Ausstellungen-Kuerze


Mailand (Spazio Oberdan bis 6.1.). In den 1930er-Jahren war das Fernsehen kaum mehr als ein Versprechen auf die Zukunft. Und der Film blieb vom technischen Aufwand her ein schwerfälliges Unterfangen. Es war die Fotografie, die eine Hauptrolle bei der Dokumentation von gesellschaftlichen Vorgängen zu spielen begann. Mehr noch: Immer handlichere Fotoapparate ließen sie auch für den nicht professionellen Einsatz interessant werden. Die junge Antonia Pozzi, 1912 in Mailand geboren und in einer Familie des Bildungsbürgertums aufgewachsen, war dabei, diesen Weg vom Amateurhaften zum Professionellen einzuschlagen. Auf einer Ausstellung der Fondazione Cineteca Italiana mit dem Titel Sopra il nudo cuore („Über dem nackten Herzen“) kann man in dem Spazio Oberdan  ihre Fotos entdecken.

Antonia Pozzi: Die Poesie der Fotografie


Mailand. Größe kann stumm machen. Im Hangar Bicocca am nördlichen Stadtrand ist ein monumentales Ambiente mit Werken von Anselm Kiefer entstanden, das wohl ohne Beispiel ist. In der ehemaligen Industriehalle sind bereits seit dem Jahr 2004 die „Sieben Himmelspaläste“ – bis zu 18 Meter hohe Türme aus Stahlbetonmodulen – in einer Dauerausstellung zu sehen. Jetzt sind großflächige bildnerische Arbeiten an den Wänden dazu gekommen. Fünf, in der Regel 6 Meter hohe und 7,6 Meter breite Werke mit Landschaften und architektonischen Formen. Sie spiegeln die typischen Kiefer-Themen vom Verhältnis Mensch-Natur-Geschichte wider und wurden bislang noch nie öffentlich gezeigt. Vicente Todolì, Chefkurator der Pirelli-Kulturstiftung Hangar Bicocca, hat die Installation unter dem Namen „I Sette Palazzi Celesti 2004-2015“ mit den Gemälden als langfristige Leihgabe des Künstlers eingerichtet.

Kiefer monumental



Mailand (Palazzo Reale bis 10. Januar). Es muss um das Jahr 1335 gewesen sein, als Giotto di Bondone sich aufmachte, nach Mailand zu reisen. Er war vielleicht um die 60 oder bereits fast 70 Jahre alt – das Geburtsjahr (1267/1276) ist umstritten. Jedenfalls galt er bereits als ein Starkünstler, der für Päpste und Kardinäle ebenso gearbeitet hatte wie für den König von Neapel. Für die Franziskaner von Assisi oder den skrupellosen Bankier Enrico Scrovegni in Padua. In Florenz war ihm gerade der Auftrag erteilt worden, den Glockenturm der Kathedrale Santa Maria del Fiore zu errichten. In Mailand wurde er jetzt für den Herrscher der Stadt Azzone Visconti tätig und malte Fresken im fürstlichen Palast gleich neben der Dombaustelle. Kurz nach seiner Heimkehr starb der Künstler in Florenz im Januar 1337.

Giotto in Mailand