„Femminicidio“ – Italien diskutiert mit einem neuen Wort über Mordtaten von Männern an Frauen Mailand (Januar 2014) – Italien ist um ein Wort reicher geworden. Das aber klingt sogar in der an Wohllauten so reichen Sprache Dantes nicht gut: „femminicidio“ – „Mord an Frauen“. Der Begriff, der sich jetzt endgültig durchgesetzt hat, meint im Gegensatz zum allgemeinen Mord („omicidio“) Gewalttaten, die von Männern an Frauen verübt werden. Von Männern, die in fast zwei Drittel aller Fälle in einer Beziehung zu den Opfern standen. Während die Mordfälle in Italien insgesamt rückläufig sind, steigen die von Männern an Frauen erschreckend an. Zwischen 2000 und 2012 wurden 2200 Frauen ermordet. Im vergangenen Jahr waren es wieder 131 – eine Frau alle zweieinhalb Tage.
Frauen
Erinnerung an Esther Béjarano, die im Juli 2021 in Hamburg im Alter 96 Jahren gestorben ist. Die jüdische Musikerin hatte 2013 in Turin ihre (nur auf Italienisch herausgegeben) Erinnerungen vorgestellt. Ein Beitrag in der Südddeutschen Zeitung vom 26. Januar 2013 Mailand/ Turin (2013) Die Vorstellung im Auditorium des Turiner Polytechnikums war längst zu Ende, da holte Gianni Coscia im Foyer für einen Fotografen noch einmal sein Akkordeon aus dem Koffer. Der 82jährige Jurist und Jazzmusiker improvisierte ein paar Takte und als Esther Béjarano hinzutrat, begann er das Lied „Bel Ami“ aus dem Willi-Forst-Film von 1939 zu spielen. Die 88jährige Sängerin nahm sogleich die Melodie auf: „Du hast Glück bei den Frau’n, Bel Ami…“ Und denen, die dabei standen, lief ein Schauer über den Rücken. Denn „Bel Ami“ war ihre Prüfungsaufgabe für die Aufnahme in das Frauenorchester von Auschwitz gewesen. Die damals neunzehnjährige Esther Loewy stammte aus einer musikbesessenen Familie. Ihr Vater hatte als Kantor verschiedener jüdischer Gemeinden unter anderem in Saarbrücken und Ulm gearbeitet, wo Esther das Klavierspielen lernte. Als die Rassenverfolgungen begannen, konnten sich zwei ältere Geschwister gerade noch rechtzeitig ins Ausland absetzen. Die Familie wurde auseinander gerissen, die Eltern nach Litauen verschleppt und dort bereits 1941 von den […]
VOM ORCHESTER IN AUSCHWITZ BIS ZUM RAP
Ein Besuch bei Liana Millu in Genua, der Autorin „schöner Literatur“ über den Holocaust: „Rauch über Birkenau“ und „Die Brücke von Schwerin“ Genua (November 1998)- Ein freies Leben wollte sie führen, doch die Zeiten waren nicht danach. Liana Millu, 1914 in Pisa geboren, träumte davon, Journalistin zu werden. Sie wollte sich von den Fesseln der Familie und der Religion lösen. Eine erste Anstellung als Lehrerin in Volterra gab ihr die ökonomische Sicherheit, gelegentlich Texte für Zeitungen zu schreiben. Im Sommer 1938 allerdings, noch bevor die italienische Regierung ein Paket von Rassengesetzen verabschiedete, die zu dem Zeitpunkt schärfer waren als die Hitlers, ließ das Unterrichtsministerium bereits Schulen und Universitäten von Juden „säubern“.
