Tifosi von Lazio Rom verhöhnten Anhänger der Roma mit Bilder von Anne Frank. Die Öffentlichkeit reagierte empört. Doch wie kann man den wachsenden Antisemitismus (nicht nur) in den Stadien stoppen? Rom – Es sollte eine Beleidigung der verhassten Fans des Lokalrivalen sein. Doch die Tifosi von Lazio Rom, die in der Südkurve des Olympiastadions der Hauptstadt, wo sich gewöhnlich die Fans der Roma versammeln, antisemitische Aufkleber hinterlassen haben, haben vor allem ihren eigenen Verein beleidigt. Nicht nur Etikette mit der Aufschrift „romanista ebreo“ konnte man lesen. Der Höhepunkt der Geschmacklosigkeit waren Fotomontagen, die eine lachende Anne Frank im rotgelben Trikot der Roma zeigte. Ein Aufschrei der Entrüstung ging durch Öffentlichkeit und Politik. Die Tageszeitung la Repubblica veröffentlichte auf ihrer Titelseite am 24. Oktober einen Artikel ihres Chefredakteurs unter der Überschrift „Siamo tutti Anna Frank“. Dazu wurde eine Fotomontage gezeigt, die die junge deutsche Jüdin (ermordet im Alter von nicht einmal 16 Jahren im KZ Bergen-Belsen) in den Trikots der bedeutendsten Mannschaften der ersten italienischen Fußballliga zeigte.
News – Kuerze
Aleida und Jan Assmann werden mit dem Balzan Preis 2017 geehrt Mailand – Der Ägyptologe und Kulturwissenschaftler Jan Assmann und seine Frau, die Anglistin und Literaturwissenschafterin Aleida Assmann, werden mit dem Premio Balzan 2017 in Fachbereich Geschichte (Kollektives Gedächtnis) ausgezeichnet. In diesem von dem Franzosen Maurice Halbwachs begründeten Bereich der Geschichts- und Gesellschaftsforschung haben die beiden Assmann die Theorie vom „kulturellen Gedächtnis“ entwickelt, nach der Traditionen, Kulte und Gebräuche, die über viele Generationen vermittelt werden, unser Zeitbewusstsein und unser Selbst- und Weltbild ebenso prägen wie die Art der Vermittlung.
KULTURELLES GEDÄCHTNIS
Italien diskutiert über die Ankündigung von Eike Schmidt, von den Uffizien an das Kunsthistorische Museum Wien zu wechseln Florenz/Mailand – Für die italienische Kulturwelt war die Ankündigung ein Schock: Der deutsche Kunsthistoriker Eike Schmidt wird die Uffizien am Ende seiner vertraglich vereinbarten Amtsperiode Ende 2019 verlassen und dann die Nachfolge von Sabine Haag bei der Leitung des Kunsthistorischen Museums Wien antreten. Das sei kein gutes Zeichen, kommentierte der Architekt und ehemalige Kulturpolitiker Stefano Boeri. Man habe den Eindruck, Schmidt habe die Uffizien nur als Sprungbrett für einen Karrieresprung genutzt.
„WIE AUF EINEM MARKT FÜR FUSSBALLER“
Das bedeutendste Kunstmuseum Italiens revolutioniert die Eintrittspreise Florenz/Mailand – Unter den großen europäischen Museen kann man die Uffizien bislang zum Schnäppchenpreis besichtigen. Zwischen 17 und 20 Euro kosten die Tickets fürs Louvre (Paris), den Prado (Madrid), das Belvedere (Wien) oder das Rijksmuseum (Amsterdam) – die Uffizien, Italiens bedeutendstes Kunstmuseum (2,9 Besucher im Jahr 2016) gibt sich bislang mit 8 Euro (plus 4 Euro Gebühr bei Vorbuchung) zufrieden. Einen Aufpreis (zusätzlich 4,50 Euro) wird nur bei Sonderausstellungen wie gerade bei der über Sangallo verlangt. Doch das wird sich bald ändern.
SCHNELL NOCH IN DIE UFFIZIEN
Italien und das Wasser: ein Lebensmittel und Kulturgut, um das gekämpft wird. Mailand/Rom – Es ist heiß in Italien, über 40 Grad sind die Temperaturen in den ersten Augusttagen gesteigen. Fehlender Regen und diese lang andauernde Hitzewelle wie seit hundert Jahren nicht mehr haben das Land ausgetrocknet. Wald- und Buschbrände nehmen zu und das Wasser wird knapp. In Rom läuten alle Alarmglocken, obgleich man hier seit der Antike über ein weitverzweigtes Netz zur Versorgung der rund 3,8 Millionen Einwohner in und um die Hauptstadt verfügt. Doch seit Jahrzehnten ist kaum etwas getan worden, um die 5.400 Kilometer Leitungen im Stadtgebiet zu erneuern. Über 44 Prozent des eingespeisten Wassers geht unterwegs verloren – im Landesdurchschnitt sind das 38 Prozent, in Mailand sogar nur 16 Prozent. Umgekehrt sind die Römer Landesmeister im Wasserverbrauch: durchschnittlich 300 Liter pro Kopf und Tag gegenüber 245 Liter im restlichen Italien.
