Alexander Pereira verlässt die Mailänder Scala und wird Intendant des Maggio Musicale von Florenz Mailand – Das konnte er nicht auf sich sitzen lassen. Als Intendant Alexander Pereira nach dem etwas verunglückten Versuch, mit Geldern aus Saudi Arabien die Kassen der Scala aufzubessern, im Frühjahr in Verhandlungen um Verlängerung seines Vertrages am Mailänder Opernhaus ging, hätten sie den Österreicher beinahe vom Hof gejagt. Der Vertrag wäre im Februar 2020 ausgelaufen, aber mehr als eine Verlängerung um ein Jahr war nicht drin. Wobei er die Leitung im letzten Jahr bereits mit seinem Nachfolger, dem Franzosen Dominique Meyer, hätte teilen sollte. Der wird von der Staatsoper Wien an das Teatro alla Scala wechseln. Alexander Pereira wäre gern noch mindestens zwei volle Jahre allein in Amt und Würden in Mailand bis 2022 geblieben, wenn ebenso der Vertrag mit Riccardo Chailly als musikalischer Leiter der Scala auslaufen wird. Doch es blieb nur der Abschied gleichsam auf Raten.
Musik
Das 40. Rossini Opera Festival in Pesaro überzeugt mit einer Inszenierung der „Semiramide“, der letzten „italienischen“ Oper des Komponisten Pesaro – Die innere Logik des Rossini Opera Festivals (ROF) beruht auf einer einfachen Formel: Das Festival führt die Werke von Gioachino Rossini (1792 – 1868) nach der von der Fondazione Rossini erarbeiteten kritischen Werkausgabe integral auf. Der grösstmöglichsten musikalischen Treue steht eine weitgehende Freiheit in der Interpretation durch Regie und Bühnenbild gegenüber. Diese Dialektik garantiert dem Festival auch 40 Jahre nach seiner Gründung eine Frische, die sich in diesem Jahr mit der Aufführung der „Semiramide“ wieder einmal einstellte.
in der Oper: Semiramide
Die Inszenierung an der Mailänder Scala überzeugt musikalisch unter Dirigent Michele Mariotti. Der Regisseur David McVicar kämpft dagegen mit dem Libretto – und scheitert. Mailand (Teatro alla Scala bis 7.Juli) – Unter den Verdi-Opern gehören „I masnadieri“, die der „Schwan von Busseto“ mit nur 34 Jahren komponierte, zu den weniger bekannten. Nach der Premiere 1847 in London, die Verdi selbst dirigierte, wurden das Werk nur drei Mal auf der Scala aufgerührt, zuletzt 1978 unter der musikalischen Leitung eines damals 25jährigen Riccardo Chailly, heute musikalischer Leiter der Mailänder Oper. Das hat auch mit dem missglückten Libretto von Andrea Maffei zu tun, der Friedrich Schillers Drama „Die Räuber“ verhunzte. In Mailand kamen „I Masnadieri“ jetzt unter der musikalischen Leitung von Michele Mariotti und der Regie des Briten David McVicar neu heraus.
in der Oper: I masnadieri
Mahmood, in der Mailänder Peripherie aufgewachsen, gewinnt überraschend mit dem Song „Soldi“ das 69. Festival von Sanremo – und löst Polemiken aus Sanremo/Mailand – Hast Du Töne? Als in der Nacht zu Sonntag (11. Februar) Altstar Claudio Baglioni den Sieger des diesjährigen Songfestivals Sanremo bekannt gab, zeigte der Glückliche sich überrascht – Mahmood, ein Kind der multikulturellen Mailänder Szene, hatte sich wider Erwarten gegen den favorisierten Römer Ultimo durchgesetzt. Während auf der politischen Bühne sich das von populistischen Strömungen getragene kleinbürgerliche Italien von seiner bedenklichen Seite zeigt, kommt in Sanremo ein anderes Italien – jung, nachdenklich, multikulturell – in den Blick.
JUNG, NACHDENKLICH, MULTIKULTURELL
Erinnerung an Esther Béjarano, die im Juli 2021 in Hamburg im Alter 96 Jahren gestorben ist. Die jüdische Musikerin hatte 2013 in Turin ihre (nur auf Italienisch herausgegeben) Erinnerungen vorgestellt. Ein Beitrag in der Südddeutschen Zeitung vom 26. Januar 2013 Mailand/ Turin (2013) Die Vorstellung im Auditorium des Turiner Polytechnikums war längst zu Ende, da holte Gianni Coscia im Foyer für einen Fotografen noch einmal sein Akkordeon aus dem Koffer. Der 82jährige Jurist und Jazzmusiker improvisierte ein paar Takte und als Esther Béjarano hinzutrat, begann er das Lied „Bel Ami“ aus dem Willi-Forst-Film von 1939 zu spielen. Die 88jährige Sängerin nahm sogleich die Melodie auf: „Du hast Glück bei den Frau’n, Bel Ami…“ Und denen, die dabei standen, lief ein Schauer über den Rücken. Denn „Bel Ami“ war ihre Prüfungsaufgabe für die Aufnahme in das Frauenorchester von Auschwitz gewesen. Die damals neunzehnjährige Esther Loewy stammte aus einer musikbesessenen Familie. Ihr Vater hatte als Kantor verschiedener jüdischer Gemeinden unter anderem in Saarbrücken und Ulm gearbeitet, wo Esther das Klavierspielen lernte. Als die Rassenverfolgungen begannen, konnten sich zwei ältere Geschwister gerade noch rechtzeitig ins Ausland absetzen. Die Familie wurde auseinander gerissen, die Eltern nach Litauen verschleppt und dort bereits 1941 von den […]
