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Das Buch „Henry James in Venedig“ und ein Gespräch mit Hanns-Josef Ortheil, der die Texte von James mit einem mehrteiligen Essay begleitet hat Venedig – Der Winter ist eine gute Jahreszeit, um die Lagunenstadt zu besuchen. Noch hat der Tourismus sie nicht so entstellend im Griff, wie zwischen Frühling und Herbst. Man kann Spuren nachgehen, die etwa ein Henry James (1843 – 1916) gelegt hat. Der amerikanische Autor reiste in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts viele Male nach Venedig. Er dachte zeitweilig sogar daran, sich hier ganz niederzulassen. Wie er sich in kleinen Essays und Reiseberichten mit der Stadt auseinander gesetzt hat, ist in dem Band In Venedig nachzulesen, der in der Dieterich’schen Verlagsbuchhandlung (Mainz) erschienen ist. Der Stuttgarter Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil hat darin über einen begleitenden Essay gleichsam den Dialog mit James wie mit dem Leser gesucht. In einem Gespräch mit Hanns-Josef Ortheil ließen sich Eindrücke von der Lektüre des Buches vertiefen. Das Gespräch fand Mitte Dezember 2016 im Deutschen Studienzentrum Venedig (*) statt.

„ERST WENN DU TAG FÜR TAG DORT LEBST, SPÜRST DU ...


Ein Welle extrem trockener Kaltluft hat in der Mailänder Pinakothek Brera den Erhalt von Gemälden auf Holzgrund gefährdet. Daraus hat sich eine Diskussion über die Rolle des Museums von heute entwickelt Mailand  – Unter winterlichen Witterungsbedingungen leiden nicht nur Menschen, sondern auch Kunstwerke. In der Mailänder Pinakothek Brera klagten Besucher seit dem Silvestertag über allzu kühle Säle. Als dann in der Nacht vom 7. Januar die lombardische Metropole von einer untypisch extrem trockenen Kältewelle überrollt wurde, bekamen das auch Dutzende von Gemälden besonders auf Holzgrund zu spüren. An kritischen Stellen drohte sich der Farbauftrag zu lösen. Offensichtlich, so eine erste Erklärung, habe die Klimaanlage versagt, die die Luftfeuchtigkeit konstant halten sollte.

PFLASTER FÜR PIERO DELLA FRANCESCA



In Mailand wurde der Neubau für die Fondazione Feltrinelli eröffnet, den Herzog & de Meuron projektiert haben. Darin finden das riesige Archiv und die Bibliothek sowie Veranstaltungsräume und eine Buchhandlung (mit Café) Platz Mailand – Bei Feltrinelli kann man feiern. Der Mailänder Verlag hat mit Roberto Savianos neuem Roman über die Rolle von Jugendlichen im organisierte Verbrechen Neapels („La paranza bei bambini“) einen Verkaufsschlager im Programm, der seit Wochen alle Bestsellerlisten anführt. Und die Fondazione Giangiacomo Feltrinelli konnte ihren neuen Sitz beziehen, den Herzog & de Meuron unweit der Porta Garibaldi errichtet haben.

EINE LAIZISTISCHE KATHEDRALE


Ein Gespenst geht um in Europa, das Gespenst der Populismus. Es schaut dem Volk aufs Maul und stellt die Eliten an den Pranger. In Italien wurde gerade der reformwillige Ministerpräsident Matteo Renzi Opfer einer solchen Stimmung.  Mailand/Rom – Sechzig zu Vierzig, ein deutlicher Sieg der Neinsager bei guter Wahlbeteiligung (70 Prozent) – das hätte sich kaum einer erwartet. „Die Italiener sind wütend“, sagt der Politologe und Historiker Gian Enrico Rusconi. Viele fühlten sich abgehängt. Die Wirtschaft wächst schon lange nicht mehr, sie stockte bereits vor der Weltmarktkrise 2007/2008. Der Mittelstand veramt. Die Jugend bleibt ohne Perspektive. Die Gewerkschaften zerfallen. Und von „oben“, von der Regierung, von den Spitzen der Vereinigungen und der Verbände, von den Aufsichtsräten der Banken und Industrieunternehmen, kamen zuletzt immer flottere Sprüche, wenn von „unten“ Missmut laut wurde.

WIR SAGEN NEIN, NEIN, NEIN!



Die Accademia Teatro alla Scala (1): Ob Musiker, Tänzer oder Handwerker, die Scala-Akademie bildet eine Elite unter den Nachwuchskräften in allen Bühnenberufen aus  Mailand – Es geht fröhlich zu in dem ehrwürdigen Teatro alla Scala, wenn jetzt zum Ausklang der Spielzeit eine Oper für Kinder auf dem Programm steht. Es wird gelacht und gerufen, geschupst und gedrängelt. Mit brausendem Beifall und zustimmenden Pfiffen werden die Musiker begrüßt, die im Orchestergraben Platz nehmen. Dann verlöscht langsam das Licht, hier und da mahnt jemand „tsch, tsch“ zur Ruhe. Die ersten Takte von Mozarts „Entführung aus dem Serail“ – eine reduzierte Fassung in italienischer Sprache in Koproduktion mit den Salzburger Festspielen – verbreiten schließlich eine zauberhafte Stimmung in dem vormittags um 11 Uhr mit Grundschülern vollbesetzten Haus.

EIN TOLLES GEFÜHL