Ausstellungen-Kuerze


Bei einer Ausstellung in Rom wurde der 7. VAF-Kunstpreis vergeben Rom (Macro Testaccio bis 29.5.) – Die deutsche Stiftung VAF (Volker und Aurora Feierabend), die eine bedeutende Sammlung italienischer Kunst der Moderne und der Gegenwart besitzt, hat in diesem Jahr zum siebten Mal einen Förderpreis für junge Künstlerinnen und Künstler aus Italien vergeben. Die Endauswahl von 15 Arbeiten ist jetzt in dem suggestiven Ambiente des Testaccio-Kulturzentrums im ehemaligen Schlachthof von Rom zu sehen. Ausgestellt werden Gemälde, Zeichnungen, Collagen, Installationen sowie Video- und Fotoarbeiten. Sie belegen nicht nur die formelle Vielfalt einer in den vergangenen Jahren gleichsam wiedererwachten italienischen Szene, sondern auch ihre hohe Qualität. Den diesjährigen Preis – 15000 Euro sowie Ankauf des Werkes durch die VAF-Sammlung – erhielt der in Berlin lebende Dramaturg und Künstler Valerio Rocco Orlando aus Mailand mit einer Videoarbeit, in der sich die Geschichte eines alten Klaviers mit einer musikalischen Recherche des Komponisten Michael Nyman verbindet.

EINE BIENNALE DER ENTDECKUNGEN


Die Ausstellung „Water Projects“ in Brescia zur Vorbereitung eines neuen Projekts von Christo auf dem Lago d’Iseo   Brescia (Museo Santa Giulia bis 18.9.2016). Wasser hat in vielen Projekten der Verpackungs- und Landschaftskünstler Christo und Jeanne-Claude eine Rolle gespielt. Sie haben etwa 1969 einen Küstenstreifen bei Sydney in Australien eingepackt, oder 1983 Inseln vor Miami mit Stoffplanen umgürtet. Unter dem Titel „The Floating Piers“ soll jetzt ein Fußweg zwei Wochen lang Ende Juni/Anfang Juli über das Wasser des Lago d’Iseo hin zum Monte Isola, der größten Insel des Sees, führen. Der Lago d’Iseo liegt unterhalb der Alpen zwischen dem Lago di Como und dem Lago di Garda nordwestlich von Brescia. In Brescia ist  bereits die Ausstellung „Water Projects“ zu sehen.

ZU FUSS ÜBER DEN SEE



Umberto Boccionis Weg zum Futurismus – eine Ausstellung in Mailand Mailand (Palazzo Reale bis 10.Juli 2016) – Nichts sollte mehr so sein wie früher. Eine neue Kultur wollte Bewegung, Geschwindigkeit und Zeitabläufe in Poesie, Musik und bildende Kunst übertragen. Das war das Ziel der Futuristen am Anfang des vergangenen Jahrhunderts. Im Jahr 1909 hatte der italienische Poet Filippo Tommaso Marinetti in einem „ersten futuristischen Manifest“ traditioneller, gegenständlicher Kultur eine Absage erteilt. Mit von diesen Ideen geprägten Gemälden, Skulpturen und Zeichnungen beeinflusste Umberto Boccioni (1882 -1916) die europäische Kunst. Mailand widmet Boccioni, dem vielleicht bedeutendsten Vertreter dieser neuen Avantgarde, 100 Jahre nach seinem Tod eine umfassende Retrospektive im Palazzo Reale. Gezeigt werden 280 Exponate – Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen und Dokumente auch von Mitstreitern wie Giacomo Balla, Gino Severini, Carlo Carrà und anderen.

CHAOTISCH, UNORDENTLICH, GENIAL


Francesco Vezzoli als Künstler und Kurator im Museion von Bozen Bozen (Museion bis 16.5.) – Dass Kunst dem Künstler Spaß machen kann, ist gerade den Werken von Gegenwartskunst oft nicht anzusehen. Anders bei Francesco Vezzoli (geboren 1971 in Brescia, lebt in Mailand). Mit seinen ironischen Arbeiten amüsiert er die internationale Kunstwelt, und hält ihr zugleich einen Spiegel vor. Man denke nur an sein Video „Trailer für ein Remake von Gore Vidal’s Caligula“ (2005). Oder die futuristischen Skulptur „Forme uniche“ von Umberto Boccioni, der er Stöckelschuhe verpasste (2012). Im Museion von Bozen tritt Vezzoli gleich zweimal auf. Als Künstler und als Kurator. Museumschefin Letizia Ragaglia hat eine Ausstellung seiner Statuen (19 Arbeiten aus den Jahren 2011 bis heute) kuratiert. Er selbst interpretiert 27 Werke der festen Sammlung des Museion.

IM RAHMEN DER ANDEREN



Zwei Mailänder Ausstellungen: „Imago non fugit“ und „Recto Verso“  Mailand – Unter den Mailänder Kultureinrichtungen kann man sich kaum einen größeren Gegensatz vorstellen als zwischen der Fondazione Prada am südlichen Stadtrand und dem Museo Bagatti Valsecchi im Zentrum. Die für Prada von Rem Koolhaas kürzlich umgebaute ehemalige Industrieanlage, ist – gleichsam mit einem minimalistischen Grundton – ganz auf die öffentliche, zumal elegante Präsentation von Kunst und Kultur Gegenwart ausgerichtet. Der von den Brüdern Fausto e Giuseppe Bagatti Valsecchi in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im historistischen Stil ausgebaut Stadtpalast ist mit Kunstwerken, Einrichtungsgegenständen und Sammlungsstücken vorwiegend aus der Renaissance vollgestopft und versteht sich als Museum einer privaten, antiquarisch orientierten  Wohnidee. Und doch verbindet jetzt etwas die beiden Pole der Mailänder Kultur. Zwei Ausstellungen, die hinter die Dinge gucken lassen.

HINTER DEN DINGEN