Melania G. Mazzucco entwirft mit ihrem Roman „Die Villa der Architektin“ ein farbenreiches Fresko der Gesellschaft und der Kunstszene im barocken Rom des 17. Jahrhundert. Im Mittelpunkt steht Plautilla Bricci, die erste Architektin der europäischen Kunstgeschichte. Rom/Mailand – Warum einen historischen Roman wie „Die Villa der Architektin“ von Melania G. Mazzucco lesen, der jetzt im Folio Verlag in deutscher Übersetzung erschienen ist? Rom führt Europa im 17. Jahrhundert vor, wie man eine Metropole der Gegenreformation gestaltet. Die Päpste, die Monarchen gleich regieren, lassen mit Aufträgen für prächtige Kirchenbauten wie für üppig ausgestaltete Familienpaläste eine barocke Stadtlandschaft wachsen. Und der römische Adel macht es ihnen nach. Eine opulent sinnliche Bildersprache zeigt in der Spannung von Lebenslust und Vanitas kraft- und ausdrucksvoll, wie richtiger Glaube auszusehen habe (und wie bedeutungsvoll die jeweils herrschende Familie sei). Während anderswo in Europa Katholizismus und Protestantismus sich kriegerisch bekämpfen, der Dreißigjährige Krieg Landschaften verwüstet, versetzen Künstler wie Bernini, Borromini oder Pietro da Cortona die Stadt Rom, die machtpolitisch im Abseits liegt, in einen ästhetischen Taumel. Nur Künstler? Gibt es keine Künstlerinnen?
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Fiktion und Realität vermischen sich in dem Kinofilm „Anna“ von Marco Amenta über einen Bauskandal an der Südküste Sardiniens. Erinnerungen an einen alten Bauern und Hirten, der am Capo Malfatano ein Konsortium von Großunternehmern herausforderte, werden wach Mailand (Cinema Palestrina)/Cagliari – Als eines Tages Baumaschinen vor ihrer Haus- und Stallanlage unweit des Meeres an der Küste Sardiniens auftauchen, versteht Anna die Welt die mehr. Auf einem Grundstück, das , so glaubt sie, einst ihrem verstorbenen Vater gehört hat, soll ein luxuriöser Hotelkomplex entstehen. Die junge Hirtin und Bäuerin, die sich nach einer gescheiterten Ehe in Mailand aufs Land ihrer Heimat zurückgezogen hat, um mit einer kleinen Ziegenherde und einer Kuh Käse für den lokalen Markt zu produzieren, beginnt einen schier aussichtslosen Kampf um ihre Existenz und den Schutz der Natur ihrer Heimat. Das ist die dramatische Ausgangssituation im Spielfilm „Anna“ von Marco Amenta, der in den italienischen Kinos angelaufen ist. Die Protagonistin – großartig interpretiert von Rose Aste – mag eine cineastische Erfindung sein, doch ruft der Film wirkliche Vorgänge wach.
IN DER SCHWEBE
Großes Kino und mehr: Der „Spazio Antonioni“ feiert in Ferrara das künstlerische und intellektuelle Erbe des Filmregisseurs Mailand/Ferrara – Unter den Filmregisseuren, die das italienische Kino mit Beginn der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts prägten, gilt Michelangelo Antonioni als ein Meister cineastisch poetischer Untersuchungen. Wim Wenders nennt ihn einen „Maler der Kinoleinwand“. Geboren 1912 in Ferrara ging Antonioni in den 1940er-Jahren nach Rom, wo er 2007 stab. Ferrara und die Räume der heimatlichen Po-Landschaft blieben aber in vielen seiner Filme präsent. Seine Vaterstadt hat ihm jetzt mit dem „Spazio Antonioni“ einen sehenswerten festen Ausstellungsort eingerichtet, der Anfang Juni in einem Pavillon des Palazzo Massari eröffnet wurde.
ERINNERUNGEN UND GEFÜHLE
Die Welten des Marco Polo, der vor 700 Jahren bei einer Jahrzehnte langen Reise China und Europa näher brachte, in einer Ausstellung des Palazzo Ducale von Venedig. Im friedlichen Austausch, im Geben und Teilhaben suchte Marco Polo die Erfüllung eines Weltbilds, das bis heute, 700 Jahre nach dem Tod des Venezianers, nichts von seiner utopischen Kraft verloren hat Venedig – Ohne China geht nichts. Die wirtschaftliche Großmacht ist trotz politischer Widersprüche und seiner Probleme mit Menschenrechten aus den europäischen Handelsbeziehungen nicht wegzudenken. Zudem gewinnt Peking geopolitisch immer mehr an Bedeutung. Dass dabei die Beziehungen zum „Reich der Mitte“ und dem euroasiatischen Raum eine Tradition haben, die weit vor die Entdeckung Amerikas zurückgehen, zeigt die Ausstellung „I Mondi di Marco Polo“ (Die Welten des Marco Polo). Miit mehr als 300 Exponaten ist sie bis Ende September im Palazzo Ducale von Venedig zu sehen ist.
DIE HEIMAT IN DER FREMDE SUCHEN
In Italien gefeiert: Beatrice Salvionis Debütroman „Malnata“ ist jetzt auch auf Deutsch erschienen. Mailand – Mit ihrem kleinen Bildungsroman „Malnata“ ist der 1995 geborenen Beatrice Salvioni ein vielversprechendes Debüt gelungen. In ihm erzählt die Autorin die Geschichte einer Freundschaft zweier ungleicher Mädchen an der Schwelle des Erwachsenwerdens. Die Handlung spielt in einer norditalienischen Provinzstadt vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklung im Faschismus und dem Ausbruch des Abessinien-Kriegs 1935. Francesca, Tochter aus „gutem“ Haus, die zur Anpassung an traditionelle Rollenbilder erzogen wird, findet während eines Sommers über die Begegnung mit Maddalena, einem Mädchen aus der Unterschicht, die als „Malnata“, als die Ungezogene und die Unheilbringende verschrien ist, zu Selbstbewusstsein und mutigem Auftritt.
