Ausstellungen-Kuerze


Arbeiten des von Goethe bewunderten Malers Guercino aus dem Frühbarock sind im Dom und im Palazzo Farnese von Piacenza zu sehen. Piacenza (bis 4.6.2017) – Im Jahr 1626 kam Giovanni Francesco Barbieri, den die Kunstgeschichte wegen eines Augenfehlers „il Guercino“ („den Schieler“) nennt, nach Piacenza. Im Dom der Residenzstadt der Farnese sollte er die kaum begonnen Arbeiten an der Kuppel vollenden, die der frühe Tod eines Vorgängers (Morazzone) unvollendet gelassen hatte. Ein Jahr später war das Werk abgeschlossen. Eine neue Lichtinstallation hat jetzt die farben- und formenprächtigen Fresken der Kuppel, die lange im Dunkel geblieben waren, zu neuem Leben erweckt. Aus Anlass der Einweihung ist zudem in der Capella Ducale des Palazzo Farnese eine Ausstellung mit Arbeiten von Guercino zu sehen. Rund 20 Exponate, die einen kleinen Überblick über sein gesamtes Schaffen geben wollen.

„EINE MORALISCHE GRAZIE“


„Monumenti antichi inediti“ – Die Illustrationen von Winckelmanns einziger Veröffentlichung in italienischer Sprache im Museum m.a.x. von Chiasso Chiasso (m.a.x. museo bis 7.5.2017) – Im Jahr, in dem der 300. Geburtstag von Johann Joachim Winckelmann (Stendal 9.12.1717) gefeiert wird, gibt es eine Reihe von Ausstellungen, die mit seinem Leben oder seinem Werk in Verbindung stehen. Veranstaltet werden sie in Orten wie Weimar oder Rom, Wörlitz oder Neapel, Wien oder Kopenhagen. Aber ausgerechnet Chiasso, die Schweizer Grenzstadt nach Italien, die man weder mit der Person Winckelmanns noch mit der Geschichte des Neoklassizismus in Verbindung bringen kann, macht den Auftakt. Hier wird sein einziges Druckwerk in italienischer Sprache, die Monumenti antichi inediti von 1767 gleichsam wiederentdeckt. Zu sehen sind alle 208 Grafiken der Veröffentlichung, dazu kommen 20 Kupferdruckplatten, Probedrucke, Gemälde, Bücher und andere Objekte.

Antike Schönheiten



Mailand: wie es im Krieg zerstört und danach wieder aufgebaut wurde. Eine Ausstellung im Palazzo Morando erzählt die Geschichte einer Wiedergeburt Mailand (bis 12.2.2017) – Im Sommer 1943 flogen die Alliierten mehrere Bombenangriffe auf Mailand. Seit den Zeiten von Barbarossa hatte die Stadt keine solche Zerstörungswut mehr erlebt. Zwischen Scala, Galleria und Castello zog sich eine Trümmerlandschaft hin. Nur durch ein Wunder blieb Leonardos Abendmahl erhalten. Über die Hälfte der Gebäude der Innenstadt wurden zerstört oder schwer beschädigt. Es gab mehrere Tausend Tote. Eine Bombe traf auch die Crispi-Schule im Stadtteil Gorla, wobei 184 Kinder ums Leben kamen. Salvatore Quasimodo schrieb den Vers: „Vergeblich suchst du im Staub,/ arme Hand, die Stadt ist tot.“ Einen Tag nach der Befreiung im April 1945, als die Alliierten nicht mehr von oben bombten, sondern zusammen mit den Partisanen friedlich einmarschierten, begann der Wiederaufbau.

AUFERSTANDEN AUS RUINEN


In Italien verändern die Museen der Moderne mit unkonventionellen Hängungen ihr Gesicht. Zum Beispiel die GNAM in Rom mit der Ausstellung „Time Is Out of Joint“ Rom (GNAM bis 15.4.2017) – Wer in Rom die Galleria Nazionale d’Arte Moderna (GNAM) betritt, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Da spiegelt sich etwa ein Herkules-Statue von Canova aus dem frühen 19. Jahrhundert in einer Bodeninstallation von Pino Pascali aus dem späten 20. Jahrhundert. Und hinter dem Canova zieht sich über die Wandfläche die Arbeit „Goldspolie auf Akaziennadeln“ von Giuseppe Penone (2002) hin. „Time Is Out of Joint“ lautet der Titel einer Ausstellung, mit der die seit kurzem amtierende Direktorin Cristiana Collu die Highlights der Sammlung des bislang betulich wirkende Museum durcheinander wirbelt.

LUFT FÜR VARIATIONEN



Die Madame Butterfly an der Mailänder Scala: Eine Wanderung durch die Bühnen- und Kulturgeschichte über vier Stationen von 1904 bis 1985 (und heute) im Scalamuseum Mailand (Museo Teatro alla Scala bis 28.2. 2017) – Die Geschichte der Aufführungen der Madame Butterfly an der Mailänder Scala, wo sie im Februar 1904 auch ihre Uraufführung erlebte, ist voller Höhen und Tiefen. Sie reicht vom Misserfolg ausgerechnet bei der Weltpremiere bis zu wundervollen Entdeckungen der altjapanischen Kultur etwa in einer Inszenierung von 1985. Im Scalamuseum ist parallel zur Spielzeiteröffnung mit einer Neuinszenierung der Puccini-Oper eine kleine, bezaubernde Ausstellung mit Kostümen, Dokumenten und Entwürfen aus über Einhundert Jahren zu sehen. Sie ermöglich Einblicke in vier wichtige Momente (1904, 1925, 1951, 1985) der Aufführungsgeschichte.

PRÄCHTIGE KOSTÜME, REICHE DOKUMENTE