Green City Italia, ein internationales Forum zum Thema Stadterneuerung und die Mailänder „Green Charta 2025“ unterwegs zu lebenswerten, widerstandsfähigen und gut vernetzten Territorien

Frühling in Mailand – Eindruck aus der Biblioteca degli Alberi, einer Parkanlage in Nachbarschaft zur Regionalverwaltung der Region Lombardei, wo das „European Green City Forum“ stattfand
Mailand – Die 2010 gegründete Vereinigung Green City Italia hat ihr 15-jähriges Bestehen mit einem internationalen Forum unter der Schirmherrschaft der Stadt Mailand und der Region Lombardei gefeiert. Experten, Wissenschaftler, lokale Verwaltungsbeamte und Vertreter anderer europäischer stadtgrüner Vereine/Stiftungen diskutierten Anfang Juni das Themen Stadterneuerung zwischen Natur, Innovation und notwendiger Bürgerbeteiligung. Strategien und konkrete Lösungen im Zeichen der Nachhaltigkeit und Klimaresilienz standen dabei im Mittelpunkt. Am Ende der Veranstaltung wurde eine „Green Charta 2025“ mit neun Thesen über lebenswerte, widerstandsfähige und gut vernetzte Territorien verabschiedet (hier zum deutschen Text).
Die Mailänder Charta formuliert u.a. Ziele eines ökologischen und kulturellen Wandels zu naturpositiven Städten und Landschaften, betont das Prinzip der Erneuerung vor Neubau, die Entsiegelung als Schlüsselstrategie, die Schaffung grüner und blauer Infrastrukturen, die Notwendigkeit von Messungen und Überwachungen aller Maßnahmen sowie die Nutzung von Kultur, Schönheit und Kreativität als Instrumente der Transformation bei Beteiligung der Menschen.

Andreas Kipar, Präsident von Green City Italia, in seinem Beitrag über die Rolle naturpositiver Landschaften
Der Städteplaner und Landschaftsarchitekt Andreas Kipar, Präsident von Green City Italia, unterstrich auf dem Forum die grundsätzliche Bedeutung der Natur und der Schaffung von Räumen zur Entfaltung ihrer Lebendigkeit und Gesundheitsförderung: „Vor fünfzehn Jahren wurde Green City Italia mit dem Ziel ins Leben gerufen, die Natur wieder in den Mittelpunkt der Stadtplanung und unseres täglichen Lebens zu stellen.“ Heute ginge es darum, mit Natur als lebendige Infrastruktur, die für die Lebensqualität und die Widerstandsfähigkeit unserer Städte unerlässlich sei, in naturpositiven Landschaften unumkehrbare Werte zu schaffen.
»Mehr Mut«
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Forums riefen dabei für „mehr Mut“ bei der Umsetzung dieser Ziele auf. Mehr Mut aufseiten der Umweltaktivisten, aber auch aufseiten der Politik. Wo die Verwaltungen sich dem Klimaschutzes verweigerten, seien Katastrophen wie zuletzt in Valencia vorprogrammierte. Stimmen der deutschen Grüne-Stadt-Bewegung setzten sich für „coole Orte“ und die Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Partnern ein. Viele Beiträge unterstrichen, dass die Transformation auf aktive Teilnahme der Bevölkerung angewiesen seien. Und die Erziehung zum Klimaschutz habe bereits in Kindergärten und Schulen zu beginnen, wie Beispiele von Green School Italia belegten.

Projekte und Debatten über Biodiversität und Entsiegelung der Böden als Schlüsselstrategie für die Widerstandsfähigkeit der Städte
Green City Italia wurde am 19. Juli 2010 als unpolitisch und gemeinnützige Vereinigung in Mailand gegründet. Sie tritt als Vermittler und Moderator zwischen öffentlichen Verwaltungen, Unternehmen, Kultur, Wissenschaft und Zivilgesellschaft auf und setzt sich für die Umsetzung der 17 UN-Ziele (SDGs) einer nachhaltigen Entwicklung ein. Grenzübergreifend wird die Zusammenarbeit mit dem europäischen Netzwerk gleichnamiger Vereine/Stiftungen gesucht, die in den Niederlanden, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Ungarn und der Schweiz tätig sind.

Edoardo Croci (Universität Bocconi), Elena Grandi (Assessorin für Umwelt und Grün der Stadt Mailand) und Andreas Kipar (Stadtplaner und Landschaftsarchitekt, Ceo LAND) bei der Verlesung der Mailänder Green Charta
Hier zur Green Charta 2025 (deutsch)
Siehe auf Cluverius auch den Gastbeitrag von Andreas Kipar: „Alte Verhältnisse aufbrechen“ sowie das „Nature-Factory Manifesto„: Unternehmen zu Agenten machen.
