MilanLomb


Eine Neuinszenierung der Dreigroschenoper am Piccolo Teatro Mailand – Am Anfang hat Mackie Messer schon die Schlinge um den Hals. Die Inszenierung der Dreigroschenoper am Mailänder Piccolo Teatro zieht das Stück von hinten auf. Das Urteil ist gesprochen, Mackie muss hängen. Wie in einer Rückblende entwickelt sich dann die Geschichte bei einem Gerichtsprozess, den sich Regisseur Damiano Michieletto als erzählerischen Rahmen erdacht hat, in den die einzelnen Szenen und Songs mit der Musik von Kurt Weill eingebettet sind. Ort der Handlung ist ein vergitterter Gerichtssaal. Verräterischen Huren, korrupte Polizisten, verbrecherische Unternehmer sitzen, soweit sie nicht in die Handlung eingebunden sind, auf der Bank der Geschworenen. In einer Welt, die gut sein möchte, es aber nicht kann – denn „die Verhältnisse, sie sind nicht so“ – gehen die Sphären der Justiz und des Verbrechens ineinander über.

KORRUPT SIND WIR ALLE


Brecht, Strehler und das Piccolo Teatro: eine 60 Jahre lange Geschichte Mailand – Nein, ein Pferd, das passte nicht in die Neuinszenierung der Dreigroschenoper am Piccolo Teatro, die Damiano Michieletto ganz in die Gegenwart transportiert hat. Der Regisseur bleibt zwar dem Originaltext weitgehend treu, verzichtet aber auf den reitenden Boten, der die Nachricht von der Amnestie überbringt und Mackies Kopf rettet. Der Bote kommt zu Fuß mit einem Aktenkoffer voller Geld ( – siehe die Besprechung der Inszenierung „Korrupt sind wir alle“). Ein Pferd gab es noch bei der ersten Aufführung der Dreigroschenoper am Piccolo Teatro 1956 durch Giorgio Strehler. Mit dieser Inszenierung begann eine 60 Jahre lange Geschichte von Zuneigung und Misstrauen zwischen der Mailänder Bühne, Brecht und dem Suhrkamp Verlag, bei der manchmal – zumindest verbal – die Fetzen flogen.

„ALLE MEINE STÜCKE“



Bilanz der Massaker gegenüber der Zivilbevölkerung in Italien 1943/45 Mailand/Rom – Als am 8. September 1943 deutsche Truppen in Italien einmarschierten, begann eine 20 Monate andauernde Folge von Gewalttaten gegenüber der Zivilbevölkerung. Das dokumentiert zum ersten Mal systematisch ein sogenannter „Atlas der Gewalt“ (www. straginazifasciste.it), der gerade online gestellt wurde und auf Italienisch, Englisch und Deutsch konsultiert werden kann. Er erfasst alle bislang bekannten mörderische Übergriffe von Seiten der Wehrmacht, der SS wie auch von Einheiten italienischer Faschisten in ganz Italien. Erst mit der endgültigen Befreiung Italiens von deutscher Besatzung und faschistischer Herrschaft (auf dem norditalienischen Rumpfgebiet der sogenannten „Repubblica di Salò“) durch die Alliierten und die sie unterstützenden Partisanenverbände ging eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Militärgeschichte zu Ende. Symbolisch wird die Befreiung mit dem Einmarsch von Resistenza-Einheiten in das von der Wehrmacht und der SS verlassene Mailand am 25. April 1945 gleich gesetzt. Der 25. April ist heute als „Festa della Liberazione“ ein nationaler Feiertag.

EIN ATLAS DER GEWALT


Die Ausstellung „Water Projects“ in Brescia zur Vorbereitung eines neuen Projekts von Christo auf dem Lago d’Iseo   Brescia (Museo Santa Giulia bis 18.9.2016). Wasser hat in vielen Projekten der Verpackungs- und Landschaftskünstler Christo und Jeanne-Claude eine Rolle gespielt. Sie haben etwa 1969 einen Küstenstreifen bei Sydney in Australien eingepackt, oder 1983 Inseln vor Miami mit Stoffplanen umgürtet. Unter dem Titel „The Floating Piers“ soll jetzt ein Fußweg zwei Wochen lang Ende Juni/Anfang Juli über das Wasser des Lago d’Iseo hin zum Monte Isola, der größten Insel des Sees, führen. Der Lago d’Iseo liegt unterhalb der Alpen zwischen dem Lago di Como und dem Lago di Garda nordwestlich von Brescia. In Brescia ist  bereits die Ausstellung „Water Projects“ zu sehen.

ZU FUSS ÜBER DEN SEE



Die 21. Internationale Triennale Mailand unter dem (etwas schwammigen) Motto „Design after Design“ Mailand (bis 12. September). Mailand hat wieder eine richtige Triennale. Als Gegenstück zur internationalen Kunstbiennale von Venedig wurde 1923 zunächst in Monza und zehn Jahre später in der lombardischen Metropole die Triennale eingerichtet. Sie sollte alle drei Jahre unter internationaler Beteiligung Einblicke in die innovative Gestaltung von Gebrauchsgegenständen aus Industrie und Handwerk ermöglichen. „Vom Löffel bis zur Stadt“ hatte einst der Architekt und Vordenker Gio Ponti das Programm umschrieben. Bis 1996 wurden 20 Ausgaben veranstaltet. Nach einer langen Pause hat jetzt am 2. April die 21. Internationale Triennale Mailand eröffnet. Bis zum 12. September sind an verwirrend vielen Orten der Stadt 11 Haupt- und 16 Nebenausstellungen zu sehen – einige davon sogar in Monza. Erwartet werden 300 000 Besucher.

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