Ausstellungen-Kuerze


100 Jahre Ettore Sottsass. Eine Ausstellung in der Triennale lässt auch das altes Buchprojekt „There is a Planet“ aufleben  Mailand (Triennale bis 11.3.2018) – Ettore Sottsass war ein Multitalent. Architekt, Designer, Künstler, Schriftsteller. Vor einhundert Jahren wurde er am 14. September 1917 in Innsbruck als Sohn eines Italieners und einer Österreicherin geboren, vor zehn Jahren starb er am 31.12.2007 in Mailand. In der Mailänder Triennale wird er jetzt mit einer ganz intim wirkenden Ausstellung gefeiert, die seine Frau Barbara Radice eingerichtet hat. Designobjekte, Möbel, Skizzen, Fotografien zeichnen mit Zitaten aus seinen Schriften den Lebensweg dieses exzentrischen, von schöpferischer Kraft durchdrungenen Mannes nach.

HALB GURU, HALB BAUER


Wie Künstler sich mit dem Thema Emigration auseinander setzen. Eine Ausstellung der Triennale Mailand und der Fondazione Trussardi Mailand (Triennale bis 20.8.2017)- Rastlos geht es zu auf dieser Erde. Ganze Völkerscharen sind unterwegs, fliehen vor Krieg, Hunger, Perspektivlosigkeit. Grenzen werden geöffnet und wieder geschlossen. Willkommenskulturen entstehen und gehen wieder unter. Menschen sterben elendig auf der Flucht. Mitleid mischt sich mit Ablehnung, Realpolitik mit Indifferenz. Der Blick der Medien ist an Katastrophen gefesselt, der Alltag wird oft weggeblendet. Was bleibt, ist häufig nicht mehr als ein Gefühl von Unbehagen und Hilflosigkeit. Und die Kunst? Wie sich die Gegenwartskunst dem Thema stellt, versucht eine Ausstellung in Mailand zu ergründen, die die Triennale zusammen der Trussardi-Stiftung veranstaltet.

MARE MOSTRUM



Auf Ausstellungen in Fontanellato und in Parma kann man den vielseitigen Künstler Carlo Mattioli, vor allem seine lichtvollen Landschaften und liebevollen Porträts entdecken Parma/Fontanellato (bis 24. September 2017) – Die Landschaft der Emilia zwischen Modena und Parma, Ferrara und Bologna hat mit ihren Farben und Stimmungen immer wieder Künstler geprägt. Zu denen gehört auch Carlo Mattioli (geboren 1911 in Modena, gestorben 1994 in Parma). Das Labirinto della Masone in Fontanellato bei Parma zeigt jetzt rund 60 Gemälde aus der Schaffensperiode zwischen 1961 und 1993. In der Biblioteca Palatina von Parma sind zeitgleich Buchillustrationen und Skizzen für Kostüme und Bühnenbilder von Theateraufführungen zu sehen. Anlässlich der Ausstellungen ist das Studio des Künstlers sowie das Mattioli-Archiv in Parma (nach Voranmeldung) zu besichtigen.

NEUES LEBEN


Der Mailänder Palazzo Reale zeigt Blätter einer gemalten Lebenserzählung von Charlotte Salomon, die 1943 in Auschwitz ermordet wurde. Ein Gesamtkunstwerk, das erst langsam ins Bewusstsein der Öffentlichkeit dringt. Mailand (Palazzo Reale bis 25. Juni) – Vor genau 100 Jahren wurde am 16. April 1917 Charlotte Salomon in Berlin geboren. Als Jüdin suchte die junge Künstlerin während des Krieges Unterschlupf bei den Großeltern in Südfrankreich. In einem kleinen Ort bei Nizza entstanden aus einer seelischen Krise heraus während nur 18 Monaten zwischen 1940 und 1942 hunderte Gouachen im A4-Format, mit denen sie ihre Geschichte und die ihrer Familie erzählt. „Leben? Oder Theater?“ lautet der Titel. Charlotte Salomon wurde im September 1943 in Nizza verhaftet und nach Auschwitz deportiert, wo man sie vermutlich gleich nach ihrer Ankunft ermordet hat. Kurz vor ihrer Verhaftung hatte sie noch geheiratet und war bei ihrem Tod im fünften Monat schwanger. Wie durch ein Wunder überstand der Koffer mit den Bildern die Kriegswirren. „Leben? Oder Theater?“ wird heute im Joods Historisch Museum von Amsterdam aufbewahrt. Eine breite Auswahl von 270 Arbeiten ist jetzt zusammen mit Fotografien in Mailand im Palazzo Reale zu sehen.

DAS MÄDCHEN UND DER TOD



Mit der Ausstellung „Rinascimento elettronico“ im Palazzo Strozzi kehrt der New Yorker Videokünstler Bill Viola nach Florenz zurück Florenz (Palazzo Strozzi bis 23.7.) – Das ist keine Ausstellung, die man einfach mal so durchlaufen kann. Allein die Videoarbeiten von Bill Viola aus den Jahren von 1995 bis heute, auf die der Besucher im ersten Stock des Palazzo Strozzi stößt, ergeben aneinandergehängt eine Laufzeit von rund zwei Stunden und 20 Minuten. Dazu kommen in der „Strozzina“, im Kellergeschoss des florentinischen Renaissancepalastes, frühe Arbeiten von 1973 an. Die Ausstellung mit dem Titel „Rinascimento elettronico“ möchte mit insgesamt 26 Werken den gesamten Schaffensraum des heute 66jährigen Videokünstlers aus New York widerspiegeln.

ZWISCHEN LIEBEN UND LEIDEN