Ausstellungen


Mailand (Spazio Oberdan bis 6.1.). In den 1930er-Jahren war das Fernsehen kaum mehr als ein Versprechen auf die Zukunft. Und der Film blieb vom technischen Aufwand her ein schwerfälliges Unterfangen. Es war die Fotografie, die eine Hauptrolle bei der Dokumentation von gesellschaftlichen Vorgängen zu spielen begann. Mehr noch: Immer handlichere Fotoapparate ließen sie auch für den nicht professionellen Einsatz interessant werden. Die junge Antonia Pozzi, 1912 in Mailand geboren und in einer Familie des Bildungsbürgertums aufgewachsen, war dabei, diesen Weg vom Amateurhaften zum Professionellen einzuschlagen. Auf einer Ausstellung der Fondazione Cineteca Italiana mit dem Titel Sopra il nudo cuore („Über dem nackten Herzen“) kann man in dem Spazio Oberdan  ihre Fotos entdecken.

Antonia Pozzi: Die Poesie der Fotografie


Eine Ausstellung in der norditalienischen Stadt zeigt die metaphysische Malerei von Giorgio de Chirico 1915-18 und sein Einfluss auf die europäische Avantgarde Ferrara (Palazzo dei Diamanti bis 28.2.) In der Biographie von Giorgio de Chirico (1888-1978) markieren die Jahre, die der italienische Maler vor einhundert Jahren in Ferrara verbrachte, einen tiefen Einschnitt. Eine repräsentative Auswahl von Bildern der Zeit ist gerade in einer gelungenen Ausstellung im Palazzo dei Diamanti der Stadt zu sehen. Sie zeigt mit rund 70 Exponaten ebenso Arbeiten unter anderen von Carlo Carrà, Giorgio Morandi, Max Ernst oder René Magritte. Gemälde und Zeichnungen, die den Einfluss von de Chirico auf verschiedene Strömungen der europäischen Avantgarde dokumentieren.

STILLE JAHRE IN FERRARA



Eine gelungene Ausstellung über den romantischen Maler Francesco Hayez Mailand (Gallerie d’Italia bis 21.02.) – Das war mehr als ein Kuss. Eine romantische Szene, leidenschaftlich und politisch zugleich. Das Gemälde „Il Bacio“ aus dem Jahr 1859 zeigt Italien und Frankreich umschlungen, wenn man jedenfalls die Farben der Kleidung der sich Küssenden als Nationalfarben deutet. Ein Bild, das die italienisch-französische Partnerschaft symbolisierte, ohne die es nicht zur Befreiung Norditaliens von der Herrschaft Habsburgs gekommen wäre. Francesco Hayez (Venedig 1791 – Mailand 1882) schuf mit diesem Kuss eine Ikone.

HISTORISCH, POLITISCH, EROTISCH


Liechtenstein meldet sich auf der Kunstbiennale zu Wort Venedig (Palazzo Trevisan bis 1.11.) Die 56. Kunstbiennale von Venedig neigt sich ihrem Ende am 22. November zu, da macht ein kleines Land von sich reden. Liechtenstein, das bislang noch nie auf einer Biennale Arte vertreten war, zeigt jetzt bei einem Collateral Event in der Lagunenstadt zeitgenössische Kunst aus dem Fürstentum. Unter dem Titel „The Silver Lining“ will man der in diesem Jahr eher pessimistisch ausgerichteten Biennale mit ihrem Blick auf die „Trümmer der Geschichte“ (nach Benjamins Text „Angelus Novus“) einen „Silberstreifen“ am Horizont hinfügen.

EIN SILBERSTREIFEN



Emma Hamilton 200 Jahre nach ihrem Tod und eine Ausstellung in der Casa di Goethe Rom. Die Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach bereist von 1788 bis 1790 Italien. Dabei hält sie sich nicht wie üblich bei einer Grand Tour die meiste Zeit in Rom, sondern in Neapel auf. In der von einem kosmopolitischen Geist geprägten Stadt, eine der größten und schönsten von Europa, ist sie oft Gast im Hause des britischen Botschafters Sir Walter Hamilton. Der rund 60jährige Diplomat und Hobbyarchäologe lebt in jenen Jahren mit einer weitaus jüngeren Geliebten, der 1765 in der englischen Provinz geborenen Emma Hart, gleichsam in „wilder Ehe“. Eine Unperson? Anna Amalia aber lässt sich von der jungen Frau ebenso bezaubern wie die ganze neapolitanische Gesellschaft bis hin zur Königin und wird ihre Freundin – ein Vorgang, der im heimatlichen Weimar undenkbar gewesen wäre. Als Emma schließlich 1791 ihren Sir William heiratet und zur Lady Hamilton wird, gratuliert die Herzogin in einem Schreiben mit Grüßen auch an „an die liebe Emma“. Unter den Erinnerungsstücken aus Neapel, die Anna Amalia in Weimar aufbewahrt, ist auch ein „Bildnis Emma Hart als Sibylle“ gemalt von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, das vermutlich die Herzogin selbst in Auftrag gegeben hatte. […]

MY FAIR LADY IN NEAPEL