Mailand. Größe kann stumm machen. Im Hangar Bicocca am nördlichen Stadtrand ist ein monumentales Ambiente mit Werken von Anselm Kiefer entstanden, das wohl ohne Beispiel ist. In der ehemaligen Industriehalle sind bereits seit dem Jahr 2004 die „Sieben Himmelspaläste“ – bis zu 18 Meter hohe Türme aus Stahlbetonmodulen – in einer Dauerausstellung zu sehen. Jetzt sind großflächige bildnerische Arbeiten an den Wänden dazu gekommen. Fünf, in der Regel 6 Meter hohe und 7,6 Meter breite Werke mit Landschaften und architektonischen Formen. Sie spiegeln die typischen Kiefer-Themen vom Verhältnis Mensch-Natur-Geschichte wider und wurden bislang noch nie öffentlich gezeigt. Vicente Todolì, Chefkurator der Pirelli-Kulturstiftung Hangar Bicocca, hat die Installation unter dem Namen „I Sette Palazzi Celesti 2004-2015“ mit den Gemälden als langfristige Leihgabe des Künstlers eingerichtet.
Ausstellungen
Florenz: Die 29. Internationale Biennale des Antiquariats zeigt sich erfrischend neu aufgestellt Florenz. Ist das ein Zufall? In der Hauptstadt der Toskana wird Ende Oktober das neue Dommuseum eröffnet. Und just tauchen im Handel drei Marmorstatuen auf. Eine (der Heilige Andreas?) stammt aus der einst von Arnolfo di Cambio um 1300 geplanten und nur im Sockelgeschoss fertig gestellten alten Fassade von Santa Maria del Fiore – die heutige, die sie ersetzt, wurde ja erst im 19. Jahrhundert vor den Florentinischen Prachtbau geblendet. Die deutsch-italienische Galerie Mehringer Benappi (München/Turin) bietet die Statue von Arnolfo di Cambio jetzt zusammen mit zwei geflügelten Engeln von Tino di Camaino (1285-1337) auf ihrem Stand der 29. Internationalen Biennale des Antiquariats von Florenz (BIAF) an. Die Engel gehörten zu einem Grabmal im Dom. Der Preis von rund drei Millionen Euro übersteigt zwar die finanziellen Möglichkeiten des Museums, aber in der Lokalpresse wurde bereits über eine Aktion zum Crowdfunding diskutiert. Der italienische Staat hätte bei diesem Kulturgut nationaler Bedeutung ein Vorkaufsrecht. Und auch am Stand von Mehringer sagt man: „Wäre doch schön, wenn die Arbeiten in Florenz blieben.“
ENGEL AM ARNO
Mailand (Palazzo Reale bis 10. Januar). Es muss um das Jahr 1335 gewesen sein, als Giotto di Bondone sich aufmachte, nach Mailand zu reisen. Er war vielleicht um die 60 oder bereits fast 70 Jahre alt – das Geburtsjahr (1267/1276) ist umstritten. Jedenfalls galt er bereits als ein Starkünstler, der für Päpste und Kardinäle ebenso gearbeitet hatte wie für den König von Neapel. Für die Franziskaner von Assisi oder den skrupellosen Bankier Enrico Scrovegni in Padua. In Florenz war ihm gerade der Auftrag erteilt worden, den Glockenturm der Kathedrale Santa Maria del Fiore zu errichten. In Mailand wurde er jetzt für den Herrscher der Stadt Azzone Visconti tätig und malte Fresken im fürstlichen Palast gleich neben der Dombaustelle. Kurz nach seiner Heimkehr starb der Künstler in Florenz im Januar 1337.
Giotto in Mailand
Die Bankenstadt Lugano gönnt sich mit dem LAC ein anspruchsvolles Kulturzentrum Lugano. In herrlicher Lage zieht sich die Stadt Lugano, das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Tessins, um eine Buchtung des gleichnamigen Lago hin und klettert mit ihren Ausläufern die umgebenen Hügel hinauf. Weniger herrlich zeigen sich die vielen Gebäude, die den Blick zum See suchen. In den vergangenen Jahrzehnten sind vornehmlich banale Betonarchitekturen gewachsen ohne Beziehung zur langen Geschichte des Ortes am kulturellen Schnittpunkt zwischen der Schweiz und Norditalien, wie man sie etwa in der Kirche S. Maria degli Angioli mit den prächtigen Renaissancefresken eines Bernardino Luini entdecken kann. Und genau neben dieser Kirche und dem ehemaligen Kloster, das bereits in der Gründerzeit einem Hotelbau weichen musste, stößt man jetzt auf das neue Kulturzentrum LAC (Lugano Arte Cultura) der Stadt. Am Samstag wurde es nach einer zehnjährigen Planungs- und Bauzeit (Kosten umgerechnet 190 Millionen Euro) mit mehreren Ausstellungen sowie einem Musik- und Theaterprogramm eröffnet.
GRÜNER MARMOR AUS GUATEMALA
Genua (Villa Croce bis 11. Oktober). Seit geraumer Zeit interessiert sich die schottische Klangkünstlerin Susan Philipsz (Turner-Preis 2010) für den italienischen Physiker und Pionier der drahtlosen Telegrafie Guglielmo Marconi. Sie fotografierte kürzlich Reste seines Forschungsschiffes „Elettra“, auf dem Marconi in 1930er Jahren zwischen Genua und Santa Margherita mit Radiowellen experimentiert hatte. Für eine Klanginstallation, die sie jetzt zusammen mit den Fotos im Museum Villa Croce von Genua präsentierte, versenkte Philipsz unter anderem ein Morsegerät vor der ligurischen Küste und nahm unter Wasser Geräusche auf.
