Der Roman „Schwarze Seelen“ von Gioacchino Criaco beschreibt den kriminellen Lebensweg von drei Freunden zwischen einer Ortschaft in Kalabrien und Mailand. – Ein Lokaltermin Africo (Provinz Reggio Calabria) – Es geht über Stock, Stein und Gestrüpp. Dann wird der Blick frei auf ein Ruinendorf 800 Meter hoch im Aspromonte gelegen. Gioacchino Criaco bleibt stehen und sagt: „Hier.“ Diese Landschaft hier ist das Herz von allem. Auch das Herz einer kruden Geschichte, die Criaco in dem Roman „Schwarze Seelen“ erzählt. Die Geschichte handelt von drei Freunden aus der Locride, einem unterentwickelten Landstrich an der ionischen Küste von Kalabrien. Bereits als Jugendliche geraten sie in den 1970er Jahren auf die schiefe Bahn und führen ein Doppelleben. Wohlerzogen gehen sie zur Schule. Obgleich Kinder armer Leute, besuchen sie ein Gymnasium. Zugleich beschaffen sie sich mit der Beute von kleineren Raubüberfällen Waffen, um größere Raubüberfälle auszuüben.
Literatur
Luca Ronconi inszeniert am Mailänder Piccolo Teatro Genesis und Götterdämmerung der modernen Finanzwelt (Mailand – 2015) – Sie hießen Hayum, Mendel und Maier. Drei Söhne des Viehhändlers Löw Lehman aus Rimpar bei Würzburg. Als Hayum 1844 als erster in die Vereinigten Staaten emigrierte und die Brüder bald folgten, wurden aus ihnen Henry, Emanuel und Mayer. Sie gründeten in Montgomery (Alabama) einen Gemischtwarenhandel. „Lehman Brothers“ stand groß an der Ladenfront, ihre wichtigsten Kunden waren Baumwollfarmer. In den 1850er-Jahren gehörte der Baumwollhandel zu den ertragreichsten Wirtschaftszweigen der USA. Die Brüder begannen, Rohwolle als Zahlungsmittel für ihre Waren zu akzeptieren und mit Baumwolle zu handeln. Sie eröffneten ein Büro in New York und Lehman Brothers wurde bald zu einem der wichtigsten Broker-Unternehmen an der New Yorker Baumwollbörse. Daraus entwickelte sich ein Bankgeschäft, das die folgenden Generationen der Familie erfolgreich ausbauten. Die Welt der Waren löst sich in der Scheinwelt der Finanzen auf. Wie Philip, der Sohn von Emanuel sagt: „Wir benutzen Geld, um Geld zu kaufen, um Geld zu verkaufen, um Geld zu verleihen, um Geld zu wechseln.“ Lehman-Crash und globale Finanzkrise Nach dem Tod 1969 von Robert („Bobbie“), dem letzten männlichen Spross der Lehman-Familie, kam die viertgrößte Investmentbank Amerikas mit weltweit rund 30.000 Angestellten […]
DIE BALLADE VON DEN LEHMAN BROTHERS
Andreas Camilleris Caravaggio-Roman „Die Farbe der Sonne“ und die Mafia Rom. Die Geschichte handelt von einem Künstlerleben, doch sie beginnt wie ein Krimi. Dem Erzähler wird beim Besuch einer Inszenierung im griechischen Theater von Syrakus eine Telefonnummer zugespielt. Sie führt zu einem versteckten Landgut unweit von Catania, wo er bislang unbekannte handschriftliche Notizen eines berühmten Malers aus der Zeit des Epochenwechsels von der Renaissance zum Barock einsehen kann. Notizen von Caravaggio, das heißt von Michelangelo Merisi, der 1571 vermutlich in Mailand zur Welt kam. Die Familie des Malers stammte aus dem Marktflecken Caravaggio (südlich von Bergamo), auf den sich Merisi immer wieder stolz berief. In Rom, das er später fluchtartig verlassen musste, weil er wegen Totschlags angeklagt