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Gesundheit, Umwelt, Ökonomie: Mit dem Tod von Giorgio Todde ist eine kritische Stimme Sardiniens verstummt Milano/Cagliari – Giorgio Todde ist tot. Der Augenarzt, Schriftsteller und engagierte Ambientalist starb am 29. Juli 2020 im Alter von 68 Jahren in Cagliari an einem Krebsleiden. Mit seinen Kriminalromanen um den Arzt und Einbalsamierer Efisio Marini  vom Ende des 19. Jahrhunderts gelang es ihm, dem Sardinien von heute ein historisch-humanes Fundament zu geben. In vielen Sprachen übersetzt – auf Deutsch im Piper Verlag etwa „Die toten Fischer von Cagliari“ (2011) – spiegelten seine Romane (Krimis und anderes) den internationalen Erfolg der „Nouvelle vague“ der sardischen Literatur wider. Zusammen mit Giulio Angioni und Marcello Fois gründete er das lokal verwurzelte aber global orientierte Literaturfestival von Gavoi. Zuletzt war der Roman „Il mantello del fuggitivo„ (Il Maestrale. Nuoro 2019) erschienen.

LITERATUR UND LANDSCHAFT


Massimo Osanna hatte Pompeji reformiert, jetzt soll er im italienischen Kulturministeriums die staatlichen Museen in Schwung bringen Mailand/Rom – „Artpride“ titelte das Giornale dell’Arte, die wichtigste italienische Kunstzeitung, in seiner jüngsten Ausgabe eine Untersuchung über die Strategien der Museen nach dem Lockdown in diesem Frühjahr und einer vorsichtigen Öffnung der Einrichtungen jetzt im Sommer. Überall spürt man eine gleichsam trotzige Aufbruchsstimmung. Die Verantwortlichen suchen nach Innovationen, formulieren Ideen, setzen erste Schritte um. In diesem spannenden Augenblick gibt auch das Kulturministerium ein Signal. Neuer Generaldirektor der Abteilung für staatliche Museen wird der Archäologe Massimo Osanna. Er ersetzt ab dem 1. September den Juristen Antonio Lampis, der auf eine weitere Amtszeit verzichtet hat.

DER MACHER



Eine Farbanschlag auf das Denkmal für Indro Montanelli in einem Mailänder Stadtpark erinnert Italien an seine koloniale Vergangenheit Mailand – Der Kampf um Statuen im Zusammenhang mit antirassistischen Protesten hat auch Italien erreicht. In Mailand wurde am Sonnabend (13. Juni) Abend das Denkmal für Indro Montanelli (1909-2001) in den Giardini Pubblici mit roter Farbe übergossen. Auf dem Sockel wurde der angesehene Journalist als „razzista“ und „stupratore“ angeklagt. Zur Tat bekannte sich das linke studentische Aktionsnetz „Rete Studenti e Lu.Me (Laboratorio universitario MEtropolitano), das auch ein Video des Einsatzes ins Netz stellte. Bereits vor einigen Tagen hatte die Bewegung der „Sentinelli di Milano“, die sich als „laici e antifascisti“ bezeichnen, in einem Brief Mailands Bürgermeister aufgefordert, das Denkmal für den Journalisten zu entfernen, weil Montanelli während des Abessinienkrieges 1936 „ein zwölfjähriges, eritreisches Mädchen gekauft“ und geheiratet habe, um ihm „als Sexsklavin zu dienen“. Im vergangenen Jahr hatte eine feministische Gruppe mit ähnlicher Begründung das Denkmal am 8. März mit rosa Farbe bespritzt.

DESTA’ UND DAS MADAMATO


Das traditionelle Opernfestival von Pesaro kann im August stattfinden – allerdings nur in eingeschränkter Form Pesaro/Milano – Das Rossini Opera Festival (ROF) kann auch in diesem Jahr stattfinden. Das ist die gute Nachricht. Die etwas weniger gute: Wegen der Pandemie-Beschränkungen wird nur eine Neuproduktion (La cambiale di matrimonio) zur Aufführung kommen. Die geplanten Inszenierungen von Moise et Pharaon sowie Elisabetta Regina d’Inghilterra werden auf kommende Jahre verschoben. Ausfallen wird auch die Aufführung des Stabat Mater. Weitere Programmpunkte sollen auf der zentralen Piazza del Popolo bei Freilichtaufführungen stattfinden.

ROSSINI TROTZT CORONA



Die Scala öffnet virtuell die Türen – ein Projekt in Zusammenarbeit mit Google Arts & Culture. Musik soll wieder ab Herbst erklingen, der Neustart beginnt mit Verdis Requiem Mailand –  Opernbühnen in aller Welt stellen während der durch die Pandemie erzwungenen Zeit der Schließung Eigenproduktionen vergangener Spielzeiten online. Die Mailänder Scala geht noch einen Schritt weiter und präsentiert sich jetzt digital als ein Haus der offenen Tür – und was für eins! In Zusammenarbeit mit Google Arts & Culture kann man in die Bühnengeschichte der 1778 eröffneten Oper eintauchen:  240 Tausend Fotografien und 16 Tausend Musikdokumente aus dem Archiv sind virtuell abrufbar. Google Arts & Culture gibt seit einigen Jahren die Möglichkeit, mehr als 2000 Einrichtungen der Kunst und der Kultur (Werke, Museen, Ausstellungen, Bühnen etc) aus 80 Ländern online kennen zu lernen. Das Scala-Projekt wurde jetzt bei einer Online-Pressekonferenz vorgestellt.

MUSIKER OHNE MASKEN