Sizilien


Wie ein literarischer Ort auf Sizilien Wirklichkeit wurde So sicher wie der Sommer in Italien kommt ein Bestseller von Andrea Camilleri. Seit nicht einmal zehn Jahren wirft der anscheinend altersbedingt von allen Schreibhemmungen befreite 78-jährige Dramaturgie-Pensionär höchst erfolgreiche Bücher auf den Markt. Oft erscheinen gar im Abstand von nur wenigen Monaten mal ein Krimi über die sizilianische Gegenwart mal eine romanhafte Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit (Wagenbach hat gerade die Übersetzung der wunderschönen Geschichte von „König Zosimo“ verlegt).

SOMMERHIT VIGATA


Die politischen Leiden des Andrea Camilleri in der Ära Berlusconis – der sizilianischen Erfolgsautor im Gespräch (2001) Montalbano isst am liebsten allein. Jedes Gespräch lenkt vom Genuss einer fangfrischen Seebarbe oder in Olivenöl gebackenen Gamberetti ab. Allein das Wort „Arbeitsessen“ hält er für ein Sakrileg. Montalbano arbeitet als Kommissar auf Sizilien. Er gilt als einer der beliebtesten Polizisten der jüngeren Kriminalliteratur – und das nicht nur im heimischen Italien. „Die Idee mit dem Essen habe ich mir ausgeborgt“, erzählt Andrea Camilleri, der Vater vom Commissario Montalbano. „Ich habe die Idee von Massimo Bontempelli. Der hat eine kleine Erzählung geschrieben über einen Reisenden, der in ein merkwürdiges Dorf kam, wo es die Leute überall öffentlich miteinander trieben. Sie liebten sich im Stehen, in den Hauseingängen, auf der Straße. Als der Mann aber Hunger bekam, und nach einer Trattoria fragte, hieß es nur: Psst, nicht so laut, essen? Das Essen war im Dorf obszön, nicht das Andere, und so führte man ihn heimlich an einen Ort, wo wenige Einzelne, jeder für sich, am Tisch saßen und still Gaumenfreuden genossen.“ Die Trattoria als Freudenhaus, Camilleri freut sich noch heute über diese Bontempelli-Idee, die er in seinen Krimibestsellern der Montalbanoserie (auf Deutsch bei Lübbe) […]

BLAUE STUNDE AM VORMITTAG



Ein Gespräch mit Andrea Camilleri über Kochen und Essen Herr Camilleri, warum spielt die Küche und das Essen eine so wichtige Rolle in ihren Büchern? Andrea Camilleri: Ich weiß nicht, ob sie wichtig ist. Aber Essen, der Genuss ist in einem katholischen Land immer als Sünde angesehen worden. Sünden sind dazu da, dass man sie begeht. Das Vergnügen am Essen ist also ein kulturelles Phänomen. Ich meine nicht ein Vergnügen wie etwa in dem Ferreri-Film „Das große Fressen“, sondern wie in dem dänischen Film „Babettes Fest“ nach der Erzählung von Karen Blixen. Das Essen ist nicht nur ein Ritus, nicht nur höchste Tafelfreunde, sondern das Sein des Menschen. „Babettes Fest“ ist ein Lehrstück über die Kultur der Küche. Auch ihr Kommissar Montalbano schätzt einen Teller Meeresfrüchte… Camilleri: Montalbano isst einfache Dinge, nichts Raffiniertes. Die einfachen Speisen setzten aber natürliche Zutaten voraus. Sonst mag er sie nicht. Die Frische muss man schmecken. Camilleri: Selbstverständlich. Stellen sie doch eine eben an den Klippen gefischte Rotbarbe vor. Schon wenn man sie einfriert, verändert sich ihr Geschmack. Montalbano gehört auch zu denen die Arbeitsessen verabscheuen. Camilleri: Schon das Reden bei Tisch stört ihn, er isst am liebsten allein. So wird er nicht von den […]

DIE TRATTORIA ALS PUFF