Luca Ronconi inszeniert am Mailänder Piccolo Teatro Genesis und Götterdämmerung der modernen Finanzwelt (Mailand – 2015) – Sie hießen Hayum, Mendel und Maier. Drei Söhne des Viehhändlers Löw Lehman aus Rimpar bei Würzburg. Als Hayum 1844 als erster in die Vereinigten Staaten emigrierte und die Brüder bald folgten, wurden aus ihnen Henry, Emanuel und Mayer. Sie gründeten in Montgomery (Alabama) einen Gemischtwarenhandel. „Lehman Brothers“ stand groß an der Ladenfront, ihre wichtigsten Kunden waren Baumwollfarmer. In den 1850er-Jahren gehörte der Baumwollhandel zu den ertragreichsten Wirtschaftszweigen der USA. Die Brüder begannen, Rohwolle als Zahlungsmittel für ihre Waren zu akzeptieren und mit Baumwolle zu handeln. Sie eröffneten ein Büro in New York und Lehman Brothers wurde bald zu einem der wichtigsten Broker-Unternehmen an der New Yorker Baumwollbörse. Daraus entwickelte sich ein Bankgeschäft, das die folgenden Generationen der Familie erfolgreich ausbauten. Die Welt der Waren löst sich in der Scheinwelt der Finanzen auf. Wie Philip, der Sohn von Emanuel sagt: „Wir benutzen Geld, um Geld zu kaufen, um Geld zu verkaufen, um Geld zu verleihen, um Geld zu wechseln.“ Lehman-Crash und globale Finanzkrise Nach dem Tod 1969 von Robert („Bobbie“), dem letzten männlichen Spross der Lehman-Familie, kam die viertgrößte Investmentbank Amerikas mit weltweit rund 30.000 Angestellten […]
Wirtschaft
Zu Besuch in Paderno Dugnano im Weichbild Mailand, wo der FIFA World Cup herstellt wurde und wo man ihn öfter restaurieren muss Mailand (Juli 2014) – Das Objekt der Begierde stammt aus Italien, aus Mailand, der Welthauptstadt des Designs. Es ist innen hohl, 36,8 Zentimeter hoch und wiegt 6,1 Kilogramm, davon sind rund 5,5 Kilo 18karätiges Gold. An der Basis, wo es von zwei grünen Malachit-Ringen geziert wird, hat es einen Durchmesser von 13 Zentimetern. Seit 1974 tut es seinen Dienst. Der Vorgänger, der Jules-Rimet-Pokal, war den FIFA-Statuten nach vier Jahre zuvor ganz in den Besitz des brasilianischen Fußballverbandes gekommen, nachdem die Celeção zum dritten Mal den Titel gewonnen hatte. Franz Beckenbauer durfte dann als erster Spieler der Welt in München am 7. Juli 1974 nach dem gewonnenen Endspiel gegen die Niederlande Hand an die neue Trophäe legen. Auch das Regelwerk wurde geändert. Der neue WM-Pokal sollte solange im Rennen bleiben, bis sich Platz fand, den Namen des Gewinnerlandes auf die Basis und die Unterseite zu gravieren – mindestens bis zum Jahr 2038. Wer ihn am 13. Juli nach gewonnenem Spiel in Rios versmogten Himmel reckt, hat einen Materialwert von rund 160 000 Euro in der Hand. Doch das wird den […]
EIN POKAL, AUS DEM MAN NICHT TRINKEN KANN
Ein Vespa-Museum in Pontedera bei Pisa eröffnet. Mailand (2000) – Die Hauptdarstellerin ist weiblich und läuft, wenn man Gas gibt, auf zwei Rädern – die Vespa. Ihre Name bedeutet auf Deutsch „Wespe“, und so sticht sie vierrädrige Konkurrentinnen elegant tailleschwingend aus. Denn die „Vespa“ summt ziemlich laut – man könnte es auch knattern nennen – durch die frustriert stehend Autoreihen, überholt mal links, mal rechts, bis sie vor jeder roten Ampel in der Pole-Position steht. Die Italienerin ohne Parkplatzprobleme ist mit weltweit 16 Millionen Exemplaren der Star des Alltags, inzwischen über 50 Jahre jung, und längst ein Mythos der motorisierten Freiheit geworden.
