homepage


Auf der Bühne: Die erfolgreiche Weltpremiere der Oper „Il Nome della Rosa“ mit der Musik von Francesco Filidei unter der Leitung von Ingo Metzmacher und der Regie von Damiano Michieletto in Mailand Mailand – Als das Teatro alla Scala die neue Oper „Il Nome della Rosa“ von Francesco Filidei mit nur vier Wiederaufnahmen nach der Weltpremiere am 27. April programmierte, geschah das vielleicht in einer Art Zurückhaltung. Immerhin birgt die absolute Neuheit einer Oper zeitgenössischer Musik für ein der Tradition verpflichtetes Haus wie die Scala ein gewisses Risiko. Doch die Vorsicht war unbegründet: Bereits im Vorfeld waren alle fünf Aufführungen der Auftragsarbeit der Scala und der Opéra national de Paris ausverkauft. Die Premiere wurde ein Erfolg beim Publikum wie bei der Kritik. Und lang anhaltender Beifall beschloss die Inszenierungen unter der musikalischen Leitung von Ingo Metzmacher und der Regie von Damiano Michieletto auch an den folgenden Abenden. Das ist auf der einen Seite sicher dem Libretto und der gelungene Übertragung eines so vielschichtigen Stoffs wie des berühmten Romans von Umberto Eco zu verdanken.

ELEGANTES, LOCKERES HANDWERK


80 Jahre Kriegsende (2): Italien beginnt sich mit dem deutschen Widerstand auseinanderzusetzen, Deutschland tut sich immer noch schwer von Deserteuren der Wehrmacht zu erzählen, die aufseiten der italienischen Partisanen kämpften – neue Veröffentlichungen als Beiträge zum Aufbau einer europäischen Erinnerungskultur Mailand/Turin – 80 Jahre nach Kriegsende bleibt in Italien die Diskussion über die Rolle und die Bewertung der Resistenza und die Ereignisse der deutschen Besatzung lebendig. In den vergangenen Jahren wurde dazu in einigen Veröffentlichungen der Blick auf Deutschland und die Deutschen nicht nur auf die Täter gerichtet, sondern auch auf die, die gegen die Nazi-Diktatur opponiert hatten. Bei Laterza ist jetzt zum ersten Mal eine Art Gesamtüberblick über den deutschen Widerstand erschienen, der bereits im Titel eine gewisse Vorläufigkeit ausdrückt: „Storie della Resistenza tedesca“. Also „Geschichten“, nicht „Geschichte“ des Widerstands.

DER ERINNERUNG DER ANDEREN



80 Jahre Kriegesende (1): Italienische Debatten zum Jahrestag der Befreiung vom Nazifaschismus, die Rolle des antifaschistischen Widerstands und eine Veröffentlichung über die Geschichte der Resistenza des Historikers Santo Peli Mailand – Am 25. April 1945 zogen Partisanen in das von den deutschen Truppen verlassene Mailand ein. Das Comitato di Liberazione Nazionale Altaitalia CLNAI (Nationales Befreiungskomitee Oberitalien), das in der Stadt seinen Sitz hatte, rief zum Aufstand in allen noch von Faschisten und Besatzern kontrollierten Gebieten und zu landesweiten Streiks auf. Der 25. April wurde dann 1946 unter der ersten Regierung von Alcide De Gasperi zum Nationalfeiertag erklärt, um die totale Befreiung des Staatsgebietes zu erinnern und zu würdigen. Die Resistenza, die Rolle des bewaffneten Kampfes in Italien, der mit der Besatzung des Landes durch die Wehrmacht am 8. September 1943 begonnen hatte, und die Bedeutung des Antifaschismus für die Herausbildung eines republikanischen und demokratischen Staates nach dem Krieg sind Themen, die in der historischen Entwicklung Italiens der Nachkriegszeit eine grundlegende Geltung haben. Sie werden auch jetzt zum 80. Jahrestag der Befreiung vom Nazifaschismus diskutiert, zumal das Land in einer Koalition mehrheitlich von der Partei Fratelli Italia regiert wird, die aus der neofaschistischen Nachfolgeorganisation MSI hervorgegangen ist.

»DIE DEMOKRATIE HÄNGT VON UNS AB«


Hartwig Heine, Soziologe und Herausgeber des Internetblogs „Aus Sorge um Italien“ ist in Hannover gestorben. Zusammen mit seiner Frau Marcella hat er sich unermüdlich für ein weltoffenes, im besten Sinne ‚neues Italien’ eingesetzt – wie Carl Wilhelm Macke in seinem Gastbeitrag erinnert Hannover/Ferrara – Don Camillo, der ebenso fromme wie rauflustige  Dorfpfarrer und Peppone, der etwas tollpatschige, aber machtbewusste Provinzkommunist,  gibt es schon seit vielen Jahren nicht mehr. Sie existieren nur noch als Hauptdarsteller in nostalgischen Filmwiederholungen. Mein Italienbild haben die beiden für viele Jahre tief geprägt. In meiner Kindheit im katholischen Oldenburger Münsterland war Italien immer nur präsent durch Don Camillo, Peppone und den Papst im Vatikan. Und dann gab es da noch eine italienische Eisdiele „Rizzardini“, in der wir uns nach der Schule und nach der Tanzstunde trafen. In der Jukebox wählten wir in Dauerschleife die Schlager von  Bobby Solo, Rita Pavone, Adriano Celentano, Peppino di Capri oder auch Connie Francis. Die war zwar keine Italienerin, aber sich in ihren unglaublich kitschigen Liedern immer so präsentierte, als sei sie unter der Sonne Neapels geboren. Egal, für mich und viele meiner Freunde war das alles ‚Bella Italia‘, Pizza und Gelato.

DER TRAUM VON EINEM TURM



Mafia (2): Simonetta Agnello Hornby hat auf dem Hintergrund der Entwicklung Siziliens in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts eine Art kriminellen Bildungsroman geschrieben. Mailand/Palermo – In dem Roman „Er war ein guter Junge“ (Folio Verlag) beschreibt Simonetta Agnello Hornby die Grauzone zwischen organisierter Kriminalität und der Zivilgesellschaft auf Sizilien. Die Autori erzählt vom Heranwachsen zweier Jugendlicher im südwestlichen Sizilien zwischen der Kleinstadt Sciacca und dem Dorf Pertuso Piccione – ein Fantasiename, hinter dem sich der Bergort Caltabellotta versteckt – und dem beruflichen Aufstieg der beiden. Der bringt sie zwischen den 1970er- und 1990er-Jahren gleichsam zwangsläufig in die Nähe zur Cosa Nostra. Wie Giovanni in einem Brief an seinen engen Freund Santino schreibt: „Wir beiden werden für uns und unsere Liebsten immer unser Bestes geben. Wenn man in dieser Welt Karriere machen will, muss man aber auch den Schmutz akzeptieren.“

DEN SCHMUTZ AKZEPTIEREN