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Palermo, Ende Oktober – Die Via Immacolatella schlängelt sich kaum einhundert Meter lang durch das Altstadtviertel Kalsa. Ein paar Schritte von der Basilica di San Francesco entfernt liegt das Oratorio di San Lorenzo, das barocke Gebetshaus des Franziskanerklosters von Palermo. Eine überreiche weiße Stuckverzierung schmückt die Wände mit Szenen aus den Leben der Heiligen Laurentius und Franziskus. Kleine freistehende Figuren dieser anmutigen theatralischen Szenografien wurden jedoch von Dieben herausgebrochen oder Opfer vandalischen Treibens. Noch schlimmer ging es dem Altarbild, einer Darstellung der Geburt Christi mit den beiden hier verehrten Heiligen, gemalt von Caravaggio in Palermo 1609. Vor 50 Jahren, Mitte Oktober 1989, wurde die rund 3 mal 2 Meter große Leinwand von Dieben sauber aus ihrer Holzverschalung geschnitten. Seitdem ist die „Natività“ von Caravaggio nicht wieder aufgetaucht und gehört zu den zehn meist gesuchten Kunstwerken auf der Welt.  

In Palermo


Thomas Ostermeier eröffnet mit einer gelungenen italienischen Adaption seiner „Rückkehr nach Reims“ die Spielzeit am Mailänder Piccolo Teatro Mailand (Piccolo Teatro Studio Melato) – Bereits im vergangenen Jahr hatte ein ausländischer Regisseur wie Declan Donnellan der Spielzeit des Mailänder Piccolo einen internationalen Auftakt beschert. In diesem Jahr konnte es internationaler kaum sein. Denn das Stück Ritorno a Reims („Rückkehr nach Reims“) ist bereits ein Länder und Sprachen übergreifendes Projekt des Deutschen Thomas Ostermeier nach dem autobiographischen Essay „Retour à Reims“ des Franzosen Didier Eribon. Aufführungen gab es zuvor mit jeweils lokalen Bezügen in Manchester (Sommer 2017), Berlin (Herbst 2017) und Paris (Winter 2019). Jetzt kommt Mailand dazu. Inhaltlich geht es um die Krise linker Politik angesichts wachsender populistischer und rechtsextremistischer Strömungen in Europa und den USA.

im Theater: Ritorno a Reims



Ein Gespräch mit der Fotografin Letizia Battaglia, die mit dem Kythera Kultur-Preis 2019 ausgezeichnet wurde. Ein große Ausstellung im Mailänder Palazzo Reale zeigt einen Querschnitt ihrer Arbeiten Mailand/Palermo – Seit 2001 verleiht die Kythera Kultur-Stiftung (Düsseldorf) einen Preis an europäische Persönlichkeiten, die sich um die Vermittlung romanischer Kultur verdient gemacht haben. In diesem Jahr geht der Kythera Kultur-Preis an die 84jährige Fotografin Letizia Battaglia aus Palermo. In der Begründung heißt es, Letizia Battaglia habe zwischen 1974 und 1990 mit „beeindruckenden Schwarz-Weiß-Aufnahmen“ die Aktivitäten der sizilianischen Mafia dokumentiert. Ihr sei es mit zu verdanken, dass „die Grausamkeit dieser Verbrechen, die damals zumeist angstvoll beschwiegen wurden, der Öffentlichkeit zu Bewusstsein“ kamen. Darüber hinaus habe sie den Alltag vor allem der ärmeren Schichten Siziliens „liebevoll und nicht voyeuristisch“ abgebildet und dabei ihr besonderes Augenmerk auf Frauen und Kinder gerichtet. In dem von ihr initiierten Centro Internazionale di Fotografia leiste sie heute einen wichtigen Beitrag für das kulturelle Leben in Palermo. Der Palazzo Reale in Mailand widmet ihr eine Retrospektive.

„FOTOGRAFIEREN IST WIE LIEBEN“


Die Violinen großer Geigenbauer aus Cremona – zum Beispiel die Arbeiten von Giuseppe Guarneri del Gesù, der vor 275 Jahren starb Mailand/Cremona – Cremona gilt als die Hauptstadt des italienischen Geigenbaus. Neben Antonio Stradivari spielt Giuseppe Guarneri eine Hauptrolle in der Traditionsgeschichte. Die Nachwelt gab ihm den Beinamen „del Gesù“, weil er das Christusmonogramm IHS als Markenzeichen benutzte. Giuseppe Guarneri del Gesù 1698 geboren, starb vor 275 Jahren am 17. Oktober 1744 in Cremona im Alter von 46 Jahren. Im Museo del Violino von Cremona wird u.a. die Violine „Stauffer“ von Guarneri del Gesù aufbewahrt. Zur Zeit ist auch eine Ausstellung über den Musiker Paolo Diana (1799-1834), genannt Spagnoletti, zu sehen, der einer Geige Guarneris seinen Namen gab.

JEDEN PREIS WERT



Mailand schlägt Berlin im Kulturranking der europäischen Großstädte Brüssel/Mailand – Im EU-Ranking über kulturell und kreativ aufgestellten Städte gehört Mailand zur Spitzengruppe. Im soeben veröffentlichten Culture and Creative Cities Monitor nimmt es unter den 20 EU-Großstädten mit mehr als 1 Million Einwohnern den vierten Platz nach Paris, München und London ein. Und verweist Berlin auf Platz fünf. Hamburg liegt auf Platz 10, Rom kommt hinter Köln nur auf Rang 14. Während Italien bei den 40 Städten zwischen 500 Tausend und 1 Million Einwohnern schwächelt – hier führen Kopenhagen, Lissabon und Stockholm und Turin (28.), Genua (32.) sowie Neapel (38.) folgen abgeschlagen – liegen sie bei 40 Orten zwischen 250.00 und 500.000 Einwohnern weit vorne: Florenz führt vor Karlsruhe und Venedig, Bologna ist 12.

SPIEGLEIN, SPIEGLEIN AN DER WAND