Die italienische Gesundheitsfürsorge hat sich von einem Modell zu einem Problem entwickelt. Das belegen die Buchveröffentlichung „Codice Rosso“ (Fuori Scena) oder aktuelle wissenschaftliche Analysen (Censis/Italiadecide) Mailand – Das italienische Gesundheitssystem, das auf der öffentlichen medizinischen Versorgung durch den Servizio sanitario nazionale (Ssn) beruht, ist in eine Krise geraten. Nach der Einführung 1978 galt der Ssn als eines der besten Systeme zur Gesundheitsfürsorge in der westlichen Welt. Nun zeigt es Risse. Eine gemeinsame Untersuchung der Forschungsinstitute Censis und Italiadecide macht dafür die Kluft zwischen steigender Nachfrage bei zunehmender Alterung der Bevölkerung und einer Verringerung des Serviceangebots durch Mangel an medizinischem Personal und eine Unterfinanzierung des Ssn durch die öffentliche Hand verantwortlich. Das Sachbuch „Codice Rosso“ von Milena Gabanelli und Simona Ravizza, das sich seit Wochen in den die Bestsellerlisten hält, beklagt zudem, dass das öffentliche Gesundheitssystem ein Privatgeschäft geworden sei. (So gleich im Untertitel: „Come la sanità pubblica è diventata un affare privato.“)
Wirtschaft
Ein Manifest, das die Rolle der Natur als Triebkraft für wirtschaftliches Wachstum durch Steigerung von Biodiversität unterstreicht. Als Initiatoren rufen Porsche Consulting und das Beratungsunternehmen LAND Privatuntermnehmen zum Handeln auf und stellen die Bedeutung gemeinschaftlichen Handelns zur Förderung von Vielfalt heraus Mailand – Etwa 70 Prozent aller Pflanzen gilt als gefährdet. Biologen befürchten, dass gerade im Prozess der zunehmenden Verstädterung bis 2030 jede fünfte bekannte Art aussterben könnte und damit ebenso tierisches Leben dramatisch abnimmt. Den katastrophalen Rückgang von Vielfalt in der Natur will das Konzept der „Nature-Positive Cities“ nicht nur zum Stillstand (Netto Null) bringen, sondern nach und nach durch Steigerung von Biodiversität in urbanen Räumen „naturpositiv“ gleichsam umdrehen. So will man mit ökologischen Mitteln dem Klimawandel begegnen. Zur aktiven Förderung von nachhaltigem ökonomischen Wachstum und der natürlichen Gestaltung urbaner Räume ruft jetzt das „Nature-Factory Manifesto“ auf, in dem sich zwei in ihren Feldern führende Akteure zusammen gefunden haben: Porsche Consulting, die Managementberatung der renommierten Automobilmarke, und LAND, ein internationales Unternehmen für Landschaftsberatung. Das „Manifesto“ (hier zum Text) wurde Ende Januar auf dem World Economic Forum 2025 vorgestellt.
UNTERNEHMEN ZU AGENTEN MACHEN
Giuseppe Mazza und sein Buch „Campagne di guerra“ – die informative und breit dokumentierte italienische Untersuchung über Krieg und Kommunikation und über PR in militärischen Konflikten wäre eine Übersetzung ins Deutsche wert Mailand – Krieg setzt das Denken außer Kraft, vor allem das selbstkritische Denken. An seine Stelle tritt die Propaganda. Sie wird zu einer Waffe, die im Kampf mit dem Gegner, aber auch an der Heimatfront eingesetzt und von den PR-Medien transportiert wird. In dem Buch „Campagne di guerra. 150 anni di comunicazione, pubblicità, propaganda” („Kriegs-Kampagnen. 150 Jahre Kommunikation, Werbung, Propaganda“) spricht der Autor Giuseppe Mazza den PR-Medien zwar grundsätzlich ein demokratisches Potenzial zu, das aber von seinem „tragischen Gebrauch“ zu unterscheiden sei. Und um diesen tragischen Gebrauch geht es ihm in seinem durch u. a. Flugblätter, Plakate, Inserate, Fotografien breit dokumentierten Essay bei einer gelungenen Mischung aus leidenschaftlichen Erzählung und kühler Analyse.
EIN REGEN VON FLUGBLÄTTERN
50 Jahre Premio Nonino: Mit dem angesehenen Kulturpreis werden in diesem Jahr Michael Krüger sowie Germaine Acogny, Dominique de Villepin und Ben Little geehrt Mailand/Ronchi di Percoto (UD) – Der Premio Nonino, der regionale Weinkultur mit internationaler Kultur und Wissenschaft verbindet, feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Mit dem „Premio Internazionale Nonino 2025“ wird jetzt der Münchener Schriftsteller Michael Krüger für sein Gesamtwerk ausgezeichnet. In weitere Sparten des Nonino-Kulturpreises werden die Choreografin Germaine Acogny (Senegal), der Politologe und Essayist Dominique de Villepin (Frankreich) sowie der Weinproduzent Ben Little (Irland aber im Friaul beheimatet) geehrt. Die Auszeichnungen, die mit 10.000 Euro dotiert sind, werden am 25. Januar 2025 bei einer Festveranstaltung in der 1897 gegründeten Destillerie Nonino in Ronchi di Percoto bei Udine übergeben. Die Preisverleihung ist dem im Juli 2024 im Alter von 90 Jahren verstorbenen Winzer Benito Nonino, dem „Vater der italienischen Grappa“ gewidmet. Der hat, so die Londoner Times, „mit seinem Familienunternehmen den armen Verwandten des Weins in ein edles Getränk verwandelt“.
EINE KULTURLEISTUNG
Unterwegs zwischen den Jahren in „bald fröhlicher bald nachdenklicher Weise“. Zeit für Lektüre, für Rück- und Ausblicke, für verschreckte Blicke in die „Gesichter der Hausenden“ und für Hoffnungen auf die „Freiheit der Vernunft“ Mailand – Verlegte Zeitungsausschnitte tauchen auf, Bücher werden am Teetisch durchgeblättert. Gedanken entfalten sich, ohne gleich nach Umsetzung zu rufen, sie lassen sich breiter streuen, vergehen wieder. Erinnerungen an alte Texte werden wach. „Wer nur einigermaßen zur Freiheit der Vernunft gekommen ist, kann sich auf Erden nicht anders fühlen, denn als Wanderer.“ Friedrich Nietzsche in „Menschliches, Allzumenschliches“ war so ein Wanderer. Man liest bei ihm (Band 1, Aphorismus 638), dass einer, der mit offenen Augen in der Welt unterwegs sei und dabei das Ganze im Blick habe, „sein Herz nicht allzu fest an alles Einzelne anhängen“ dürfe. Es müsse in ihm selber „etwas Wanderndes sein, das seine Freude an dem Wechsel und der Vergänglichkeit habe.“
