Weltliteratur zwischen Schwarzen Löchern: Das faszinierende Universum der Balzan Preisträger im Jahr 2023 Mailand – Es ist immer wieder erstaunlich, wie es dem Balzan Preis gelingt, das breite und stetig wachsende Feld der Human- wie der Naturwissenschaften im Blick zu behalten. Und gleichzeitig punktuell herausragende Forschungen zu prämieren. So stehen sich zum Beispiel in diesem Jahr der US-Amerikaner David Damrosch und der Deutsche Heino Falcke gegenüber. Der Literaturhistoriker Damrosch wird u.a. nach den Worten der Jury für „seinen kreativen Ansatz“ ausgezeichnet, „Weltliteratur als transnationale Zirkulation von Werken zu verstehen“ . Der Radioastronom Falcke für seine „grundlegenden Forschungsarbeiten, die es ermöglicht haben, die Umgebung eines Schwarzen Lochs mit hoher Präzision darzustellen“. Ein faszinierender Spannungsbogen, der sich zwischen den beiden anderen Preisträgern dem Anthropologen Jean-Jacques Hublin (Frankreich) und dem Biologen Eske Willerslev (Dänemark) innerhalb desselben Oberthemas „menschlichen Evolution“ bewegt und Interdisziplinarität fördert. Außerdem wurde in diesem Jahr auch der Sonderpreis für Freiheit, Frieden und Brüderlichkeit unter den Völkern verliehen und der italienischen Stiftung Francesca Rava zugesprochen, die sich für Kinder in Lateinamerika zur Bekämpfung von Bildungs- und Nahrungsnot einsetzt.
Fotografie
50 Jahre Deutsches Studienzentrum in Venedig und das grenzüberschreitende Denken Mailand/Venedig – Mit einer Feierstunde in der Sala del Capitolo der Scuola Grande di San Rocco hat das Deutsche Studienzentrum Venedig (DSZV) sein 50-jähriges Bestehen begangen. Die Herausforderungen der Gegenwart, wie sie sich auch dramatisch in der globalen Klimakrise entwickeln und durch die Pandemie noch lesbarer geworden sind, können nur durch grenzüberschreitendes Verstehen und Forschen gemeistert werden. Ein Denker wie Wolfgang Welsch, der seit Langem transdisziplinäre (und transkulturelle) Ansätze verfolgt, unterstrich in einem plauderhaften und zugleich differenzierten Festvortrag die Notwendigkeit, über die Grenzen des jeweils eigenen Fachgebiets immer wieder Brücken zu anderen Disziplinen zu schlagen. Was gerade das Studienzentrum vorlebt, indem es Stipendiatinnen und Stipendiaten verschiedener wissenschaftlicher, aber auch künstlerischer Arbeitsbereiche Möglichkeiten gibt, in der Lagunenstadt eigene Projekte im Austausch mit anderen zu verfolgen und zu verwirklichen.
BRÜCKEN DER WISSENSCHAFTEN UND DER KÜNSTE
Fotoarbeiten der Fondazione MAST in Bologna erzählen Geschichten aus der Arbeitswelt vom Ende des 19. Jahrhunderts bis heute Bologna (Mast bis 22.5.) – Die Stiftung MAST präsentiert in Bologna eine außergewöhnliche Auswahl von über 500 Fotografien, Fotoalben und Videos von rund 200 Autorinnen und Autoren aus ihrer eigenen Sammlung. Ikonische Fotografien von weltberühmten Autoren wie Man Ray oder Herbert List, Dorothea Lange oder Gabriele Basilico, aber auch Arbeiten weniger bekannter oder unbekannter Fotografen und Künstler erzählen von der Welt der Arbeit vom Ende des 19. Jahrhunderts bis heute. Die Ausstellung, die Urs Stahel (Universität Zürich) kuratiert hat, schlängelt sich die Form eines Alphabets an den Wänden der drei Ausstellungsräume entlang und reicht mit 53 Kapiteln von A wie „Abandoned“ bis W wie „Waste“, „Water“ und „Wealth“.
DER MENSCH IM MITTELPUNKT
Von Ausstellungen bis zu Büchern – das Land feiert den Dichterfürsten Dante Alighieri 700 Jahre nach seinem Tod mit einem vollgestopften Programm, das aber wegen der Covid-Pandemie nur etwas mühsam anrollt – ein Überblick (und ein deutsch-italienischer Streit) Mailand – Vor 700 Jahren, in der Nacht vom 13. auf den 14. September 1321, starb der 56jährige Dante Alighieri in Ravenna vermutlich an den Folgen einer Malaria. Dutzende von Ausstellungen, Aufführungen, Lesungen, Tagungen und weiteren Veranstaltungen sowie Veröffentlichungen stehen in diesem Jahr im Zeichen des Gedenktages. Hinzu kommt der Dantedì, der jährliche Dantetag, den das Kulturministerium für den 25. März eingerichtet hat, der jetzt zum zweiten Mal gefeiert wird. „Vater der italienischen Identität“ nennt der Corriere della Sera den „sommo poeta“. Und die Zeitschrift Giornale dell’Arte widmet einem Artikel über den Veranstaltungsreigen zum 700. Todestag die Schlagzeile: „L’iDantità italiana“.
ITALIEN UND DIE „IDANTITÄT“
Die Fotografin Letizia Battaglia im Feuer der sozialen Medien wegen Aufnahmen einer Werbekampagne für Luxusautos mit Mädchen. Auch Bürgermeister Orlando geht auf Distanz. Jetzt tritt sie als Leiterin des Zentrums für Fotografie von Palermo zurück Mailand/Palermo – Letizia Battaglia gibt die Leitung des von ihr 2017 mitbegründeten Centro Internazionale di Fotografia in Palermo auf. Hintergrund sind die Diskussionen über ihre Fotos einer Werbekampagne für Lamborghini (- hier der Bericht auf artribune.com). Der Autohersteller hatte im Rahmen des Projektes With Italy, For Italy 21 Künstler beauftragt, die Schönheiten des Landes im Zusammenhang mit verschiedenen Lamborghini Fahrzeugen abzubilden. Die Fotos von Letizia Battaglia, die Mädchen und Jugendliche aus Palermo in den Zusammenhang mit den Autos stellen, haben in den sozialen Medien teilweise üble Polemiken ausgelöst. Auf die reagierte sie jetzt mit dem Abschied vom Zentrum für Fotografie.
