Volker Plagemann porträtiert den Maler Eduard Bargheer Ischia/Hamburg (Januar 2009)- In den 1930er Jahren war es besonders unter Künstlern und Intellektuellen gar nicht so ungewöhnlich, vom nationalsozialistischen Deutschland ins faschistische Italien zu emigrieren. Der Hamburger Maler Eduard Bargheer, der 1901 auf der Fischerinsel Finkenwerder auf die Welt gekommen war, hatte durch Freundschaften zu Erwin Panofsky und dessen Schüler Ludwig Heydenreich bereits vielfältige Beziehungen nach Florenz und den Süden Italiens geknüpft. Mit 38 Jahren zog Bargheer, der als ehemaliges Mitglied der Hamburger Sezession den Nazis ein Dorn im Auge war, auf die Mittelmeerinsel Ischia. In den Kriegsjahren hatte er Kontakt zum Widerstand, konnte sich in Florenz verstecken und lebte nach Kriegsende halb in Hamburg-Blankenese, halb auf Ischia. In den 50er Jahren stellte Eduard Bargheer auf der Biennale in Venedig ebenso aus wie auf der dokumenta in Kassel. Für das Niedersachsenstadion in Hannover schuf er ein großes Wandmosaik. Volker Plagemann schildert in seiner Biographie einfühlsam die Lebensstationen des Künstlers, Intellektuellen und politischen Flüchtlings, der 1979 in Hamburg starb. Und folgt auch den verschiedenen Phasen vor allem seines malerischen Werkes zwischen den Landschaften Norddeutschlands und dem Licht des Südens, das heute in zwei kleinen, liebevoll gepflegten Museumshäusern auf Ischia wie in Blankenese dokumentiert […]
Bücher
Wissenschaftler, Literat und engagierter Intellektueller – Manuskript eines Radio-Feature für NDR-Kultur (Januar 2007) zum 75. Geburtstag von Umberto Eco Anfangsmontage Musik O-Ton Coscia: Mi ero incuriosito, proprio in una viuzza qua vicino lì ho visto questo ragazzino con il violoncello. Zitator Coscia: „In einer Gasse ganz in der Nähe war das, da bin ich auf diesen Jungen aufmerksdam geworden, der ein Cello trug.” O-Ton Renate Eco: „Das war in Franfurt zur Buchmesse, da musste mein Mann sowieso hin, der war da für den Verlag tätig, da haben wir denn eben auch gleichzeitig geheiratet.“ Zitator Eco: „Ich gehe und hinterlasse dies Schreiben, ich weiß nicht für wen, ich weiß auch nicht mehr worüber: Stat rosa pristina nomine, nomine nuda tenemus.“ O-Ton Michael Krüger: „Ich weiß nicht, wer über mehr Sprache verfügt als er.“ O-Ton Furio Colombo: „Il nostro modo di essere di sinistra non aveva legami con il partito comunista che allora era così importante nella vita culturale italiana:“ Zitator Colombo: „Unser Linkssein hatte keine Beziehung zur kommunistischen Partei.“ O-Ton Inge Feltrinelli: „Er ist manchmal ein sehr melancholischer Mensch.“ Die Bibliothek Atmo Bibliothek mit Eco: La biblioteca è organizzata così: qui è la zona donne… Erzählerin: Nicht ohne Ironie führt Umberto Eco […]
EIN PIEMONTESICHES SCHNABELTIER
Umberto Eco, Bücher und anderen Leidenschaften Mailand (Januar 2007) – Ein Besuch bei Umberto Eco, der durch seine Bibliothek in der Mailänder Wohnung führt. Mit Wortmeldungen von Renate Eco, Mario Scognamiglio und Michael Krüger – Manuskript eines Beitrags für den Bayrischen Rundfunk (BR 2 Journal). *** O-Ton Eco:„La biblioteca è organizzata così: qui è la zona donne.“ Autor:Nicht ohne Ironie führt Umberto Eco durch die Bibliothek seiner Wohnung in Mailand. Es beginnt mit der sogenannten Frauenzone, weil hier Bücher über Kunst und Architektur stehen, die auch seine deutsche Frau Renate und seine Tochter Carlotta interessieren. Dann gibt es einen geheimnisvollen braunen Schrank, in dem neben anderen Objekten, Mitbringseln aus Reisen und einer kleinen Sammlung von Zifferblätter alter Uhren nur braune Bücher stehen. Und wenn ein Buch nicht braun ist, steht es nicht hier. O-Ton Eco:„Quindi se un libro non è marrone, lì non c’è… Questo è il corridoio della letteratura, delle letterature, della critica letteraria.“ Autor:Es folgt ein langer Korridor mit literarischen Büchern in vielen Sprachen, und mit Büchern zur Literaturkritik. Rund 30.000 Titel sind in dieser Bibliothek versammelt. O-Ton Eco:„E questo è lo studio con i libri di saggistica.“ Autor:Sachbücher, Titel unter anderem zu Themen der Philosophie und […]
IN DER BIBLIOTHEK
Wie ein literarischer Ort auf Sizilien Wirklichkeit wurde So sicher wie der Sommer in Italien kommt ein Bestseller von Andrea Camilleri. Seit nicht einmal zehn Jahren wirft der anscheinend altersbedingt von allen Schreibhemmungen befreite 78-jährige Dramaturgie-Pensionär höchst erfolgreiche Bücher auf den Markt. Oft erscheinen gar im Abstand von nur wenigen Monaten mal ein Krimi über die sizilianische Gegenwart mal eine romanhafte Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit (Wagenbach hat gerade die Übersetzung der wunderschönen Geschichte von „König Zosimo“ verlegt).
SOMMERHIT VIGATA
Die politischen Leiden des Andrea Camilleri in der Ära Berlusconis – der sizilianischen Erfolgsautor im Gespräch (2001) Montalbano isst am liebsten allein. Jedes Gespräch lenkt vom Genuss einer fangfrischen Seebarbe oder in Olivenöl gebackenen Gamberetti ab. Allein das Wort „Arbeitsessen“ hält er für ein Sakrileg. Montalbano arbeitet als Kommissar auf Sizilien. Er gilt als einer der beliebtesten Polizisten der jüngeren Kriminalliteratur – und das nicht nur im heimischen Italien. „Die Idee mit dem Essen habe ich mir ausgeborgt“, erzählt Andrea Camilleri, der Vater vom Commissario Montalbano. „Ich habe die Idee von Massimo Bontempelli. Der hat eine kleine Erzählung geschrieben über einen Reisenden, der in ein merkwürdiges Dorf kam, wo es die Leute überall öffentlich miteinander trieben. Sie liebten sich im Stehen, in den Hauseingängen, auf der Straße. Als der Mann aber Hunger bekam, und nach einer Trattoria fragte, hieß es nur: Psst, nicht so laut, essen? Das Essen war im Dorf obszön, nicht das Andere, und so führte man ihn heimlich an einen Ort, wo wenige Einzelne, jeder für sich, am Tisch saßen und still Gaumenfreuden genossen.“ Die Trattoria als Freudenhaus, Camilleri freut sich noch heute über diese Bontempelli-Idee, die er in seinen Krimibestsellern der Montalbanoserie (auf Deutsch bei Lübbe) […]
