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Zu Besuch in Paderno Dugnano im Weichbild Mailand, wo der FIFA World Cup herstellt  wurde und wo man ihn öfter restaurieren muss  Mailand (Juli 2014) – Das Objekt der Begierde stammt aus Italien, aus Mailand, der Welthauptstadt des Designs. Es ist innen hohl, 36,8 Zentimeter hoch und wiegt 6,1 Kilogramm, davon sind rund 5,5 Kilo 18karätiges Gold. An der Basis, wo es von zwei grünen Malachit-Ringen geziert wird, hat es einen Durchmesser von 13 Zentimetern. Seit 1974 tut es seinen Dienst. Der Vorgänger, der Jules-Rimet-Pokal, war den FIFA-Statuten nach vier Jahre zuvor ganz in den Besitz des brasilianischen Fußballverbandes gekommen, nachdem die Celeção zum dritten Mal den Titel gewonnen hatte. Franz Beckenbauer durfte dann als erster Spieler der Welt in München am 7. Juli 1974 nach dem gewonnenen Endspiel gegen die Niederlande Hand an die neue Trophäe legen. Auch das Regelwerk wurde geändert. Der neue WM-Pokal sollte solange im Rennen bleiben, bis sich Platz fand, den Namen des Gewinnerlandes auf die Basis und die Unterseite zu gravieren – mindestens bis zum Jahr 2038. Wer ihn am 13. Juli nach gewonnenem Spiel in Rios versmogten Himmel reckt, hat einen Materialwert von rund 160 000 Euro in der Hand. Doch das wird den […]

EIN POKAL, AUS DEM MAN NICHT TRINKEN KANN


„Femminicidio“ – Italien diskutiert mit einem neuen Wort über Mordtaten von Männern an Frauen Mailand (Januar 2014) – Italien ist um ein Wort reicher geworden. Das aber klingt sogar in der an Wohllauten so reichen Sprache Dantes nicht gut: „femminicidio“ – „Mord an Frauen“. Der Begriff, der sich jetzt endgültig durchgesetzt hat, meint im Gegensatz zum allgemeinen Mord („omicidio“) Gewalttaten, die von Männern an Frauen verübt werden. Von Männern, die in fast zwei Drittel aller Fälle in einer Beziehung zu den Opfern standen. Während die Mordfälle in Italien insgesamt rückläufig sind, steigen die von Männern an Frauen erschreckend an. Zwischen 2000 und 2012 wurden 2200 Frauen ermordet. Im vergangenen Jahr waren es wieder 131 – eine Frau alle zweieinhalb Tage.

„ICH LIEBE DICH, ALSO GEHÖRST DU MIR“



Sardinien und der kulturelle Aufbruch der Regionalhauptstadt Cagliari Cagliari (16.12.2013) – Die Altstadt von Cagliari liegt innerhalb historischer Befestigungsanlagen auf einem felsigen Hügel am Golfo degli Angeli im Süden von Sardinien, der zweitgrößten Insel des Mittelmeers. Zu Füßen des Hügels dehnen sich nach Osten wie nach Westen Lagunen aus, in denen früher Salz gewonnen wurde und heute Flamingos brüten. Vom Hafen zieht sich die Marina, eine ehemalige Fischersiedlung, zum Kastell und zur Oberstadt hoch. Reisende, die sich einst Cagliari vom Meer her näherten, sahen wie D.H. Lawrence „eine nackte Stadt, die sich steil und vergoldet aus der Fläche inmitten der gestaltlosen, tiefen Bucht aufreckt.“ Der Engländer, der Sardinien zusammen mit seiner deutschen Frau Frieda von Richthofen kurz nach dem ersten Weltkrieg bereiste, empfand die Hauptstadt der Insel „fremdartig, fast schön, überhaupt nicht italienisch.“ Ein Ort „verloren zwischen Europa und Afrika, keinem zugehörig.“ Sein Buch „Das Meer und Sardinien“, das nach dieser Reise entstand, prägte lange Zeit das Sardinienbild der europäischen Öffentlichkeit. Das war eine Reise in ein mittelalterlich anmutendes Leben, „das in sich ruht und kein Interesse an der Welt draußen hat.“ Als im Hinterland die Zeit stehen blieb Cagliari hat dabei immer eine Sonderolle gespielt, weil die Eroberer vom […]

DIE GRÜNE STADT AM MEER


Ein Besuch bei dem Rechtsphilosophen Paolo Becchi in Genua, der der 5 Sterne Bewegung nahe steht Genua/Mailand (Mai 2013) – Im parlamentarischen System von Italien knirscht es gewaltig. Der Movimento Cinque Stelle (M5S), der sich als Sieger der letzten Parlamentswahlen im Februar dieses Jahres fühlen darf, hat einen totalen Konfrontationskurs gegenüber den traditionellen Parteien eingeschlagen. Mehr noch, die von Beppe Grillo und Gianroberto Casaleggio gegründete Fünf-Sterne-Bewegung stellt die System-Frage. Sie will die repräsentative Demokratie erneuern und das Parteiensystem ablösen. Der Rechtsphilosoph Paolo Becchi sagt, die alten, weitgehend korrupten Parteien seien „Reste der Vergangenheit“, die Letta-Regierung als große Koalition zwischen der Berlusconi-Partei (PDL) und den Sozialdemokraten (PD) bleibe „ein Witz“.

EINE ART DIGITALE DEMOKRATIE



Palmen sterben, die Spielbank schreibt rote Zahlen und der Blumenmarkt hat seine Bedeutung verloren – jetzt setzt die ligurische Rivierastadt auf Kultur und Nachhaltigkeit Sanremo (Mai 2013). Wenn man den langen Tunnelgang verlässt, der den tief in den Hügeln versteckten neuen Bahnhof von Sanremo mit der Außenwelt verbindet, glaubt man zu träumen. Eben noch von der Neon- und Betonästhetik einer Laufbandtrasse gefangen, die eher an einen Flughafen als eine Eisenbahnstation erinnert, trifft der Besucher unter einem freien Himmel auf hoch aufstrebenden Palmen, auf majestätischen Akazien mit ihrem dichten Blätterwerk oder auf Fichten, in die blau blühende Glyzinien hineingewachsen sind – und im frühlingsgrünen Gras leuchten überall Blumenrabatte. Die milde Witterung der ligurischen Riviera wird hier am Ausgang der Valle Argentina, wo hohe Berge nahe ans Meer rücken, durch ein besonderes Mikroklima noch verstärkt. So liegen die Temperaturen von Sanremo im Winter rund zwei Grad über denen der Nachbarorte Imperia im Osten und Bordighera im Westen. Und im Hochsommer zwei Grad darunter. Ein ideales Klima, das zu jeder Jahreszeit erholsame Tage garantiert. Wenn man nicht wie Dickie in dem Roman „Der talentierte Mr. Ripley“ von Patricia Highsmith bei einer Bootsfahrt vor dieser Küste ermordet wird…

STILLE ABENDE IN SANREMO