Mailand


Mailand schlägt Berlin im Kulturranking der europäischen Großstädte Brüssel/Mailand – Im EU-Ranking über kulturell und kreativ aufgestellten Städte gehört Mailand zur Spitzengruppe. Im soeben veröffentlichten Culture and Creative Cities Monitor nimmt es unter den 20 EU-Großstädten mit mehr als 1 Million Einwohnern den vierten Platz nach Paris, München und London ein. Und verweist Berlin auf Platz fünf. Hamburg liegt auf Platz 10, Rom kommt hinter Köln nur auf Rang 14. Während Italien bei den 40 Städten zwischen 500 Tausend und 1 Million Einwohnern schwächelt – hier führen Kopenhagen, Lissabon und Stockholm und Turin (28.), Genua (32.) sowie Neapel (38.) folgen abgeschlagen – liegen sie bei 40 Orten zwischen 250.00 und 500.000 Einwohnern weit vorne: Florenz führt vor Karlsruhe und Venedig, Bologna ist 12.

SPIEGLEIN, SPIEGLEIN AN DER WAND


Alexander Pereira verlässt die Mailänder Scala und wird Intendant des Maggio Musicale von Florenz Mailand – Das konnte er nicht auf sich sitzen lassen. Als Intendant Alexander Pereira nach dem etwas verunglückten Versuch, mit Geldern aus Saudi Arabien die Kassen der Scala aufzubessern, im Frühjahr in Verhandlungen um Verlängerung seines Vertrages am Mailänder Opernhaus ging, hätten sie den Österreicher beinahe vom Hof gejagt. Der Vertrag wäre im Februar 2020 ausgelaufen, aber mehr als eine Verlängerung um ein Jahr war nicht drin. Wobei er die Leitung im letzten Jahr bereits mit seinem Nachfolger, dem Franzosen Dominique Meyer, hätte teilen sollte. Der wird von der Staatsoper Wien an das Teatro alla Scala wechseln. Alexander Pereira wäre gern noch mindestens zwei volle Jahre allein in Amt und Würden in Mailand bis 2022 geblieben, wenn ebenso der Vertrag mit Riccardo Chailly als musikalischer Leiter der Scala auslaufen wird. Doch es blieb nur der Abschied gleichsam auf Raten.

EIN STARKER ABGANG



Die Inszenierung an der Mailänder Scala überzeugt musikalisch unter Dirigent Michele Mariotti. Der Regisseur David McVicar kämpft dagegen mit dem Libretto – und scheitert. Mailand (Teatro alla Scala bis 7.Juli) – Unter den Verdi-Opern gehören „I masnadieri“, die der „Schwan von Busseto“ mit nur 34 Jahren komponierte, zu den weniger bekannten. Nach der Premiere 1847 in London, die Verdi selbst dirigierte, wurden das Werk nur drei Mal auf der Scala aufgerührt, zuletzt 1978 unter der musikalischen Leitung eines damals 25jährigen Riccardo Chailly, heute musikalischer Leiter der Mailänder Oper. Das hat auch mit dem missglückten Libretto von Andrea Maffei zu tun, der Friedrich Schillers Drama „Die Räuber“ verhunzte. In Mailand kamen „I Masnadieri“ jetzt unter der musikalischen Leitung von Michele Mariotti und der Regie des Briten David McVicar neu heraus.

in der Oper: I masnadieri


Umberto Eco schlägt in dem Band „Auf den Schultern von Riesen“ weite Bögen durch die Literatur-, Kunst- oder Philosophiegeschichte und legt geistreiche Stolpersteine. Ein Lesevergnügen, das nachdenklich macht  Mailand –  Experten gibt es heute überall und für alles. Und sie spezialisieren sich immer weiter, dass am Ende ihr riesiges Fachwissen auf einen extrem kleinen Gegenstand fixiert ist. Auf der anderen Seite gibt es ein stetig wachsendes Palaver der Besserwisser nicht nur in den sozialen Medien. Ein Gerede, eigentlich nur ein Geraune, über alles und nichts, das inhaltsleer über einen hinwegrauscht. Zwischen diesen Extremen wünscht man sich wieder in eine Art Schule, möchte einem Lehrer zuhören, der das Denken seiner Hörer mit Ideen, Anregungen, Zweifeln und mit ein bisschen Ironie in Bewegung hält. Umberto Eco (1932 -2016) war ein solcher Lehrer und sein Schulhaus war der öffentliche Auftritt.

EIN INTELLEKTUELLES FEUERWERK



Gemma Carbone eröffnet mit ihrem Stück über den Mord an Olof Palme im Teatro Elfo Puccini eine Reihe von neuen Inszenierungen junger Autoren zu politischen Themen im italienischen Theater Mailand (Teatro Elfo Puccini) – Politik, Leidenschaft, Macht – unter diesen Stichworten hat das Teatro Elfo Puccini seine diesjährige Reihe Nuove storie („Neue Erzählungen“) gestellt, die – so der Kurator Francesco Frongia – mit jungen Theatergruppen politisch unbequeme Themen aufgreifen und ihre Umsetzung auf der Bühne untersuchen will. Den vielversprechenden Anfang machte jetzt Gemma Carbone mit ihrem Stück Gul – Uno sparo nel buio („Gelb – Ein Schuss im Dunkel“). Dabei geht es um den Mord an Schwedens Ministerpräsident Olof Palme.

im Theater: Gul – Uno sparo nel buio