wurde, und in Neapel schuf er seine Hauptwerke. Caravaggio starb am Ende eines kurzen, teilweise abenteuerlichen Lebens vor 400 Jahren am 18. Juli 1610 in Porto Ercole an der Grenze zum Vatikanstaat. In den Jahren vor seinem Tod hielt er sich von 1607 bis 1609 vor allem auf Malta und auf Sizilien auf. Aus den geheimnisvollen Notizen rekonstruiert der Sizilianer Andrea Camilleri in seinem kleinen Roman „Die Farbe der Sonne“ eben diese Jahre. Caravaggio kommt nach Malta, malt dort einige wichtige Bilder wie […]
ANGEFRESSEN VON SCHWEINEN UND MÄUSEN
Umberto Eco, Bücher und anderen Leidenschaften Mailand (Januar 2007) – Ein Besuch bei Umberto Eco, der durch seine Bibliothek in der Mailänder Wohnung führt. Mit Wortmeldungen von Renate Eco, Mario Scognamiglio und Michael Krüger – Manuskript eines Beitrags für den Bayrischen Rundfunk (BR 2 Journal). *** O-Ton Eco:„La biblioteca è organizzata così: qui è la zona donne.“ Autor:Nicht ohne Ironie führt Umberto Eco durch die Bibliothek seiner Wohnung in Mailand. Es beginnt mit der sogenannten Frauenzone, weil hier Bücher über Kunst und Architektur stehen, die auch seine deutsche Frau Renate und seine Tochter Carlotta interessieren. Dann gibt es einen geheimnisvollen braunen Schrank, in dem neben anderen Objekten, Mitbringseln aus Reisen und einer kleinen Sammlung von Zifferblätter alter Uhren nur braune Bücher stehen. Und wenn ein Buch nicht braun ist, steht es nicht hier. O-Ton Eco:„Quindi se un libro non è marrone, lì non c’è… Questo è il corridoio della letteratura, delle letterature, della critica letteraria.“ Autor:Es folgt ein langer Korridor mit literarischen Büchern in vielen Sprachen, und mit Büchern zur Literaturkritik. Rund 30.000 Titel sind in dieser Bibliothek versammelt. O-Ton Eco:„E questo è lo studio con i libri di saggistica.“ Autor:Sachbücher, Titel unter anderem zu Themen der Philosophie und […]
IN DER BIBLIOTHEK
Die politischen Leiden des Andrea Camilleri in der Ära Berlusconis – der sizilianischen Erfolgsautor im Gespräch (2001) Montalbano isst am liebsten allein. Jedes Gespräch lenkt vom Genuss einer fangfrischen Seebarbe oder in Olivenöl gebackenen Gamberetti ab. Allein das Wort „Arbeitsessen“ hält er für ein Sakrileg. Montalbano arbeitet als Kommissar auf Sizilien. Er gilt als einer der beliebtesten Polizisten der jüngeren Kriminalliteratur – und das nicht nur im heimischen Italien. „Die Idee mit dem Essen habe ich mir ausgeborgt“, erzählt Andrea Camilleri, der Vater vom Commissario Montalbano. „Ich habe die Idee von Massimo Bontempelli. Der hat eine kleine Erzählung geschrieben über einen Reisenden, der in ein merkwürdiges Dorf kam, wo es die Leute überall öffentlich miteinander trieben. Sie liebten sich im Stehen, in den Hauseingängen, auf der Straße. Als der Mann aber Hunger bekam, und nach einer Trattoria fragte, hieß es nur: Psst, nicht so laut, essen? Das Essen war im Dorf obszön, nicht das Andere, und so führte man ihn heimlich an einen Ort, wo wenige Einzelne, jeder für sich, am Tisch saßen und still Gaumenfreuden genossen.“ Die Trattoria als Freudenhaus, Camilleri freut sich noch heute über diese Bontempelli-Idee, die er in seinen Krimibestsellern der Montalbanoserie (auf Deutsch bei Lübbe) […]
