Musik


Erinnerung an Esther Béjarano, die im Juli 2021 in Hamburg im Alter 96 Jahren gestorben ist. Die jüdische Musikerin hatte 2013 in Turin ihre (nur auf Italienisch herausgegeben) Erinnerungen vorgestellt. Ein Beitrag in der Südddeutschen Zeitung vom 26. Januar 2013  Mailand/ Turin (2013) Die Vorstellung im Auditorium des Turiner Polytechnikums war längst zu Ende, da holte Gianni Coscia im Foyer für einen Fotografen noch einmal sein Akkordeon aus dem Koffer. Der 82jährige Jurist und Jazzmusiker improvisierte ein paar Takte und als Esther Béjarano hinzutrat, begann er das Lied „Bel Ami“ aus dem Willi-Forst-Film von 1939 zu spielen. Die 88jährige Sängerin nahm sogleich die Melodie auf: „Du hast Glück bei den Frau’n, Bel Ami…“ Und denen, die dabei standen, lief ein Schauer über den Rücken. Denn „Bel Ami“ war ihre Prüfungsaufgabe für die Aufnahme in das Frauenorchester von Auschwitz gewesen. Die damals neunzehnjährige Esther Loewy stammte aus einer musikbesessenen Familie. Ihr Vater hatte als Kantor verschiedener jüdischer Gemeinden unter anderem in Saarbrücken und Ulm gearbeitet, wo Esther das Klavierspielen lernte. Als die Rassenverfolgungen begannen, konnten sich zwei ältere Geschwister gerade noch rechtzeitig ins Ausland absetzen. Die Familie wurde auseinander gerissen, die Eltern nach Litauen verschleppt und dort bereits 1941 von den […]

VOM ORCHESTER IN AUSCHWITZ BIS ZUM RAP


Mit einem Konzert von Riccardo Muti ist in Venedig das Gran Teatro la Fenice als neues Theater mit altem Anstrich eingeweiht worden Mailand/Venedig (16.12.2003) – Das tut gut: endlich wieder auf diese strahlend weiße Fassade zugehen und eintreten zu können in das lichterglänzende Foyer unter den apollinischen Sälen. Stimmen zu hören, die nicht von Baugeräuschen übertönt werden, sondern von Musikern, die ihre Instrumente einspielen. Die Aura eines 212 Jahre alten Theaters zu erleben, das zugleich ganz neu ist – so wie jedes Musikstück immer wieder neu hervorgebracht werden will. Und wie man über die Interpretation einer Partitur streiten kann, so wird jetzt über die Arbeit diskutiert, mit der Architekten, Künstler und Handwerker das Gran Teatro la Fenice wieder aufgebaut haben, das Ende Januar 1996 bei einem Brand fast vollständig zerstört worden war.

KOMMT ZEIT, KOMMT PATINA