Umberto Eco, Bücher und anderen Leidenschaften Mailand (Januar 2007) – Ein Besuch bei Umberto Eco, der durch seine Bibliothek in der Mailänder Wohnung führt. Mit Wortmeldungen von Renate Eco, Mario Scognamiglio und Michael Krüger – Manuskript eines Beitrags für den Bayrischen Rundfunk (BR 2 Journal). *** O-Ton Eco:„La biblioteca è organizzata così: qui è la zona donne.“ Autor:Nicht ohne Ironie führt Umberto Eco durch die Bibliothek seiner Wohnung in Mailand. Es beginnt mit der sogenannten Frauenzone, weil hier Bücher über Kunst und Architektur stehen, die auch seine deutsche Frau Renate und seine Tochter Carlotta interessieren. Dann gibt es einen geheimnisvollen braunen Schrank, in dem neben anderen Objekten, Mitbringseln aus Reisen und einer kleinen Sammlung von Zifferblätter alter Uhren nur braune Bücher stehen. Und wenn ein Buch nicht braun ist, steht es nicht hier. O-Ton Eco:„Quindi se un libro non è marrone, lì non c’è… Questo è il corridoio della letteratura, delle letterature, della critica letteraria.“ Autor:Es folgt ein langer Korridor mit literarischen Büchern in vielen Sprachen, und mit Büchern zur Literaturkritik. Rund 30.000 Titel sind in dieser Bibliothek versammelt. O-Ton Eco:„E questo è lo studio con i libri di saggistica.“ Autor:Sachbücher, Titel unter anderem zu Themen der Philosophie und […]
Mailand
Die Scala nach dem Rücktritt von Riccardo Muti Mailand (4. April 2005) – Jetzt ist der Katzenjammer groß. Der Rücktritt von Riccardo Muti als musikalischer Direktor der Mailänder Scala hat in der Stadt und in ganz Italien Bestürzung ausgelöst. Trotzt des Todes eines Papstes widmete die Tageszeitung „la Repubblica“ am Sonntag sechs ganze Seiten dem Abschied des maestro. Die Scala ist ganz abgesehen von ihrem wirklichen künstlerischen Rang ein Symbol für die gesamte italienische Kultur. Und Muti ist ihr Prophet. So ist auch zu verstehen, dass nicht nur Freunde wie Maurizio Pollini die Umstände seines Rücktritts als „unwürdig“ beklagen. Die Medien hofieren weiterhin einen Riccardo Muti, der doch in seiner Auseinandersetzung mit dem langjährigen Intendanten Carlo Fontana wie ein Zauberlehrling selbst die Geister gerufen hat, welche die Scala ins Chaos gestürzt haben und die das Haus jetzt nicht mehr los wird: die Politik, die plötzlich in die Oper hinein agieren konnte und mit der Entlassung von Fontana ein jahrelang gewachsenes inneres System von Gleichgewichten zerstörte; die Gewerkschaften, die jetzt Schützengräben ausheben, um verlorene Machtpositionen wieder zu erringen; die Musiker, die den Aufstand proben, weil sie sich von ihrem Dirigenten nicht mehr angeleitet sondern unterdrückt fühlen und ihm den Fenstersturz von […]
DER ZAUBERLEHRLING
Piazzale Loreto, der Körper des Duce und Theodor Saevecke, Gestapo-Chef von Mailand Mailand (Januar 1999)- An einem gewöhnlichen Sonntag Vormittag im Januar fließt der Verkehr ruhig um die grünen Inseln des Piazzale Loreto, aus denen die Licht- und Luftschächte einer großen Metro-Station ragen. An dieser Stelle kreuzen sich zwei Linien der Mailänder Untergrundbahn, von hier kommt man ebenso schnell zum Dom und zum Stadtschloß wie zum Hauptbahnhof. Kaufhäuser, viele Banken, ein paar Bars, Zeitungskioske: die zweitklassige Architektur zeigt sich von der langweiligen Seite der fünfziger und sechziger Jahre. Riesige Leuchtreklamen auf den Dächern der hohen Bürogebäude markieren den Piazzale Loreto weit hin sichtbar als topographischen Ausdruck von Fortschrittsgläubigkeit und Konsumideologie der Nachkriegsgeneration. Das ist ein stummer Platz, der heute (fast) nichts von sich zu erzählen weiß. Und doch ist es dieser vielleicht „tragischste Platz des Landes“, auf dem die Geburtsstunde des republikanischen Italien schlug. So jedenfalls interpretiert der Historiker Sergio Luzzatto in seinem jüngsten, bei Einaudi verlegten Buch „Il corpo del duce“ (Der Körper des Duce) den Symbolgehalt des Piazzale Loreto. Ein Ort des Nichtvergessens Am 10. August 1944 wurden hier auf deutschen Befehl 15 Geiseln aus „Vergeltung“ für ein Attentat in der Mailänder Innenstadt erschossen. Bei dem Attentat war […]
