MilanLomb


Traditionell wird die italienische Buchmesse, der Salone del Libro, jeweils Mitte Mai in Turin veranstaltet. Nun plant der Verlegerverband ab Mitte April kommenden Jahres eine eigene Messe in Mailand abzuhalten. Turin will jedoch nicht zurückstecken. Mailand – In Italien streitet man sich um die nationale Buchmesse. Bislang gibt es eine Hauptmesse, veranstaltet von einer regionalen Kulturstiftung jeweils Mitte Mai in Turin. Neben diesem Salone del Libro organisiert der Verlegerverband jährlich Anfang Dezember eine Messe für kleinere und mittlere Verlage in Rom, die größte Veranstaltung dieser Art in Europa. Im kommenden Jahr wird eine dritte nationale Messe dazu kommen, die jetzt in Mailand unter dem Titel Tempo di Libri – „Bücherzeit“ – vorgestellt wurde. Sie wird wie die römische Veranstaltung vom Verlegerverband organisiert, der sich bei der Durchführung des Turiner Salone nicht ausreichend repräsentiert fühlt. Tempo di Libri soll das erste Mal Mitte April kommenden Jahres in Mailand nur vier Wochen vor dem Salone in Turin abgehalten werde.

MAILAND IST EINE MESSE WERT


Vor 40 Jahren – das Dioxin-Unglück von Seveso Seveso – Bei einem Unglück in einer Chemiefabrik in Norditalien wurde vor vierzig Jahren das hochgiftige Dioxin frei gesetzt. Betroffen waren Bewohner vor allem der Ortschaft Seveso und Nachbargemeinden unweit von Mailand. Ein chaotisches Krisenmanagement während der ersten Tage nach dem Unglück, als Unternehmen und Behörden die Folgen herunter spielten, verzögerte Hilfe. Schließlich mussten Hunderte von Menschen evakuiert werden. Chlorakne entstellte die Gesichter von Kindern und bis heute bleibt die Angst vor gesundheitlichen Spätfolgen. Der Vorfall, der weltweites Aufsehen erregte, führte zu einer EU-Bestimmung, die unter dem Namen „Seveso-Richtlinie“ zur Beherrschung von Gefahren bei schweren Unfällen mit gefährlichen Stoffen dienen soll.

EINE GIFTIGE WEISSLICHE WOLKE



Einleitung zu „Mailand – Eine literarische Einladung“ (*)  „Mailand, herrlich unter den Städten, wie die Rose oder die Lilie unter den Blumen, die Zeder im Libanon, der Löwe unter den Vierbeinern und der Adler unter den Vögeln.“ So jubelnd wie Bonvesin de la Riva im Jahr 1288 seine Heimatstadt beschrieb, wird es kaum ein Schriftsteller heute noch tun. Heute geht man eher auf Distanz. Aber der Gelehrte und Frate der aufmüpfigen Bruderschaft der Humiliaten fand Worte, die einen frühen Zusammenhang zwischen Stadtbeschreibung und Literatur belegen. Der Grammaticus Bonvesin de la Riva gilt als Mitbegründer des „Volgare“ einer lombardisch-venetischen Schriftsprache. Zugleich verfasste er den vermutlich ersten „Reiseführer“ Mailands, den aber auf Latein: De magnalibus urbis Mediolani.

ANSICHTEN EINER STADT


Beeindruckend: „The Floating Piers“ von Christo am Lago d’Iseo Lago d’Iseo/Brescia (18.6. bis 3.7. 2016) – Das ist schon ein merkwürdiges Gefühl. Man betritt in Sulzano am Ostufer des Lago d’Iseo den auf der Oberfläche schwimmenden Steg und geht schnurgerade auf die im See liegende Insel Monte Isola zu, die wie ein kleiner Berg aus dem Wasser ragt. Der Boden federt unter den Füßen. Und wenn Wellen kommt, übertragen sich leicht ihre Bewegungen. Sorgenvoll geht der Blick zum Himmel und zu den grauen Wolken, die vorüber ziehen. Gewitter und Platzregen hatten gerade in den vergangenen Tagen die Fertigstellung des neuesten Projektes von Christo erschwert. Doch die Arbeit an den „Floating Piers“ ist getan, dunkelgelb zeichnet sich der wie mit einem Lineal gezogene Weg der „schwimmenden Molen“ übers Wasser zur Monte Isola ab, und zu der kleinen Nachbarinsel, der Isola San Paolo.

EIN FLÜCHTIGES ERLEBNIS



Thomas Demands „ L’Image Volée“ und Edward Kienholz – zwei Ausstellungen bei der Fondazione Prada Mailand – (Fondazione Prada bis 28. August bzw. 31. Dezember) Mit zwei Ausstellungen unterstreicht die Fondazione Prada in Mailand ihren Anspruch, unterschiedliche Strömungen der Gegenwartskunst und der Moderne zu dokumentieren wie zu interpretieren. Auf eine höchst anregende Art zeigt Thomas Demand, der sich selbst als „Illusionist“ versteht, wie Künstler sich im Verlauf der jüngeren Geschichte an Modellen bestehender Arbeiten und Techniken orientierten, sie benutzten, kopierten, ausbeuteten. Unter dem Titel L’Image Volée („Das beraubte Bild“) hat er 90 Arbeiten von rund 60 Künstlern zusammengestellt.

UNSICHTBAR, BESTOHLEN, LEBENSGROSS