Die italienische Gesundheitsfürsorge hat sich von einem Modell zu einem Problem entwickelt. Das belegen die Buchveröffentlichung „Codice Rosso“ (Fuori Scena) oder aktuelle wissenschaftliche Analysen (Censis/Italiadecide) Mailand – Das italienische Gesundheitssystem, das auf der öffentlichen medizinischen Versorgung durch den Servizio sanitario nazionale (Ssn) beruht, ist in eine Krise geraten. Nach der Einführung 1978 galt der Ssn als eines der besten Systeme zur Gesundheitsfürsorge in der westlichen Welt. Nun zeigt es Risse. Eine gemeinsame Untersuchung der Forschungsinstitute Censis und Italiadecide macht dafür die Kluft zwischen steigender Nachfrage bei zunehmender Alterung der Bevölkerung und einer Verringerung des Serviceangebots durch Mangel an medizinischem Personal und eine Unterfinanzierung des Ssn durch die öffentliche Hand verantwortlich. Das Sachbuch „Codice Rosso“ von Milena Gabanelli und Simona Ravizza, das sich seit Wochen in den die Bestsellerlisten hält, beklagt zudem, dass das öffentliche Gesundheitssystem ein Privatgeschäft geworden sei. (So gleich im Untertitel: „Come la sanità pubblica è diventata un affare privato.“)
Uncategorized
Im Theater: Marco Paolini (und Matthew Lenton) setzen sich mit Charles Darwin, seinen Notizbücher und der Rolle von Wissenschaft heute auseinander. Mailand (Piccolo Teatro und Tournee) – „Darwin, Nevada“ ist der Titel einer neuen Bühnenarbeit von Marco Paolini, die Ende Januar im Piccolo Teatro Strehler uraufgeführt wurde. Paolini, geboren 1956 in Belluno (Venetien) hat in der Nachfolge von Dario Fos „Mister Bufo“ Formen des narrativen Theaters weiterentwickelt. In sachlich gehaltenen Monologen, in denen er oft seinen heimischen Dialekt einsetzt, greift er gesellschaftliche Fragen, historische Chroniken wie zeitgeschichtliche Vorfällen auf. Nachdem er sich vor ein paar Jahren bereits mit einem Wissenschaftler wie Galileo Galilei auseinandergesetzt hatte, widmet er sich nun Charles Darwin und fragt nach der Rolle von Wissenschaft in der Gesellschaft. Diesmal geht er jedoch in Brechung seiner traditionellen Spielweise als Erzähler allein auf der Bühne eine Zusammenarbeit ein: Mit Matthew Lenton, Gründer des Theaters Vanishing Point (Glasgow), der im Gegensatz zu Paolini einer eher ästhetisch vermittelten Dramaturgie verpflichtet ist.
ANREGEND ABER UNFERTIG
Ein Manifest, das die Rolle der Natur als Triebkraft für wirtschaftliches Wachstum durch Steigerung von Biodiversität unterstreicht. Als Initiatoren rufen Porsche Consulting und das Beratungsunternehmen LAND Privatuntermnehmen zum Handeln auf und stellen die Bedeutung gemeinschaftlichen Handelns zur Förderung von Vielfalt heraus Mailand – Etwa 70 Prozent aller Pflanzen gilt als gefährdet. Biologen befürchten, dass gerade im Prozess der zunehmenden Verstädterung bis 2030 jede fünfte bekannte Art aussterben könnte und damit ebenso tierisches Leben dramatisch abnimmt. Den katastrophalen Rückgang von Vielfalt in der Natur will das Konzept der „Nature-Positive Cities“ nicht nur zum Stillstand (Netto Null) bringen, sondern nach und nach durch Steigerung von Biodiversität in urbanen Räumen „naturpositiv“ gleichsam umdrehen. So will man mit ökologischen Mitteln dem Klimawandel begegnen. Zur aktiven Förderung von nachhaltigem ökonomischen Wachstum und der natürlichen Gestaltung urbaner Räume ruft jetzt das „Nature-Factory Manifesto“ auf, in dem sich zwei in ihren Feldern führende Akteure zusammen gefunden haben: Porsche Consulting, die Managementberatung der renommierten Automobilmarke, und LAND, ein internationales Unternehmen für Landschaftsberatung. Das „Manifesto“ (hier zum Text) wurde Ende Januar auf dem World Economic Forum 2025 vorgestellt.
UNTERNEHMEN ZU AGENTEN MACHEN
Giuseppe Mazza und sein Buch „Campagne di guerra“ – die informative und breit dokumentierte italienische Untersuchung über Krieg und Kommunikation und über PR in militärischen Konflikten wäre eine Übersetzung ins Deutsche wert Mailand – Krieg setzt das Denken außer Kraft, vor allem das selbstkritische Denken. An seine Stelle tritt die Propaganda. Sie wird zu einer Waffe, die im Kampf mit dem Gegner, aber auch an der Heimatfront eingesetzt und von den PR-Medien transportiert wird. In dem Buch „Campagne di guerra. 150 anni di comunicazione, pubblicità, propaganda” („Kriegs-Kampagnen. 150 Jahre Kommunikation, Werbung, Propaganda“) spricht der Autor Giuseppe Mazza den PR-Medien zwar grundsätzlich ein demokratisches Potenzial zu, das aber von seinem „tragischen Gebrauch“ zu unterscheiden sei. Und um diesen tragischen Gebrauch geht es ihm in seinem durch u. a. Flugblätter, Plakate, Inserate, Fotografien breit dokumentierten Essay bei einer gelungenen Mischung aus leidenschaftlichen Erzählung und kühler Analyse.
EIN REGEN VON FLUGBLÄTTERN
Ein Knäuel von Geschehnissen: Umberto Nobile, das Schiff „Krasin“, Antonio Gramsci und Fotografien von Ursula Schulz-Dornburg. Ein Gastbeitrag von Peter Kammerer Rom – In Zeiten allgemeiner Desorientierung, in denen gängige Narrative zu Sackgassen werden, aus denen herauszukommen verordnete Lesarten so wenig nützen wie das Pfeifen im Wald, wird Erzählen zur letzten Hilfe. Walter Benjamin, der in den 1930-er Jahren eine Krise des Erzählens diagnostizierte, liebte die Geschichten von Johann Peter Hebel. Eine beginnt mit dem programmatischen Satz: „Es ist nichts lehrreicher als die Aufmerksamkeit, wie in dem menschlichen Leben alles zusammenhängt, wenn man es zu entdecken vermag.“ In diesem Geist begann die Fotografin Ursula Schulz-Dornburg ihre Streifzüge durch die Geschichte der sich auflösenden Sowjetunion. Streifzüge, die zu einer Erzählung in neun kurzen Kapiteln (und ein Postskriptum) führen.
