Mafia (1): Davide Enia analysiert eindrucksvoll in seinem Stück „Autoritratto“ ein Leben parallel zur Cosa Nostra und zu den Ereignissen der 1980er und 1990er-Jahre in Palermo Mailand (Piccolo Teatro) – Den ersten ermordeten Toten sieht der Achtjährige in Palermo auf dem Heimweg von der Schule. In der Via Scobar, ausgerechnet unter dem Balkon der Wohnung eines Klassenkameraden, der an diesem Tag nicht in der Schule war, liegt ein Körper auf dem Fußweg in einem „See von Blut“. Mit dieser Erinnerung beginnt der heute 51-jährige Davide Enia sein jüngstes Theaterstück „Autoritratto“ (Selbstporträt). In einem eindringlich vorgetragenen Monolog – von Livemusik des Gitarristen Giulio Barocchieri und Gesang gegengeschnitten – erzählt Davide Enia von den ständigen Begegnungen mit der Cosa Nostra in den 1980er- und 1990er-Jahren: Von den Mafiakriegen, den Leichen auf den Straßen, von der Cosa Nostra ermordeten Menschen und von den Bombenanschlägen auf Giovanni Falcone und Paolo Borsellino. Die Inszenierung wird nach der Uraufführung auf dem Festival dei Due Mondi (Spoleto) im vergangenen Juni jetzt im Piccolo Teatro di Milano gezeigt.
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„A Kind of Language“ – unter diesem Titel widmet sich die Fondazione Prada mit einer Ausstellung im Mailänder Osservatorio der Rolle des Storyboards in der Filmgeschichte mit Beispielen von den 1920er-Jahren bis heute Mailand (Osservatorio Prada) – Die Ausstellung „A Kind of Language“ untersucht den kreativen Prozess im Vorfeld des Filmemachens, indem sie Storyboards und andere Materialien wie Moodboards, Zeichnungen und Skizzen, Sammelalben und Notizbücher, kommentierte Drehbücher und Fotografien aus Filmen von Chaplin bis Anderson, von Pasolini bis Wenders präsentiert. Gezeigt werden Beispiele von den 1920er-Jahren bis heute von mehr als 50 Autoren, darunter Regisseure, Kameraleute, Künstler, Grafikdesigner, Animatoren, Choreografen und andere Personen aus dem Bereich der Film- und Videoproduktion.
EINE ART SPRACHE
Das Piccolo Teatro Milano erinnert an den Regisseur Luca Ronconi zehn Jahre nach seinem Tod mit einer Reihe von Initiativen in Zusammenarbeit mit dem Teatro alla Scala und dem römischen Teatro Argentino Mailand – Luca Ronconi starb am 21. Februar 2015 im Alter von 81 Jahren in Mailand kurz nach der Uraufführung seiner letzten Inszenierung „Lehman Trilogy“ von Stefano Massini. In fast vier Jahrzehnten als Theater- und Oper-Regisseur, als Gründer von Theatereinrichtungen wie dem Laboratorio di Prato oder als Initiator des Kulturprogramms der Olympischen Winterspiele Turin 2006 hatte Ronconi die Bühnenlandschaft Italiens (und mit seinen Operninszenierungen auch darüber hinaus) geprägt. In der Nachfolge von Giorgio Strehler übernahm er 1998 bis zu seinem Tod die künstlerische Leitung des Mailänder Piccolo Teatro an der Seite von Sergio Escobar (Direktion). Ebenso die Leitung der von Strehler gegründeten Schauspielschule des Piccolos, die heute seinen Namen trägt. Mit einer Reihe von Initiativen erinnert die Mailänder Bühne jetzt an die künstlerische Präsenz von Luca Ronconi, mit der er das italienische Theater neuen kreativen Einflüssen geöffnet und ins 21. Jahrhundert geführt hatte.
UNERSCHÖPFLICHE NEUGIERDE
Die italienische Gesundheitsfürsorge hat sich von einem Modell zu einem Problem entwickelt. Das belegen die Buchveröffentlichung „Codice Rosso“ (Fuori Scena) oder aktuelle wissenschaftliche Analysen (Censis/Italiadecide) Mailand – Das italienische Gesundheitssystem, das auf der öffentlichen medizinischen Versorgung durch den Servizio sanitario nazionale (Ssn) beruht, ist in eine Krise geraten. Nach der Einführung 1978 galt der Ssn als eines der besten Systeme zur Gesundheitsfürsorge in der westlichen Welt. Nun zeigt es Risse. Eine gemeinsame Untersuchung der Forschungsinstitute Censis und Italiadecide macht dafür die Kluft zwischen steigender Nachfrage bei zunehmender Alterung der Bevölkerung und einer Verringerung des Serviceangebots durch Mangel an medizinischem Personal und eine Unterfinanzierung des Ssn durch die öffentliche Hand verantwortlich. Das Sachbuch „Codice Rosso“ von Milena Gabanelli und Simona Ravizza, das sich seit Wochen in den die Bestsellerlisten hält, beklagt zudem, dass das öffentliche Gesundheitssystem ein Privatgeschäft geworden sei. (So gleich im Untertitel: „Come la sanità pubblica è diventata un affare privato.“)
UNGLÜCK ALS GESCHÄFT
Im Theater: Marco Paolini (und Matthew Lenton) setzen sich mit Charles Darwin, seinen Notizbücher und der Rolle von Wissenschaft heute auseinander. Mailand (Piccolo Teatro und Tournee) – „Darwin, Nevada“ ist der Titel einer neuen Bühnenarbeit von Marco Paolini, die Ende Januar im Piccolo Teatro Strehler uraufgeführt wurde. Paolini, geboren 1956 in Belluno (Venetien) hat in der Nachfolge von Dario Fos „Mister Bufo“ Formen des narrativen Theaters weiterentwickelt. In sachlich gehaltenen Monologen, in denen er oft seinen heimischen Dialekt einsetzt, greift er gesellschaftliche Fragen, historische Chroniken wie zeitgeschichtliche Vorfällen auf. Nachdem er sich vor ein paar Jahren bereits mit einem Wissenschaftler wie Galileo Galilei auseinandergesetzt hatte, widmet er sich nun Charles Darwin und fragt nach der Rolle von Wissenschaft in der Gesellschaft. Diesmal geht er jedoch in Brechung seiner traditionellen Spielweise als Erzähler allein auf der Bühne eine Zusammenarbeit ein: Mit Matthew Lenton, Gründer des Theaters Vanishing Point (Glasgow), der im Gegensatz zu Paolini einer eher ästhetisch vermittelten Dramaturgie verpflichtet ist.
