Archiv für den Tag: Mai 9, 2015


Okwui Enwezor blickt auf „seine“ Biennale Venedig. Er ist 51 Jahre alt, in Nigeria geboren, hat eine US-amerikanischen Pass und leitet – nicht unumstritten – seit 2011 in München das Haus der Kunst. Einer breiten Öffentlichkeit wurde Okwui Enwezor bekannt, als er 2002 die documenta 11 verantwortete. Zuvor hatte er bereits wichtige Kunstveranstaltungen wie die Johannesburg Biennale in Südafrika geleitet oder eine Zeitschrift über afrikanische Gegenwartskunst (NKA) ins Leben gerufen. Seit er im Dezember 2013 zum Leiter der diesjährigen Kunstbiennale berufen wurde, wird er nicht müde in unzähligen Interviews über die Welt der Kunst und die Welt an sich nachzudenken, „die in Trümmern liegt.“

ENGEL DER GESCHICHTE


Die 56. Kunstbiennale von Venedig hält der Welt einen Spiegel vor Venedig.Es schnarrt und knurrt, summt und brummt. Noch nie war eine Biennale in ihrer Hauptausstellung im zentralen Pavillon der Giardini und in den ehemaligen Werftanlagen des Arsenale so voller Töne. Sogar ein automatisches Klavier eignet sich als Kunstwerk. Eine Turm von Trommeln des (im vergangenen Jahr verstorbenen) New Yorker Künstlers Terry Adkins ragt gleich am Anfang des Rundgangs im Arsenale in die Luft. Allerdings bleiben die Schlagzeuge stumm. Der Deutsche Olaf Nicolai benutzt dagegen im Hauptpavillon leibhaftige Sänger für seine musikalische Installation „Innere Stimme“, die er als Hommage für den italienischen Avantgardemusiker Luigi Nono und dessen Komposition „Non consumiamo Marx“ aus dem Jahr 1968 entwickelt hat. Man solle Marx nicht konsumieren, sondern gründlich lesen, so Nonos Aufruf, dem sich Nicolai heute anschließt. Das Politische im Mittelpunkt Womit wir schon beim Thema wären: die 56. internationale Kunstbiennale von Venedig rückt das Politische in den Mittelpunkt. Vor zwei Jahren stellte der Italiener Massimiliano Gioni noch Obsessionen und Traumbilder der Weltkunst aus. In diesem Jahr widmet sich der in Nigeria geborene Amerikaner Okwui Enwezor unter dem Motto „All The World`s Futures – Alle Zukünfte dieser Welt“ vorwiegend sozialen Problematiken: Armut und Unterdrückung, […]

VERLETZTE KÖRPER UND TRÜMMERLANDSCHAFTEN