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Unterwegs im Gebiet zwischen Mantua, Carpi und Ferrara, wo eine reiche Kulturlandschaft durch mehrere Erdstöße schwer verletzt wurde – und der Boden bebt immer noch Carpi / Ferrara / Mantua (22. Juni 2012) Herrscht Krieg? Wie nach einem Fliegerangriff liegen Häuser längst der Allee von der San Felice nach Finale Emilia in Schutt und Asche, andere stehen aufrecht, als hätten die Bomben sie verfehlt. Vier Wochen nach dem schweren Erdbeben in Norditalien patrouillieren immer noch Soldaten im Geländeanzug zusammen mit bewaffneten Carabinieri innerhalb der Ortschaften vor den total gesperrten „roten Zonen“. Feuerwehrleute bewegen bei Aufräumarbeiten schwere Kranwagen. Allgegenwärtig sind die Kräfte des Zivilschutzes in ihren dunkelblauen Uniformen, sie wachen auch vor den Eingängen der kleinen Zeltsiedlungen, die sich in den besonders betroffenen Gemeinden gebildet haben.

DER FLUCH DES CORREGGIO


Mailand, das Design und sein Netzwerk – eine Spurensuche Mailand (23.2.2012). Design in Mailand also. Blitzlichtartig tauchen Namen auf. Alessi und Kartell, Cassina und Armani. Designer gründen Firmengruppen, Industriebetriebe stützen sich auf die Kreativität ihrer Architekten. Mode- und Produktdesign sind in einem regen Austausch begriffen. Mailand (1,3 Millionen Einwohner in der Stadt, 5 Millionen im Großraum) ist eine Stadt voller Bewegung und Konkurrenz. Jede gute Idee stößt hier auf bessere Alternativen. Rund 12.000 Architekten haben sich in der Stadt niedergelassen. Mehr als 7000 Menschen teilen sich ein Quadratkilometer Fläche, enger geht es in Italien nur noch in Neapel zu. Und weitere 900.000 Menschen pendeln jeden Tag in die lombardische Wirtschafts- und Finanzmetropole ein, die zugleich Europas größter Messeplatz ist. Dazu gehört auch der Salone del Mobile, die Möbel- und Einrichtungsmesse, die die Stadt jedes Jahr im April in einen wahren Design-Taumel versetzt. Einige Veranstaltungen des Fuorisalone in den Showrooms, Werkstätten und open studios der Architekten und Hersteller außerhalb des Messegeländes haben inzwischen chaotische Formen einer Kirmes angenommen. Ein Shoppingparadies für gefüllte Brieftaschen Den Rest des Jahres bleibt Mailand ein Shoppingparadies eher für Träger gefüllte Brieftaschen. Die vielen Boutiquen und Showrooms präsentieren die Objekte der Begierde, als sei die ganze Stadt […]

VOM LÖFFEL BIS ZUR STADT



Ovidio Marras, ein alter Hirte und Kleinbauer kämpft auf Sardinien gegen die Bauspekulation von Großindustriellen Cagliari – Eine der schönsten Straßen Italiens führt in Südsardinien, rund 40 Kilometer von der Regionalhauptstadt Cagliari entfernt, längs der Costa del Sud zum Porto di Teulada.  Sanft rollt ein Vorgebirge dem Meer zu. Kleine Buchten mit traumhaften, vom Tourismus weitgehend unberührte Stränden schließen sie ab. Hinter jeder Kurve öffnen sich neue  Blicke auf prächtige Landschaftbilder mit buschigem Rosmarin, wilden Olivenbäume und kleinen Wäldern immergrünen Steineichen, die bis an das glasklare Meer heranreichen, das blaugrün in der Herbstsonne blinzelt. Einige alte, in traditioneller Lehmbauweise errichtete Bauernkaten stehen hier und von einer Landzunge bei Capo Malfatano grüßt ein Wachturm aus den Zeiten der aragonischen Besatzung.

HUND UND KATZE VERGIFTET


Mussolinis neues römisches Imperium  – Zur Erinnerung an den Journalisten und Historiker Angelo Del Boca ein Beitrag des Deutschlandfunks aus dem Jahr 2011 Mailand/Rom/Turin (2011) – Im Mai 1936 konnte Benito Mussolini die Eroberung der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba verkünden, die das Ende des Italienisch-Äthiopischen Krieges besiegelte. Mit brutaler Gewalt und dem Einsatz von Giftgas trieb der faschistische Diktator seinen Traum von einem „Neuen Römischen Imperium“ in Afrika voran. Eine Sendung des Deutschlandfunks: Geschichte aktuell – Der faschistische Kolonialismus“ (5.5.2011). Der Beitrag von Henning Klüver basiert vor allem auf Gesprächen mit dem Historiker Lutz Klinkhammer vom Deutschen Historischen Institut Rom und dem italienischen Journalisten und Historiker Angelo Del Boca aus Turin. Angelo Del Boca, der sich mit alle Kraft in Büchern und Veranstaltungen dafür eingesetzt hatte, das Schweigen über italienische Gräueltaten im Äthiopienkrieg und bei der Besatzung des nordafrikanischen Landes zu brechen, ist am 6. Juli 2021 im Alter von 96 Jahren in Turin gestorben. Hier der DLF-Beitrag: “Um Viertel nach zwei bekamen wir Addis Abeba am Fuße des Entoto in den Blick. Ein Spiel von Licht und Schatten versetzte die Hochebene in eine unwirkliche, märchenhafte Stimmung. Es war, als ob dieser reale Augenblick, auf den wir uns während sieben […]

ITALIEN, ÄTHIOPIEN UND DAS LANGE SCHWEIGEN



Deutsche und italienischen Historiker arbeiten die Jahre zwischen 1943 und 1945 auf Mailand (18.4. 2011) – Am kommenden Ostermontag feiert Italien wie jeden 25. April den „Tag der Befreiung“. Am 25. April 1945 zogen italienische Widerstandskämpfer in Mailand und Turin ein. Das Datum markiert das Ende der deutschen Besatzung und der faschistischen Gewaltherrschaft in Mussolinis Rumpfstaat (Repubblica Sociale Italiana) im Norden des Landes. Zwei Tage später wurde der Duce beim Versuch, in die Schweiz zu flüchten, in Dongo am Comer See festgenommen und auf Befehl des Nationalkomitees der Resistenza (CLNAI) erschossen. Italien war wieder frei. So bildet der 25. April ein Scharnier zwischen Widerstand und Aufbau der Demokratie. Er ist Ende und Anfang zugleich.

WIE ERINNERN?