In Bozen


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Licht und Schatten im zweisprachigen Südtirol – „Piazza Walther Platz“

Bozen, Anfang Februar 2016 – Blau leuchtet der Himmel über dem Waltherplatz. Auf den Talferwiesen vor dem Museion sonnen sich die Menschen. Im müden Flussbett rinnt das Wasser gemächlich zu Tal. Ist das ein Winter? Graugrün zeigen sich die Gipfel rund um die Südtiroler Landeshauptstadt. Kein Schnee nirgends, dafür muss man schon höher hinauf. Manch einer macht sich Sorgen. Auch um Schengen. Eine Grenzschließung am Brenner wäre „indirekt auch eine Ohrfeige für die Südtiroler Autonomie“, schreibt das Wochenmagazin „ff“. In den Gassen des Zentrums, an den Verkaufsständen am Obstplatz geht es dagegen lebhaft fröhlich zu. Die Warenauszeichnung vor allem bei Gemüse ist vornehmlich Italienisch. Hier und da liest man „Gallo Rosso / Roter Hahn“ oder „Qualität Südtirol“. Die Sehnsucht nach dem Lokalen nimmt nach einer Untersuchung des Eurac-Instituts für Regionalentwicklung zu. Bei Kaufentscheidungen haben die lokalen Qualitätslabel längst „Bio“ oder „Fair Trade“ auf die Plätze verwiesen. Die Rolle des Lokalen steht ebenso bei einem „Autonomiekonvent“, einem Diskussionsprozess um die gesellschaftliche und politische Zukunft der Region im Mittelpunkt. Alle können mitreden. Man spürt, dass die Autonomie, so wie sie jetzt gehandhabt wird, weiter entwickelt werden muss. In einer nicht nur sprachlich gespalteten Gesellschaft. Francesco Palermo, unabhängiger Senator und Wissenschaftler für Verfassungsrecht, sagt: „Bestimmte gesellschaftliche Kreise, bestimmte Altersgruppen oder Leute verschiedener geografischer Herkunft finden einfach nie zueinander in diesem Land.“ Vielleicht bringen die Veranstaltungen des Konvents sie für eine Debatte wenigstens in einem Saal zusammen.