Ausstellungen


Die 59. Internationale Kunstaustellung Venedig steht unter dem Titel „The Milk of Dreams“. Anregend und zugleich zukunftskritisch dreht sich die Hauptausstellung mit Arbeiten von vor allem Künstlerinnen um das Thema der Verwandlungen. Unter den 80 nationalen Beteiligungen bleibt der Pavillon Russlands geschlossen, den deutschen bespielt Maria Eichhorn. Venedig (Arsenale/Giardini della Biennale bis 27.11.) Es sind ganz unterschiedliche Eindrücke, die ein Rundgang durch die Hauptausstellung der 59. Kunstbiennale vermittelt. Gleich am Anfang in der ehemaligen Seilerei des Arsenale sieht man sich einer riesigen schwarzen Bronzestatue einer afrikanischen Frau ohne Augen gegenüber („Brick House“). Die Basis dieser Arbeit der afroamerikanischen Künstlerin Simone Leigh erinnert an eine kuppelförmige Lehmhütte. Etwas später wird man mit der prallen Sexualsymbolik im monumentalen surrealistischen Wandgemälde „Pisser Triptych“ der Schweizerin Louise Bonnet konfrontiert. Unter der Eingangskuppel des zentralen Pavillons der Giardini thront superrealistisch das bekannte, rund 4 Meter hohe Abbild einer Elefantin von Katharina Fritsch. Die 66jährige Künstlerin aus Essen wird in diesem Jahr gemeinsam mit der Chilenin Cecilia Vicuña mit einem goldenen Löwen für das Lebenswerk ausgezeichnet. Ein paar Räume weiter kann man einer Tanzperformance unter der Anleitung der Rumänin Alexandra Pirici beiwohnen.

„DIE MILCH DER TRÄUME“


Die Skulptur „You“ oder Warum Maurizio Cattelan Angela Merkel sein möchte Mailand (Galleria Massimodecarlo bis 25. 6.) – Hier hängt er nun im blauen Anzug mit Krawatte, einen Blumenstrauß in der Hand, barfuß und den Strick um in den Hals im grünen Marmorbad der Mailänder Galerie von Massimo De Carlo: eine der typischen Puppen von Maurizio Cattelan, die sein Antlitz – diesmal mit einem traurigen Lächeln – tragen. You nennt sich diese brandneue Arbeit. Aber was die einen schockiert, lässt andere nur gähnen. Cattelan, einst mit dem betenden Hitler, dem erschlagenen Papst oder dem erhängten Kind ein willkommener Provokateur und Meister der Ironie, so die Kritikerin Alessandra Mammì in der Zeitschrift Artribune, wiederhole sich nur noch müde selbst. Schockierend seien die Zeitläufe, nicht eine erhängte Puppe im Nobelklo.

NEUE FREUNDLICHKEIT



Parma, Mitte März – Der Himmel liegt grau über der Stadt Correggios und Toscaninis, aber Regen will nicht fallen. Der Fluss Parma verliert sich in seinem tief gelegenen Bett. Er tröpfelt dahin, als sei Hochsommer, dabei blühen gerade erst die Kirschbäume. In der Caffetteria an dem Viale Toschi glitzert noch die Weihnachtsdeko über dem Tresen. Bevor man bestellt, weist der Gast sich durch seinen „Greenpass“ aus. Auf einem der Tische liegt die Gazzetta di Parma. 450 Flüchtlinge aus der Ukraine sind angekommen. Die meisten finden Unterkunft bei Verwandten und Bekannten oder in religiösen Einrichtungen. Tagesgespräch ist das Fußballstadion. Das neue „Stadio Ennio Tardini“ soll das alte (aus den 1920er Jahren, zuletzt umgebaut 1993) nicht komplett ersetzen, sondern am selben Ort erweitern und modernisieren.  Am Teatro Regio laufen die letzten Proben für Bellinis „Norma“ dirigiert von Sesto Quatrini aus Vilnius (Litauen). Während man am späten Vormittag vorbei am Verdi-Denkmal auf den Palazzo della Pilotta zugeht, warten einige Schüler und Studenten aber auch Rentner auf den kniehohen Einfassungen der Piazza della Pace sitzend vergeblich auf Sonne. Hunde werden spazieren geführt.

In Parma


Casa di Goethe (1):  Friedrich Noack (1858-1930) in Italien. Schreiben, Kunst & Forschung. Eine Ausstellung Mailand/Rom (Casa di Goethe bis 18.9.) – Das 19. Jahrhundert und die Deutschen in Rom: „Mit Vorliebe setzten sich zwei oder drei Landsleute in eine versteckte Weinkneipe zusammen und schimpften auf die anderen.“ So zitiert der Kulturhistoriker Friedrich Noack, der von 1891 bis 1915 als Korrespondent für die Kölnische Zeitung in der Hauptstadt des noch jungen italienischen Einheitsstaates lebte, einen Zeitgenossen. Das Zitat findet man in Noacks monumentalem Werk „Das Deutschtum in Rom seit dem Ausgang des Mittelalters“, in dem der Autor eine ganz andere Haltung einnimmt: die des neugierigen Forschers und Sammlers von Informationen über die Geschichte seiner Landsleute. In mehreren Jahrzehnten legte er eine riesige Namenskartei von Deutschen unterschiedlicher Berufe an, die in der Neuzeit bis zum Beginn des ersten Weltkriegs in Rom Spuren hinterlassen hatten. Die Casa di Goethe Rom, das nach ihrem Selbstverständnis „einzigen deutschen Museum im Ausland“, hat Noack jetzt eine Ausstellung gewidmet.

DEUTSCH-RÖMISCHES PUZZLE



Fotoarbeiten der Fondazione MAST in Bologna erzählen Geschichten aus der Arbeitswelt vom Ende des 19. Jahrhunderts bis heute Bologna (Mast bis 22.5.) – Die Stiftung MAST präsentiert in Bologna eine außergewöhnliche Auswahl von über 500 Fotografien, Fotoalben und Videos von rund 200 Autorinnen und Autoren aus ihrer eigenen Sammlung. Ikonische Fotografien von weltberühmten Autoren wie Man Ray oder Herbert List, Dorothea Lange oder Gabriele Basilico, aber auch Arbeiten weniger bekannter oder unbekannter Fotografen und Künstler erzählen von der Welt der Arbeit vom Ende des 19. Jahrhunderts bis heute. Die Ausstellung, die Urs Stahel (Universität Zürich) kuratiert hat, schlängelt sich die Form eines Alphabets an den Wänden der drei Ausstellungsräume entlang und reicht mit 53 Kapiteln von A wie „Abandoned“ bis W wie „Waste“, „Water“ und „Wealth“.

DER MENSCH IM MITTELPUNKT