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Stühlerücken in der italienische Verlagswelt – wer übernimmt Bompiani? Mailand – Mit einer beeindruckenden „laizistischen“ Trauerfeier hat sich Mailand am Dienstag im Cortile della Rocchetta des Castello Sforzesco von Umberto Eco verabschiedet. Daran nahmen viele Freunde, bekannte Künstler, Intellektuelle und Politiker sowie an die Tausend Bürger Mailands teil. Die Stadt kündigte derweil an, dass die Urne mit seiner Asche im Famedio, dem Ehrenteil des Cimitero Monumentale, beigesetzt wird. Doch damit wird man nicht aufhören, über den großen Gelehrten und Literaten zu diskutierten. Und das auch in einem ganz praktischen Sinn.

UMBERTO ECO UND DAS KARTELLAMT


Zum Tod von Umberto Eco Mailand – Er war ein Philosoph und verschlang Comics. Leidenschaftlich diskutierte er Fragen der Zeichentheorie, und ebenso passioniert mischte er sich in Debatten über Populärkultur ein. Um diese zu verstehen, so sagte er einmal, müsse man sie lieben. Bissig kommentierte er Fragen der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung, mit Witz würzte er jede private Unterhaltung und die meisten seiner Reden. Er sammelte alte Bücher, und kurz vor seinem Tod gründete er noch einen neuen Verlag. Posthum erscheint jetzt sein letztes Buch „Pape Satàn Aleppe“. Umberto Eco ist am Abend des 19. Februars im Alter von 84 Jahren in seiner Mailänder Wohnung gestorben. Italien und die ganze kulturelle Welt trauert um einen großen Intellektuellen.

DIE LIEBE ZU LISTEN UND STREICHHOLZBRIEFEN



Gedichte von Anna Maria Carpi Mailand. Anna Maria Carpi erzählt mit ihren Gedichten einfache Geschichten, lässt Situationen lebendig werden und Orte. Man wird von ihren Beobachtungen von der ersten Zeile an gepackt: „Zwei handgeschriebene Zettel / im Einkaufswagen: / Der da ist verdreckt, sagt eine biedere Dame, / und will ihn nicht.“ Eine oberflächliche Begegnung im Supermarkt, Einkaufszettel mit Warenwünschen von „Nesquik in der Tüte“ bis zu „Scheuermittel“. Alltag blitzt auf: „ Als sähe ich in eine Küche / in einer Nebenstraße, in einer Wohnung, / das Licht vom Hof, dann den Abend, / ein ganzes fremdes Leben, / und mir wird bange.“

AUF DER SUCHE NACH EINER GEHEIMTÜR


60 Jahre nach seiner Gründung hat sich der Feltrinelli-Verlag in ein Kulturunternehmen verwandelt, das nicht nur Bücher herstellt und verkauft, sondern ebenso einen TV-Sender betreibt und sogar für gutes Essen sorgt. Mailand. Das Gebäude, das bei der Porta Volta in Mailand merkwürdig gotisch spitz 32 Meter hoch in den Himmel wächst, ruft Vergangenheit wach. Denn hier, am ehemaligen Stadttor vor dem Monumentalfriedhof der lombardischen Metropole, besaß Anfang des vergangenen Jahrhunderts eines der größten Holzunternehmen Italiens, die Feltrinelli Legnami, Lagerflächen. Der Haupterbe des Unternehmens, zu dem auch eine Bank gehörte, war Giangiacomo Feltrinelli (1926-1972). Doch der interessierte sich weniger für Industrie- und Bankgeschäfte und investierte lieber in Kultur. 1949 gründete er eine Bibliothek zur Erforschung der Arbeitergeschichte und dann 1955 einen eigenen Verlag. Die Bibliothek, die inzwischen in eine Stiftung überführt wurde (Fondazione Feltrinelli) bekommt nun nach Plänen des Züricher Architekturbüros Herzog & de Meuron einen neuen Sitz – eben an der Porta Volta auf dem alten Feltrinelli-Grundstück. In einem gewissen Sinne sei man also nach Hause zurück gekehrt, sagt Carlo Feltrinelli, – „um die Zukunft anzugehen“. Der 52jährige Sohn von Giangiacomo und Inge Feltrinelli führt heute das Unternehmen.

„BEI UNS IST IMMER WAS LOS“



Luca Ronconi inszeniert am Mailänder Piccolo Teatro Genesis und  Götterdämmerung der modernen Finanzwelt (Mailand – 2015) – Sie hießen Hayum, Mendel und Maier. Drei Söhne des Viehhändlers Löw Lehman aus Rimpar bei Würzburg. Als Hayum 1844 als erster in die Vereinigten Staaten emigrierte und die Brüder bald folgten, wurden aus ihnen Henry, Emanuel und Mayer. Sie gründeten in Montgomery (Alabama) einen Gemischtwarenhandel. „Lehman Brothers“ stand groß an der Ladenfront, ihre wichtigsten Kunden waren Baumwollfarmer.  In den 1850er-Jahren gehörte der Baumwollhandel zu den ertragreichsten Wirtschaftszweigen der USA. Die Brüder begannen, Rohwolle als Zahlungsmittel für ihre Waren zu akzeptieren und mit Baumwolle zu handeln. Sie eröffneten ein Büro in New York und Lehman Brothers wurde bald zu einem der wichtigsten Broker-Unternehmen an der New Yorker Baumwollbörse.  Daraus entwickelte sich ein Bankgeschäft, das die folgenden Generationen der Familie erfolgreich ausbauten. Die Welt der Waren löst sich in der Scheinwelt der Finanzen auf. Wie Philip, der Sohn von Emanuel sagt: „Wir benutzen Geld, um Geld zu kaufen, um Geld zu verkaufen, um Geld zu verleihen, um Geld zu wechseln.“ Lehman-Crash und globale Finanzkrise Nach dem Tod 1969 von Robert („Bobbie“), dem letzten männlichen Spross der Lehman-Familie, kam die viertgrößte Investmentbank Amerikas mit weltweit rund 30.000 Angestellten […]

DIE BALLADE VON DEN LEHMAN BROTHERS