Buchhandel


Die italienische Buchmesse auf der Suche nach Neubestimmung Turin – Der Salone del Libro (12.-16.Mai) ist zu Ende und alle scheinen zufrieden. Die Verleger registrierten bei der italienischen Buchmesse, die eine Verkaufsmesse ist, ein Umsatzplus gegenüber dem Vorjahr. Auch die Veranstalter atmeten auf, schließlich hatte es im Vorfeld Streit um Saudi Arabien gegeben, das nach Deutschland (2015) in diesem Jahr als Gastland auftreten sollte. Doch nach vehementen Protesten wegen der Unterdrückung der Meinungsfreiheit im Golfstaat, hatte man die Einladung wieder zurückgezogen. Dafür sollte allgemein der „arabische Raum“ Gastrecht haben, doch davon spürte man in den Hallen des Lingotto-Ausstellungsgelände nicht allzu viel.

ZWISCHEN LITERATUR UND SPEKTAKEL


Stühlerücken in der italienische Verlagswelt – wer übernimmt Bompiani? Mailand – Mit einer beeindruckenden „laizistischen“ Trauerfeier hat sich Mailand am Dienstag im Cortile della Rocchetta des Castello Sforzesco von Umberto Eco verabschiedet. Daran nahmen viele Freunde, bekannte Künstler, Intellektuelle und Politiker sowie an die Tausend Bürger Mailands teil. Die Stadt kündigte derweil an, dass die Urne mit seiner Asche im Famedio, dem Ehrenteil des Cimitero Monumentale, beigesetzt wird. Doch damit wird man nicht aufhören, über den großen Gelehrten und Literaten zu diskutierten. Und das auch in einem ganz praktischen Sinn.

UMBERTO ECO UND DAS KARTELLAMT



Mailand. Nach monatelangen Verhandlungen haben sich Mondadori und die RCS Mediengruppe am Sonntag über den Verkauf von RCS Libri geeinigt. Damit übernimmt der Verlag Arnoldo Mondadori Editore, der von der Fininvest Holding (Berlusconi) kontrolliert wird, zum Preis von 127,5 Millionen Euro die Verlagsmarken Rizzoli, Bompiani, Fabbri, Sonzogno und Marsilio. Zum Paket gehören auch die beiden großen Rizzoli-Buchhandlungen in Mailand und New York. Die RCS-Anteile an den Adelphi Edizioni hat Verlagsgründer Roberto Calasso zurück gekauft und das Haus damit wieder unabhängig gemacht. Mondadori, zu dem bereits die Verlage Einaudi, Piemme, Sperling & Kupfer sowie Electa gehören, kontrolliert mit der Übernahme jetzt mehr als 35 Prozent des Buchmarktes (und 25 Prozent des Schulbuchsektors).

Mondadori schluckt die Buchabteilung der RCS Mediengruppe


60 Jahre nach seiner Gründung hat sich der Feltrinelli-Verlag in ein Kulturunternehmen verwandelt, das nicht nur Bücher herstellt und verkauft, sondern ebenso einen TV-Sender betreibt und sogar für gutes Essen sorgt. Mailand. Das Gebäude, das bei der Porta Volta in Mailand merkwürdig gotisch spitz 32 Meter hoch in den Himmel wächst, ruft Vergangenheit wach. Denn hier, am ehemaligen Stadttor vor dem Monumentalfriedhof der lombardischen Metropole, besaß Anfang des vergangenen Jahrhunderts eines der größten Holzunternehmen Italiens, die Feltrinelli Legnami, Lagerflächen. Der Haupterbe des Unternehmens, zu dem auch eine Bank gehörte, war Giangiacomo Feltrinelli (1926-1972). Doch der interessierte sich weniger für Industrie- und Bankgeschäfte und investierte lieber in Kultur. 1949 gründete er eine Bibliothek zur Erforschung der Arbeitergeschichte und dann 1955 einen eigenen Verlag. Die Bibliothek, die inzwischen in eine Stiftung überführt wurde (Fondazione Feltrinelli) bekommt nun nach Plänen des Züricher Architekturbüros Herzog & de Meuron einen neuen Sitz – eben an der Porta Volta auf dem alten Feltrinelli-Grundstück. In einem gewissen Sinne sei man also nach Hause zurück gekehrt, sagt Carlo Feltrinelli, – „um die Zukunft anzugehen“. Der 52jährige Sohn von Giangiacomo und Inge Feltrinelli führt heute das Unternehmen.

„BEI UNS IST IMMER WAS LOS“



Die politischen Leiden des Andrea Camilleri in der Ära Berlusconis – der sizilianischen Erfolgsautor im Gespräch (2001) Montalbano isst am liebsten allein. Jedes Gespräch lenkt vom Genuss einer fangfrischen Seebarbe oder in Olivenöl gebackenen Gamberetti ab. Allein das Wort „Arbeitsessen“ hält er für ein Sakrileg. Montalbano arbeitet als Kommissar auf Sizilien. Er gilt als einer der beliebtesten Polizisten der jüngeren Kriminalliteratur – und das nicht nur im heimischen Italien. „Die Idee mit dem Essen habe ich mir ausgeborgt“, erzählt Andrea Camilleri, der Vater vom Commissario Montalbano. „Ich habe die Idee von Massimo Bontempelli. Der hat eine kleine Erzählung geschrieben über einen Reisenden, der in ein merkwürdiges Dorf kam, wo es die Leute überall öffentlich miteinander trieben. Sie liebten sich im Stehen, in den Hauseingängen, auf der Straße. Als der Mann aber Hunger bekam, und nach einer Trattoria fragte, hieß es nur: Psst, nicht so laut, essen? Das Essen war im Dorf obszön, nicht das Andere, und so führte man ihn heimlich an einen Ort, wo wenige Einzelne, jeder für sich, am Tisch saßen und still Gaumenfreuden genossen.“ Die Trattoria als Freudenhaus, Camilleri freut sich noch heute über diese Bontempelli-Idee, die er in seinen Krimibestsellern der Montalbanoserie (auf Deutsch bei Lübbe) […]

BLAUE STUNDE AM VORMITTAG