Beeindruckend: „The Floating Piers“ von Christo am Lago d’Iseo Lago d’Iseo/Brescia (18.6. bis 3.7. 2016) – Das ist schon ein merkwürdiges Gefühl. Man betritt in Sulzano am Ostufer des Lago d’Iseo den auf der Oberfläche schwimmenden Steg und geht schnurgerade auf die im See liegende Insel Monte Isola zu, die wie ein kleiner Berg aus dem Wasser ragt. Der Boden federt unter den Füßen. Und wenn Wellen kommt, übertragen sich leicht ihre Bewegungen. Sorgenvoll geht der Blick zum Himmel und zu den grauen Wolken, die vorüber ziehen. Gewitter und Platzregen hatten gerade in den vergangenen Tagen die Fertigstellung des neuesten Projektes von Christo erschwert. Doch die Arbeit an den „Floating Piers“ ist getan, dunkelgelb zeichnet sich der wie mit einem Lineal gezogene Weg der „schwimmenden Molen“ übers Wasser zur Monte Isola ab, und zu der kleinen Nachbarinsel, der Isola San Paolo.
Ausstellungen
Thomas Demands „ L’Image Volée“ und Edward Kienholz – zwei Ausstellungen bei der Fondazione Prada Mailand – (Fondazione Prada bis 28. August bzw. 31. Dezember) Mit zwei Ausstellungen unterstreicht die Fondazione Prada in Mailand ihren Anspruch, unterschiedliche Strömungen der Gegenwartskunst und der Moderne zu dokumentieren wie zu interpretieren. Auf eine höchst anregende Art zeigt Thomas Demand, der sich selbst als „Illusionist“ versteht, wie Künstler sich im Verlauf der jüngeren Geschichte an Modellen bestehender Arbeiten und Techniken orientierten, sie benutzten, kopierten, ausbeuteten. Unter dem Titel L’Image Volée („Das beraubte Bild“) hat er 90 Arbeiten von rund 60 Künstlern zusammengestellt.
UNSICHTBAR, BESTOHLEN, LEBENSGROSS
Bei einer Ausstellung in Rom wurde der 7. VAF-Kunstpreis vergeben Rom (Macro Testaccio bis 29.5.) – Die deutsche Stiftung VAF (Volker und Aurora Feierabend), die eine bedeutende Sammlung italienischer Kunst der Moderne und der Gegenwart besitzt, hat in diesem Jahr zum siebten Mal einen Förderpreis für junge Künstlerinnen und Künstler aus Italien vergeben. Die Endauswahl von 15 Arbeiten ist jetzt in dem suggestiven Ambiente des Testaccio-Kulturzentrums im ehemaligen Schlachthof von Rom zu sehen. Ausgestellt werden Gemälde, Zeichnungen, Collagen, Installationen sowie Video- und Fotoarbeiten. Sie belegen nicht nur die formelle Vielfalt einer in den vergangenen Jahren gleichsam wiedererwachten italienischen Szene, sondern auch ihre hohe Qualität. Den diesjährigen Preis – 15000 Euro sowie Ankauf des Werkes durch die VAF-Sammlung – erhielt der in Berlin lebende Dramaturg und Künstler Valerio Rocco Orlando aus Mailand mit einer Videoarbeit, in der sich die Geschichte eines alten Klaviers mit einer musikalischen Recherche des Komponisten Michael Nyman verbindet.
EINE BIENNALE DER ENTDECKUNGEN
Die Ausstellung „Water Projects“ in Brescia zur Vorbereitung eines neuen Projekts von Christo auf dem Lago d’Iseo Brescia (Museo Santa Giulia bis 18.9.2016). Wasser hat in vielen Projekten der Verpackungs- und Landschaftskünstler Christo und Jeanne-Claude eine Rolle gespielt. Sie haben etwa 1969 einen Küstenstreifen bei Sydney in Australien eingepackt, oder 1983 Inseln vor Miami mit Stoffplanen umgürtet. Unter dem Titel „The Floating Piers“ soll jetzt ein Fußweg zwei Wochen lang Ende Juni/Anfang Juli über das Wasser des Lago d’Iseo hin zum Monte Isola, der größten Insel des Sees, führen. Der Lago d’Iseo liegt unterhalb der Alpen zwischen dem Lago di Como und dem Lago di Garda nordwestlich von Brescia. In Brescia ist bereits die Ausstellung „Water Projects“ zu sehen.
ZU FUSS ÜBER DEN SEE
Die 21. Internationale Triennale Mailand unter dem (etwas schwammigen) Motto „Design after Design“ Mailand (bis 12. September). Mailand hat wieder eine richtige Triennale. Als Gegenstück zur internationalen Kunstbiennale von Venedig wurde 1923 zunächst in Monza und zehn Jahre später in der lombardischen Metropole die Triennale eingerichtet. Sie sollte alle drei Jahre unter internationaler Beteiligung Einblicke in die innovative Gestaltung von Gebrauchsgegenständen aus Industrie und Handwerk ermöglichen. „Vom Löffel bis zur Stadt“ hatte einst der Architekt und Vordenker Gio Ponti das Programm umschrieben. Bis 1996 wurden 20 Ausgaben veranstaltet. Nach einer langen Pause hat jetzt am 2. April die 21. Internationale Triennale Mailand eröffnet. Bis zum 12. September sind an verwirrend vielen Orten der Stadt 11 Haupt- und 16 Nebenausstellungen zu sehen – einige davon sogar in Monza. Erwartet werden 300 000 Besucher.
