetzt war, scheitern. Im Jahr 2018 gab das Konsortium Sitas auf und meldete Konkurs an. Im Januar 2024 starb Ovidio im Alter von 93 Jahren (hier ein Bericht). Doch die halbfertigen Bauten, teilweise von Natur überwuchert, verschandeln immer noch die Landschaft. Und die Böden müssten bonifiziert werden. Aber nichts geschieht. Die Konkursverwaltung liegt im Streit mit Behörden. Es drohen jahrelange gerichtliche Auseinandersetzungen.


