Kulturpolitik


In Italien werden mit Kulturfinanzierungen nach der Lockdown Krise Mittel für „Großprojekte der Kulturgüter“ wie die Loggia Isozaki in Florenz freigegeben.  Mailand/Rom – Klappt es jetzt? Im schönen, stolzen Florenz denkt man nun schon seit über 20 Jahren darüber nach, ob auf der Rückseite der Uffizien ein zweiter Zugang gebaut werden soll oder nicht. Arata Isozakis Entwurf (in Zusammenarbeit mit Andrea Maffei Architects) einer hohen Loggia hatte sich 1998 bei einer internationalen Ausschreibung durchgesetzt. Mit toskanischem Sandstein verkleidete Stahlträger würden dabei ein transparentes Oberlicht tragen. Gegenwart (im Entwurf) und Tradition (im Material) geben sich bei Isozaki die Hand. Im Jahr 2001 kam es zu einem ersten Vertrag zwischen dem japanischen Architekten und der Stadt bzw. dem italienischen Kulturministerium. Doch dann begannen immer mehr Stimmen sich gegen den „modernistischen Eingriff“ in das Stadtbild von Florenz zu wehren. Archäologische Ausgraben verzögerten das Projekt und schließlich erklärte die Denkmalschutzbehörde, es habe sowieso keinen Vorrang – das umstrittene Projekt blieb lange in der Schublade.

AUS DER SCHUBLADE GEHOLT


Eine Ausstellung in Nuoro untersucht die kulturellen Beziehungen zwischen Sardinien und dem Piemont, nachdem die Insel vor 300 Jahren an des Turiner Herzogtum angegliedert wurde. Nuoro – Sardinien und Piemont verbindet eine 300jährige Geschichte. Im Jahr 1720 war das damalige Königreich Sardinien den Verträgen von London und Den Haag nach dem Herzogtum Savoyen zugesprochen worden – und hatte damit den Herzog in Turin zu einem König gemacht. Die neuen Herren kümmerte sich jedoch – abgesehen von den Jahren ihres Exils in Cagliari während der napoleonischen Dominanz in Italien – wenig um die Insel. Noch heute werden die Savoyer dort in vielen Veröffentlichungen verächtlich als „Kolonialherrscher“ bezeichnet. Die Ausstellung in Nuoro Il regno segreto. Sardegna-Piemonte: una visione postcoloniale versucht dagegen die Beziehungen, den Austausch und das gegenseitige Durchdringen im kulturellen Bereich mit persönlichen Erfahrungen, Objekten und Ideen bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts zu beschreiben.

EDINAS GESCHICHTE



Massimo Osanna hatte Pompeji reformiert, jetzt soll er im italienischen Kulturministeriums die staatlichen Museen in Schwung bringen Mailand/Rom – „Artpride“ titelte das Giornale dell’Arte, die wichtigste italienische Kunstzeitung, in seiner jüngsten Ausgabe eine Untersuchung über die Strategien der Museen nach dem Lockdown in diesem Frühjahr und einer vorsichtigen Öffnung der Einrichtungen jetzt im Sommer. Überall spürt man eine gleichsam trotzige Aufbruchsstimmung. Die Verantwortlichen suchen nach Innovationen, formulieren Ideen, setzen erste Schritte um. In diesem spannenden Augenblick gibt auch das Kulturministerium ein Signal. Neuer Generaldirektor der Abteilung für staatliche Museen wird der Archäologe Massimo Osanna. Er ersetzt ab dem 1. September den Juristen Antonio Lampis, der auf eine weitere Amtszeit verzichtet hat.

DER MACHER


Eine Farbanschlag auf das Denkmal für Indro Montanelli in einem Mailänder Stadtpark erinnert Italien an seine koloniale Vergangenheit Mailand – Der Kampf um Statuen im Zusammenhang mit antirassistischen Protesten hat auch Italien erreicht. In Mailand wurde am Sonnabend (13. Juni) Abend das Denkmal für Indro Montanelli (1909-2001) in den Giardini Pubblici mit roter Farbe übergossen. Auf dem Sockel wurde der angesehene Journalist als „razzista“ und „stupratore“ angeklagt. Zur Tat bekannte sich das linke studentische Aktionsnetz „Rete Studenti e Lu.Me (Laboratorio universitario MEtropolitano), das auch ein Video des Einsatzes ins Netz stellte. Bereits vor einigen Tagen hatte die Bewegung der „Sentinelli di Milano“, die sich als „laici e antifascisti“ bezeichnen, in einem Brief Mailands Bürgermeister aufgefordert, das Denkmal für den Journalisten zu entfernen, weil Montanelli während des Abessinienkrieges 1936 „ein zwölfjähriges, eritreisches Mädchen gekauft“ und geheiratet habe, um ihm „als Sexsklavin zu dienen“. Im vergangenen Jahr hatte eine feministische Gruppe mit ähnlicher Begründung das Denkmal am 8. März mit rosa Farbe bespritzt.

DESTA’ UND DAS MADAMATO



Zum Tod von Klaus Wolbert, Kunsthistoriker und Förderer junger italienischer Gegenwartskünstler. Ein vielseitig interessierter Intellektueller, der Musik liebte und das Politische in der Kunst erforschte Mailand – Durch den Tod von Klaus Wolbert, Kunsthistoriker, unermüdlicher Förderer von jungen Künstlern und zuletzt Präsident der angesehenen Stiftung VAF, verliert der italienisch-deutsche Kulturaustausch eine prägende Persönlichkeit. Geboren am 25. März 1940 in Aschaffenburg, studierte der gelernte Schriftsetzer zunächst Malerei (Frankfurt) und angewandte Grafik (Offenbach). Nach Tätigkeiten u.a. bei Werbeagenturen und beim Hessischen Landesmuseum Darmstadt erwarb er auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur und schloss ein Studium der Kunstgeschichte, Philosophie und Kulturanthropologie 1980 mit der Promotion über politische und ästhetische Aspekte der figurativen NS-Plastik ab. Ein Thema, das ihn sein Leben lang begleitet hat und schließlich 2018 in der großartigen Veröffentlichung Dogmatische Körper – Perfide Schönheitsdiktate (Metropol Verlag) gipfelte. Die Arbeit wurde auch ins Italienische übersetzt (Allemandi) und hoch gelobt.

EIN BRÜCKENBAUER