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Die 56. Kunstbiennale von Venedig hält der Welt einen Spiegel vor Venedig.Es schnarrt und knurrt, summt und brummt. Noch nie war eine Biennale in ihrer Hauptausstellung im zentralen Pavillon der Giardini und in den ehemaligen Werftanlagen des Arsenale so voller Töne. Sogar ein automatisches Klavier eignet sich als Kunstwerk. Eine Turm von Trommeln des (im vergangenen Jahr verstorbenen) New Yorker Künstlers Terry Adkins ragt gleich am Anfang des Rundgangs im Arsenale in die Luft. Allerdings bleiben die Schlagzeuge stumm. Der Deutsche Olaf Nicolai benutzt dagegen im Hauptpavillon leibhaftige Sänger für seine musikalische Installation „Innere Stimme“, die er als Hommage für den italienischen Avantgardemusiker Luigi Nono und dessen Komposition „Non consumiamo Marx“ aus dem Jahr 1968 entwickelt hat. Man solle Marx nicht konsumieren, sondern gründlich lesen, so Nonos Aufruf, dem sich Nicolai heute anschließt. Das Politische im Mittelpunkt Womit wir schon beim Thema wären: die 56. internationale Kunstbiennale von Venedig rückt das Politische in den Mittelpunkt. Vor zwei Jahren stellte der Italiener Massimiliano Gioni noch Obsessionen und Traumbilder der Weltkunst aus. In diesem Jahr widmet sich der in Nigeria geborene Amerikaner Okwui Enwezor unter dem Motto „All The World`s Futures – Alle Zukünfte dieser Welt“ vorwiegend sozialen Problematiken: Armut und Unterdrückung, […]

VERLETZTE KÖRPER UND TRÜMMERLANDSCHAFTEN


Die Weltausstellung zu Ernährungsfragen vor der Stadt und ein tolles Kulturprogramm im Zentrum Mailand: Das war ein Wettlauf mit der Zeit. Kurz vor der Eröffnung der Expo 2015 war auf dem 110 Hektar großen Ausstellungsgelände bei der Ortschaft Rho am nordwestlichen Stadtrand  noch der Teufel los. Doch Italiener sind Endspurtweltmeister. Und selbst wenn jetzt zur Eröffnung der Weltausstellung am 1. Mai hier und da noch Nachholbedarf besteht, dann wird sich das in den kommenden Wochen erledigen lassen. Wer will denn da schon pingelig sein angesichts der großen Fragen, die im Mittelpunkt stehen. „Den Planeten ernähren – Energie fürs Leben“ lautet das Thema der Superschau mit über 140 Nationen und Organisationen als Teilnehmer (55 davon mit einem eigenen Pavillon). Angesichts der dramatischen Ernährungslage einer immer schneller wachsenden Weltbevölkerung gibt es hier ein brennend aktuelles Problem. Und, wie man gleich am Eingang in dem von Michele De Lucchi als aufgeschnittene Hügellandschaft entworfenen „Padiglione Zero“ (Pavillon Null) in einer eindrucksvollen Mammutausstellung sehen kann, ist das eine der ganz großen kulturgeschichtlichen Fragen überhaupt.

EXPO IN MAILAND ERÖFFNET



Wie erinnern? Zwei Beispiele aus Mailand und aus Genua Italien gedenkt der Befreiung von deutscher Besatzung und der Herrschaft Mussolinis vor 70 Jahren. Am 25. April 1945 wurde vom Nationalen Befreiungskomitee in Mailand der Generalstreik in den noch von Wehrmacht und SS besetzten Gebieten Norditaliens ausgerufen. Das war zugleich das Signal zu einem allgemeinen Aufstand, durch den dann die Partisanen die Herrschaft über große Städte wie Mailand, Genua und Turin errangen, während die Alliierten von Süden kommend immer weiter vorrückten. Die Deutschen Truppen befanden sich bereits auf einem chaotischen Rückzug Richtung Alpen. Vier Tage später kapitulierten sie endgültig vor den Alliierten. In Italien wird der 25. April inzwischen als Nationalfeiertag begangen, an dem man die Resistenza, also den Widerstand ehrt, dessen Werte auch in die republikanische Verfassung Eingang gefunden haben. Zuletzt hatte sich jedoch eine Feiertagsrhetorik entwickelt, die zu einer gewissen Ermüdung der Erinnerung geführt hat. In Mailand wie in Genua gab es jetzt Versuche, die Feiern des 25. Aprils mit neuem Leben zu füllen.

70 JAHRE RESISTENZA


Eine Ausstellung im Mailänder Palazzo Reale (16.4.-19.7. 2015) Mailand und Leonardo, das ist eine Erfolgsgeschichte, die über zwei Jahrzehnte lang dauerte. Mit 29 Jahren verließ Leonardo da Vinci seine heimatliche Toskana und ging im Jahr 1481 an den Hof von Ludovico Sforza, wo er vor allem als Ingenieur, Erfinder und Architekt Maschinen, Waffen und Festungsanlagen entwickelte und sich mit wissenschaftlichen Fragen von der Biologie bis zur Mathematik auseinandersetzte. Er war zudem als Musiker und Ausrichter von Festveranstaltungen höchst geschätzt. Aber auch als Maler und Bildhauer vermehrte er den Ruhm seines Herren – und seinen eigenen, wie etwa die ungeheure Nachwirkung der Darstellung des Abendmahls belegt. In den kriegerischen Wirren der Renaissancezeit verließ Leonardo Mailand 1499, kehrte aber nach Aufhalten in Mittelitalien für gut sechs Jahre wieder dorthin zurück.

DEN GANZEN LEONARDO IM BLICK



Das umgebaute ägyptische Museum in Turin versucht einen Neustart Turin. Fast 200 Jahre ist das ägyptische Museum von Turin alt. Doch nach einem dreijährigen Umbau, der jetzt abgeschlossen ist, scheint es ganz neu. Während der Bauarbeiten konnte nur jeweils ein kleiner Teil der Sammlung, die zu den bedeutendsten der Welt gehört, ausgestellt werden. Mit der Wiedereröffnung am 1. April hat das Museum mit 10.000 Quadratmeter seine Ausstellungsfläche fast verdoppelt. Gezeigt werden über 6000 Fundstücke des Zeitraums von 4000 vor Christus bis zur Islamisierung Ägyptens um 700 nach Christus. Der Gesamtbestand beträgt rund 26.000 Artefakte. Zu den Höhepunkten des chronologisch geordneten Rundgangs gehören Wandbilder aus dem Grab von Iti (um 2100 vor Christus), Funde aus dem Grab von Kha, die sogenannte Kapelle von Maia (jeweils um 1400 vor Christus), die Galerie der Sarkophage aus mehreren Epochen, sowie die große Sammlung der Papyri mit unter anderem dem „Königspapyrus“– eine Liste in hieratischer Schrift der altägyptischen Pharaonen vor Ramses II – aus dem 13. Jahrhundert vor Christus.

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