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Die Welten des Marco Polo, der vor 700 Jahren bei einer Jahrzehnte langen Reise China und Europa näher brachte, in einer Ausstellung des Palazzo Ducale von Venedig. Im friedlichen Austausch, im Geben und Teilhaben suchte Marco Polo die Erfüllung eines Weltbilds, das bis heute, 700 Jahre nach dem Tod des Venezianers, nichts von seiner utopischen Kraft verloren hat Venedig – Ohne China geht nichts. Die wirtschaftliche Großmacht ist trotz politischer Widersprüche und seiner Probleme mit Menschenrechten aus den europäischen Handelsbeziehungen nicht wegzudenken. Zudem gewinnt Peking geopolitisch immer mehr an Bedeutung. Dass dabei die Beziehungen zum „Reich der Mitte“ und dem euroasiatischen Raum eine Tradition haben, die weit vor die Entdeckung Amerikas zurückgehen, zeigt die Ausstellung „I Mondi di Marco Polo“ (Die Welten des Marco Polo). Miit mehr als 300 Exponaten ist sie bis Ende September im Palazzo Ducale von Venedig zu sehen ist.

DIE HEIMAT IN DER FREMDE SUCHEN


In Italien gefeiert: Beatrice Salvionis Debütroman „Malnata“ ist jetzt auch auf Deutsch erschienen. Mailand – Mit ihrem kleinen Bildungsroman „Malnata“ ist der 1995 geborenen Beatrice Salvioni ein vielversprechendes Debüt gelungen. In ihm erzählt die Autorin die Geschichte einer Freundschaft zweier ungleicher Mädchen an der Schwelle des Erwachsenwerdens. Die Handlung spielt in einer norditalienischen Provinzstadt vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklung im Faschismus und dem Ausbruch des Abessinien-Kriegs 1935. Francesca, Tochter aus „gutem“ Haus, die zur Anpassung an traditionelle Rollenbilder erzogen wird, findet während eines Sommers über die Begegnung mit Maddalena, einem Mädchen aus der Unterschicht, die als „Malnata“, als die Ungezogene und die Unheilbringende verschrien ist, zu Selbstbewusstsein und mutigem Auftritt.

DIE FREIHEIT DER UNGEHORSAMEN



Hanna Kiels Augenzeugenbericht „Die Schlacht um den Hügel“ über die Belagerung und Besatzung in Fiesole beim Rückzug der Wehrmacht im Sommer 1944 ist endlich auch auf Deutsch erschienen Mailand/Florenz – Das ist die Geschichte einer Wiederentdeckung – und einer Wiedergutmachung. Die Schriftstellerin und Kunsthistorikerin Hanna Kiel (1894-1988) beschrieb mit dem Text „Die Schlacht um den Hügel. Eine Chronik aus Fiesole vom August 1944“ die letzten Wochen der deutschen Besatzung des Hügels von Fiesole nördlich von Florenz, wo sie damals lebte. Der Text sollte 1947 im Südverlag Konstanz unter dem Titel „Florentiner Tagebuch“ erscheinen, wurde aber nie gedruckt (weil angeblich zu deutschfeindlich). Die Schweizer Zeitschrift DU veröffentlichte später Ausschnitte. Eine italienische Übersetzung der „Chronik“ kam 1986 in Florenz heraus. Die Germanistin Eva-Maria Thüne von der Universität Bologna hat über diese Übertragung das deutsche Original wieder entdeckt und es jetzt mit einem Nachwort versehen im Berliner AvivA Verlag erstmals auf Deutsch veröffentlicht.

ERLEBNIS VON MENSCHLICHKEIT


Ein Festival des europäischen Gegenwartstheaters am Piccolo Teatro mit 16 Stücken an 16 Tagen – und ein Fest zum 77-jährigen Bestehen der von Giorgio Strehler, Nina und Paolo Grassi 1947 gegründeten Mailänder Bühne Mailand – Das internationale Theaterfestival am Piccolo Teatro „Presente Indicativo” („Indikativ Präsenz“), dass nach der erfolgreichen ersten Ausgabe 2022 im geplanten Biennale-Rhythmus jetzt vom 4. bis 19. Mai zum zweiten Mal veranstaltet wird, trägt den Untertitel „Milano Porta Europa“. “Porta“ lässt sich sowohl als Verb lesen („Mailand bringt/trägt Europa“) als auch als Substantiv („Mailand Tor Europa“). Einerseits geht es darum, vielfältigen Strömungen zeitgenössischer Dramaturgien mit Beiträgen u. a. aus Frankreich, Großbritannien, Polen, Spanien oder Portugal in Europa eine Plattform zu bieten, andererseits zeigt man sich offen für Wechselbeziehungen nach Lateinamerika (Argentinien, Chile) und natürlich zur eigenen, zur italienischen Szene. Auffällig fehlt u. a. der deutschsprachige Raum.

NEUGIER UND KÜHNHEIT



Antigone als Inbegriff von Widerstand und Bruderliebe oder als Beispiel einer egozentristischen Verweigerin legitimer Rechtsnormen – eine italienische Debatte ausgelöst durch die Streitschrift „Contro Antigone“ von Eva Cantarella Mailand – In ihrem Widerstand gegen die Obrigkeit gilt Antigone als zeitlose Kämpferin für Menschenrechte. Sie tritt, wie wir sie in der Tragödie von Sophokles kennen lernen, bis zur Selbstaufgabe für ihre Überzeugungen ein. Dieses heldenhaft positive Bild zerreißt jetzt die italienische Rechtshistorikerin und Gräzistin Eva Cantarella in ihrem Pamphlet Contro Antigone. O dell’egoismus sociale (Einaudi). Sie beschreibt Antigone als ein „menschliches Monstrum“, als eine Persönlichkeit „mit einem erschreckenden Egozentrismus“. Dass dieser Verriss von der inzwischen 88-jährigen Wissenschaftlerin kommt, die sich Zeit ihres Lebens mit der aktiven Rolle der Frau in der Antike beschäftigt hat und als streitbare Intellektuelle und Demokratin in der Öffentlichkeit aufgetreten ist, hat quer durch die Medien eine Debatte ausgelöst.

IDEAL ODER ASOZIAL?