MANIFEST DES WOHLBEFINDENS


Dialog von Design und Kunst auf dem „Fuorisalone“ der Mailänder Möbelmesse – zum Beispiel das Wandgemälde „Be Water“ von Maurizio Cattelan in einem historischen Schwimmbad

© Alberto Zanetti/Toiletpaper

Eleganz im Stil der 1950er Jahre im städtischen Hallenbad: Installation von Maurizio Cattelan und Pierpaolo Ferrari für die Piscina Cozzi in Mailand

Mailand – Verschoben ist nicht aufgehoben: Die Mailänder Möbelmesse, die in diesem Jahr wegen der Pandemie von April auf September verlegt wurde, beweist kreativen Überlebenswillen. Nicht nur Fachbesucher, sondern Kulturtouristen aller Herren Länder zieht es gerade wieder in die lombardische Metropole. Besonders der Fuorisalone, die Veranstaltungen des Salone del Mobile im Mailänder Stadtbild, öffnet sich zu diesem ungewohnten Herbsttermin mehr denn je einem Dialog von Design und Kunst. Die meisten Installationen etwa in den Innenhöfen der staatlichen Universität oder im kleinen botanischen Garten hinter dem Palazzo Brera bleiben jedoch ephemer. Sie werden nach Abschluss der Designwoche (4. – 12.9.) und der anschließenden Artweek (13.-19.9. mit der Messe MiArt ) wieder aus dem Stadtbild verschwinden. Anders eine Arbeit von Maurizio Cattelan in der Piscina Cozzi, einem Hallenbad im Viertel Porta Venezia, die zumindest bis Ende 2022 allen Schwimmfreunden erhalten bleibt.

Die 30 Meter lange und bis zu 10 Meter hohe Wandmalerei Be Water zeigt im Stil der 1950er Jahre das perfekt geschminkte Gesicht einer Schwimmerin mit lächelnden Augen. Das Gesicht und ihre Hände mit leuchtend rot lackierten Nägeln ragen aus einem blau-grün getönten Wasser, das den Körper wie eine Decke umhüllt. Die 246 Quadratmeter große Arbeit wurde in Zusammenarbeit mit dem Fotografen Pierpaolo Ferrari und dem Studio All OUT LAB im Auftrag von Cattalans Kult-Magazin Toiletpaper realisiert und von der Stadt Mailand gefördert. Sport und Kunst vereinigen sich in einer Art ironisch gebrochenem Manifest des Wohlbefindens nicht zufällig in der Piscina Cozzi, denn das Bad wird von Cattelan regelmäßig morgens besucht, wenn er sich in Mailand aufhält. (Und, so ganz nebenbei und ohne Anspruch auf Ehre, vom Kuratoren der Cluverius-Seite auch.)

Das öffentliche Schwimmbad, ein rationalistischer Bau des Faschismus, realisiert nach Plänen von Luigi Lorenzo Secchi (1899-1992), ist gelegentlich Schauplatz von Fotoausstellungen oder Installationen. Etwa 2019 mit einer riesigen Mondkugel (Museum of the Moon) von Luke Jerram, die mit einem Durchmesser von 7 Meter über dem Wasser schwebte und von einer geographischen Struktur der Mondkrater nach Fotografien der NASA überzogen war.