Uncategorized


Hartwig Heine, Soziologe und Herausgeber des Internetblogs „Aus Sorge um Italien“ ist in Hannover gestorben. Zusammen mit seiner Frau Marcella hat er sich unermüdlich für ein weltoffenes, im besten Sinne ‚neues Italien’ eingesetzt – wie Carl Wilhelm Macke in seinem Gastbeitrag erinnert Hannover/Ferrara – Don Camillo, der ebenso fromme wie rauflustige  Dorfpfarrer und Peppone, der etwas tollpatschige, aber machtbewusste Provinzkommunist,  gibt es schon seit vielen Jahren nicht mehr. Sie existieren nur noch als Hauptdarsteller in nostalgischen Filmwiederholungen. Mein Italienbild haben die beiden für viele Jahre tief geprägt. In meiner Kindheit im katholischen Oldenburger Münsterland war Italien immer nur präsent durch Don Camillo, Peppone und den Papst im Vatikan. Und dann gab es da noch eine italienische Eisdiele „Rizzardini“, in der wir uns nach der Schule und nach der Tanzstunde trafen. In der Jukebox wählten wir in Dauerschleife die Schlager von  Bobby Solo, Rita Pavone, Adriano Celentano, Peppino di Capri oder auch Connie Francis. Die war zwar keine Italienerin, aber sich in ihren unglaublich kitschigen Liedern immer so präsentierte, als sei sie unter der Sonne Neapels geboren. Egal, für mich und viele meiner Freunde war das alles ‚Bella Italia‘, Pizza und Gelato.

DER TRAUM VON EINEM TURM


Mafia (2): Simonetta Agnello Hornby hat auf dem Hintergrund der Entwicklung Siziliens in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts eine Art kriminellen Bildungsroman geschrieben. Mailand/Palermo – In dem Roman „Er war ein guter Junge“ (Folio Verlag) beschreibt Simonetta Agnello Hornby die Grauzone zwischen organisierter Kriminalität und der Zivilgesellschaft auf Sizilien. Die Autori erzählt vom Heranwachsen zweier Jugendlicher im südwestlichen Sizilien zwischen der Kleinstadt Sciacca und dem Dorf Pertuso Piccione – ein Fantasiename, hinter dem sich der Bergort Caltabellotta versteckt – und dem beruflichen Aufstieg der beiden. Der bringt sie zwischen den 1970er- und 1990er-Jahren gleichsam zwangsläufig in die Nähe zur Cosa Nostra. Wie Giovanni in einem Brief an seinen engen Freund Santino schreibt: „Wir beiden werden für uns und unsere Liebsten immer unser Bestes geben. Wenn man in dieser Welt Karriere machen will, muss man aber auch den Schmutz akzeptieren.“

DEN SCHMUTZ AKZEPTIEREN



Mafia (1): Davide Enia analysiert eindrucksvoll in seinem Stück „Autoritratto“ ein Leben parallel zur Cosa Nostra und zu den Ereignissen der 1980er und 1990er-Jahre in Palermo Mailand (Piccolo Teatro) – Den ersten ermordeten Toten sieht der Achtjährige in Palermo auf dem Heimweg von der Schule. In der Via Scobar, ausgerechnet unter dem Balkon der Wohnung eines Klassenkameraden, der an diesem Tag nicht in der Schule war, liegt ein Körper auf dem Fußweg in einem „See von Blut“. Mit dieser Erinnerung beginnt der heute 51-jährige Davide Enia sein jüngstes Theaterstück „Autoritratto“ (Selbstporträt). In einem eindringlich vorgetragenen Monolog – von Livemusik des Gitarristen Giulio Barocchieri und Gesang gegengeschnitten – erzählt Davide Enia von den ständigen Begegnungen mit der Cosa Nostra in den 1980er- und 1990er-Jahren: Von den Mafiakriegen, den Leichen auf den Straßen, von der Cosa Nostra ermordeten Menschen und von den Bombenanschlägen auf Giovanni Falcone und Paolo Borsellino. Die Inszenierung wird nach der Uraufführung auf dem Festival dei Due Mondi (Spoleto) im vergangenen Juni jetzt  im Piccolo Teatro di Milano gezeigt.

ERSCHEINUNG DES BÖSEN


„A Kind of Language“ – unter diesem Titel widmet sich die Fondazione Prada mit einer Ausstellung im Mailänder Osservatorio der Rolle des Storyboards in der Filmgeschichte mit Beispielen von den 1920er-Jahren bis heute Mailand (Osservatorio Prada) – Die Ausstellung „A Kind of Language“ untersucht den kreativen Prozess im Vorfeld des Filmemachens, indem sie Storyboards und andere Materialien wie Moodboards, Zeichnungen und Skizzen, Sammelalben und Notizbücher, kommentierte Drehbücher und Fotografien aus Filmen von Chaplin bis Anderson, von Pasolini bis Wenders präsentiert. Gezeigt werden Beispiele von den 1920er-Jahren bis heute von mehr als 50 Autoren, darunter Regisseure, Kameraleute, Künstler, Grafikdesigner, Animatoren, Choreografen und andere Personen aus dem Bereich der Film- und Videoproduktion.

EINE ART SPRACHE



Das Piccolo Teatro Milano erinnert an den Regisseur Luca Ronconi zehn Jahre nach seinem Tod mit einer Reihe von Initiativen in Zusammenarbeit mit dem Teatro alla Scala und dem römischen Teatro Argentino Mailand – Luca Ronconi starb am 21. Februar 2015 im Alter von 81 Jahren in Mailand kurz nach der Uraufführung seiner letzten Inszenierung „Lehman Trilogy“ von Stefano Massini. In fast vier Jahrzehnten als Theater- und Oper-Regisseur, als Gründer von Theatereinrichtungen wie dem Laboratorio di Prato oder als Initiator des Kulturprogramms der Olympischen Winterspiele Turin 2006 hatte Ronconi die Bühnenlandschaft Italiens (und mit seinen Operninszenierungen auch darüber hinaus) geprägt. In der Nachfolge von Giorgio Strehler übernahm er 1998 bis zu seinem Tod die künstlerische Leitung des Mailänder Piccolo Teatro an der Seite von Sergio Escobar (Direktion). Ebenso die Leitung der von Strehler gegründeten Schauspielschule des Piccolos, die heute seinen Namen trägt. Mit einer Reihe von Initiativen erinnert die Mailänder Bühne jetzt an die künstlerische Präsenz von Luca Ronconi, mit der er das italienische Theater neuen kreativen Einflüssen geöffnet und ins 21. Jahrhundert geführt hatte.

UNERSCHÖPFLICHE NEUGIERDE