Ausstellungen


Die XXI. Triennale „Design After Design“ in Mailand von April bis September Mailand – Nach 20 Jahren wird es wieder eine „richtige“ Triennale geben. Die letzte internationale Gesamtausstellung, die XIX. Triennale, hatte 1996 stattgefunden. Im Jahr 2000 wurde der Modus gewechselt. Die Gesamtausstellung im Drei-Jahres-Rhythmus ersetzte man mit übers Jahr verteilten Einzelausstellungen und Initiativen zu unterschiedlichen Themen aus den Bereichen Architektur, Design, Handwerk, Kommunikation und auch bildender Kunst. Nun kommt die Triennale als Gesamtveranstaltung zurück. Die XXI. Esposizione Internazionale Milano wird in diesem Jahr vom 2. April bis zum 12. September unter dem Titel „21st Century. Design After Design“ veranstaltet. Erwartet werden 300.000 Besucher.

Zurück zur Zukunft


Italien entdeckt mit einer Ausstellung in Bologna die expressionistische Fotowelt von Jakob Tuggener Bologna (bis 17.4.) – Unter den bedeutenden Fotografen des 20. Jahrhunderts ist der Schweizer Jakob Tuggener (1904-1988) der große Unbekannte. Sein Werk durchziehen so unterschiedliche Themenbereiche wie das Arbeitsleben in der Fabrik oder die Luxuswelt auf Ballveranstaltungen der Oberschicht. Eigenwillig und starrköpfig hatte sich Tuggener sein Leben lang von der Ausstellungsszene und der Verlagswelt ferngehalten. Zu Lebzeiten veröffentlichte er mit „Fabrik“ (1943) einen einzigen Fotoband. Ohne Folgen blieben Ausstellungserfolge am Museum of Modern Art in New York (1955) oder in München (1969). Nach seinem Tod entwickelte sich ein zäher Streit um sein Erbe. Seit wenigen Jahren wird die Bedeutung des Fotografen aus Zürich, der expressionistische Einflüsse mit der Industriefotografie zu verbinden wusste, langsam auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Bei Steidl (Göttingen) erschien 2012 ein Reprint seines Fabrik-Bandes. In der Foto-Gallery des Kulturzentrum MAST von Bologna ist gerade eine Ausstellung unter dem Titel „Jakob Tuggener Fabrik/Nuits de Bal“ zu sehen.

ZWISCHEN SEIDE UND MASCHINEN



Gegenwartskunst in Ligurien und 30 Jahre Museum Villa Croce in Genua Genua (Villa Croce bis 20.März 2016) – Alte Reklameschilder, ausgediente Leuchtschriften, vergilbte Infotafeln – wer die Treppe zum ersten Stock des Museums Villa Croce zur Jubiläumsausstellung hoch geht, stößt auf ein scheinbar wild zusammen gewürfeltes Sammelsurium. Unter dem Titel „R.I.P. (landscape)“ beschreibt Andrea Nacciarriti mit dieser Installation die Veränderung von Stadtlandschaft, die sich zugleich Erinnerung bewahrt. Walter Benjamin hat über das Sammeln geschrieben, dass „jede Leidenschaft ja ans Chaos“ grenze. Diese Arbeit des in Mailand lebenden Künstlers erweist sich als gelungener Auftakt zur Ausstellung „VX30/Chaotic Passion“, die zum 30jährigen Bestehen des Einrichtung einen Dialog zwischen Teilen der festen Sammlung und neueren Arbeiten von jungen italienischen Künstlern „unter 40“ sucht.

LEIDENSCHAFT, DIE ANS CHAOS GRENZT


Zwei Mailänder Ausstellungen: „Imago non fugit“ und „Recto Verso“  Mailand – Unter den Mailänder Kultureinrichtungen kann man sich kaum einen größeren Gegensatz vorstellen als zwischen der Fondazione Prada am südlichen Stadtrand und dem Museo Bagatti Valsecchi im Zentrum. Die für Prada von Rem Koolhaas kürzlich umgebaute ehemalige Industrieanlage, ist – gleichsam mit einem minimalistischen Grundton – ganz auf die öffentliche, zumal elegante Präsentation von Kunst und Kultur Gegenwart ausgerichtet. Der von den Brüdern Fausto e Giuseppe Bagatti Valsecchi in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im historistischen Stil ausgebaut Stadtpalast ist mit Kunstwerken, Einrichtungsgegenständen und Sammlungsstücken vorwiegend aus der Renaissance vollgestopft und versteht sich als Museum einer privaten, antiquarisch orientierten  Wohnidee. Und doch verbindet jetzt etwas die beiden Pole der Mailänder Kultur. Zwei Ausstellungen, die hinter die Dinge gucken lassen.

HINTER DEN DINGEN



Ein Gespräch mit dem Kunsthistoriker Gerd Roos über Giorgio de Chirico und seine Jahre in Ferrara 1915 – 1918 anlässlich einer Ausstellung im Palazzo dei Diamanti Ferrara – In der Biographie von Giorgio de Chirico (1888-1978) markieren die Jahre, die der italienische Maler vor einhundert Jahren in Ferrara verbrachte, einen tiefen Einschnitt. Eine repräsentative Auswahl von Bildern der Zeit, in der die „metaphysische Malerei“ von de Chirico sich voll entwickeln könnte, ist gerade in einer äußerst gelungenen Ausstellung im Palazzo dei Diamanti der Stadt bis zum 28.2. zu sehen. Sie zeigt mit rund 70 Exponaten ebenso Arbeiten von unter anderen Carlo Carrà, Giorgio Morandi, Max Ernst, Georges Grosz oder René Magritte, die den Einfluss von de Chirico auf verschiedene Strömungen der europäischen Avantgarde dokumentieren. Die Ausstellung haben Paolo Baldacci (Mailand) und Gerd Roos (Berlin), die beiden heute wohl bedeutendsten Fachleute der de-Chirico-Forschung, eingerichtet. Gemeinsam arbeiten sie auch an einem Werkverzeichnis. Mit Gerd Roos gab es am Rande der Ausstellung die Möglichkeit zu einem Gespräch.

POETISCHER FUNKENSCHLAG