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Eine Reise mit Fotos von Marianne Sin-Pfältzer Nuoro. Kinder, ein kleiner Hafen, das nachdenkliche Gesicht eines Fischers, Reisende der ersten Klasse, die ein Fährschiff verlassen, und junge Esel, die aus einer Luke der Fähre an Land geführt werden – mit dieser Bilderfolge aus den fünfziger Jahren führt Marianne Sin-Pfältzer in ihr Fotobuch über Sardinien ein. Es ist der Beginn einer Zeitreise, die bis in die Mitte der siebziger Jahre reicht – also bevor der Tourismus die Insel für sich entdeckte.

NACH SARDINIEN, BEVOR DIE TOURISTEN KAMEN


Thomas Mann und Luchino Visconti in einer Ausstellung in Rom über „Mario und den Zauberer“   Thomas Mann beschreibt in seiner Erzählung „Mario und der Zauberer“ ein Urlaubserlebnis aus dem faschistischen Italien der 1920er Jahre. Dabei geht es in einem Badeort – unschwer als Forte dei Marmi zu erkennen – um die Auswirkungen des bedrückenden politischen Klimas bis in die alltäglichen Beziehungen am Strand und in den Ferieneinrichtungen. Die Erzählung gipfelt in einer Abendveranstaltung mit dem verkrüppelten Zauberer Cipolla und endet tragisch mit seinem Tod. Der Thomas-Mann-Verehrer Luchino Visconti zeigt sich nach dem Krieg begeistert von dem Stoff. Er entwickelt daraus im Sommer 1952 das Libretto für ein Ballett, das sein Schwager, der spätere Filmkomponist Franco Mannino, für eine Aufführung von „Mario e il Mago“ an der Mailänder Scala vertont. Im Frühjahr 1953 kommt Thomas Mann aus der Schweiz nach Rom. Bei einem Empfang trifft er Visconti und Mannino und lässt sich das Libretto wie auch die Partitur zeigen. Mannino beschreibt in seinen Erinnerungen diese Begegnung, bei der Visconti „blass vor Aufregung“ ist. Doch Thomas Mann lobt „mit festem und zustimmendem Blick“ die Arbeit. „Bravo“, sagt er, „ich befürchtete, sie hätten im expressionistischen Stil komponiert. Ich bin froh darüber, dass sie […]

KEINEN EXPRESSIONISMUS BITTE



Luca Ronconi inszeniert am Mailänder Piccolo Teatro Genesis und  Götterdämmerung der modernen Finanzwelt (Mailand – 2015) – Sie hießen Hayum, Mendel und Maier. Drei Söhne des Viehhändlers Löw Lehman aus Rimpar bei Würzburg. Als Hayum 1844 als erster in die Vereinigten Staaten emigrierte und die Brüder bald folgten, wurden aus ihnen Henry, Emanuel und Mayer. Sie gründeten in Montgomery (Alabama) einen Gemischtwarenhandel. „Lehman Brothers“ stand groß an der Ladenfront, ihre wichtigsten Kunden waren Baumwollfarmer.  In den 1850er-Jahren gehörte der Baumwollhandel zu den ertragreichsten Wirtschaftszweigen der USA. Die Brüder begannen, Rohwolle als Zahlungsmittel für ihre Waren zu akzeptieren und mit Baumwolle zu handeln. Sie eröffneten ein Büro in New York und Lehman Brothers wurde bald zu einem der wichtigsten Broker-Unternehmen an der New Yorker Baumwollbörse.  Daraus entwickelte sich ein Bankgeschäft, das die folgenden Generationen der Familie erfolgreich ausbauten. Die Welt der Waren löst sich in der Scheinwelt der Finanzen auf. Wie Philip, der Sohn von Emanuel sagt: „Wir benutzen Geld, um Geld zu kaufen, um Geld zu verkaufen, um Geld zu verleihen, um Geld zu wechseln.“ Lehman-Crash und globale Finanzkrise Nach dem Tod 1969 von Robert („Bobbie“), dem letzten männlichen Spross der Lehman-Familie, kam die viertgrößte Investmentbank Amerikas mit weltweit rund 30.000 Angestellten […]

DIE BALLADE VON DEN LEHMAN BROTHERS


Die Internationale Balzanstiftung unterstützt über ihre Preisträger Forschungsprojekte in aller Welt Am Geld kann es eigentlich nicht liegen. Der Premio Balzan, mit dem jedes Jahr vier Wissenschaftler in wechselnden Fachgebieten ausgezeichnet werden, ist mit jeweils 750 000 Schweizer Franken (ungefähr 620 000 Euro / Stand Dez. 2014) ausgestattet. Das ist einer der höchst dotierten internationale Kultur- und Wissenschaftspreis überhaupt. Und doch spielt der in der akademischen Welt hoch geschätzte Preis der Internationalen Balzanstiftung (Mailand/Zürich) in der öffentlichen Wahrnehmung nicht die Rolle, die ihm gebührt. Dabei führt die Wahl der Themen und der Preisträger bis in den Alltag. In Rom wurde vom italienischen Staatspräsident Giorgio Napolitano etwa ein Biologe wie der Amerikaner David Tilman mit dem Premio Balzan 2014 für seine Beiträge zur Ökologie der Pflanzen ausgezeichnet, in denen es um die Auswirkungen der Biodiversität auf die Welternährung geht. Anders als der Nobelpreis prämiert die Balzanstiftung sowohl Geistes- als auch Naturwissenschaftler. Diesmal den kanadischen Philosophen Ian Hacking und den amerikanischen Mathematiker Dennis Sullivan. Der Preisträger für Archäologie, der Italiener Mario Torelli, zeigte sich in seiner Dankesrede durchaus polemisch gegenüber der Kommerzialisierung von Kultur und einer Kulturpolitik, die sich in purem Management erschöpft. Und der Preis wechselt jedes Jahr die Fachgebiete, für die die […]

DER BALZANPREIS MACHT VON SICH REDEN



Auf Sardinien wurden erneut Großskulpturen aus der späten Nuraghenzeit gefunden Cagliari (November 2014). Die „Giganten von Mont’e Prama“, überlebensgroße Sandsteinfiguren vermutlich aus dem 9. oder 8. Jahrhundert v. Chr., gehören seit kurzem zu den Höhepunkten der archäologischen Museen von Cagliari und Cabras auf der Mittelmeerinsel Sardinien. Das sind archaische Darstellungen von Bogenschützen, Kriegern und Handschuhkämpfern. Bei mehreren Grabungskampagnen zwischen 1975 und 1979 legten Wissenschaftler in Westsardinien unweit von Cabras (Provinz Oristano) kleine Bereiche einer vermutlich ausgedehnten Nekropole aus der Zeit der späten Nuraghen-Kultur am Hang des Hügels Mont’e Prama frei.

DIE GIGANTEN VON MONT’E PRAMA